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Bedienkonzepte Im Griff und im Bilde

| Redakteur: Jens Badstübner

Optimale Bedienung ist eines unserer großen Kompetenzfelder“, lautet ein Audi-Marketingslogan. Um das unter Beweis zu stellen, wurde der neue A4 mit vielen aus dem A8 bekannten multimedialen

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Optimale Bedienung ist eines unserer großen Kompetenzfelder“, lautet ein Audi-Marketingslogan. Um das unter Beweis zu stellen, wurde der neue A4 mit vielen aus dem A8 bekannten multimedialen Finessen ausgerüstet. Etwa das Multi-Media-Interface (MMI), das aus dem A6 und dem A8 stammt. Ein Lautstärkenregler und 15 Tasten gruppieren sich um den zentralen Dreh-/Drückknopf. Er ist der Mittelpunkt des Bedienkonzeptes und die wesentliche Schnittstelle zwischen MMI und Fahrer. Acht der 15 MMI-Tasten bringen den Fahrer direkt in die Untermenüs und sollen so für Übersichtlichkeit und schnelle Menüwechsel sorgen.

Per MMI lassen sich neben Audiosystem, Telefon und Navigation auch diverse Fahrzeugeinstellungen ansteuern, etwa beim Fahrwerk oder den Sitzen. So können A4-Besitzer zahlreiche Kennlinien der Motor-, Lenkungs- und Dämpfungscharakteristik ihren Bedürfnissen anpassen und über das Menü abspeichern. Sie stehen dann per Knopfdruck sofort zur Verfügung.

Diese Personalisierung des Fahrzeugs bietet auch der BMW 3er. Ein Bildschirm im oberen Bereich der Mittelkonsole zeigt die jeweilige Aktion an. Beim A4 ist es serienmäßig ein monochromes 6,5-Zoll-Display, in Verbindung mit der aufpreispflichtigen DVD-Navigation ein 7-Zoll-Farbbildschirm.

Ein zweiter, kleinerer Bildschirm liegt zwischen dem Tachometer und dem Drehzahlmesser im Blickfeld des Fahrers. Er zeigt Fahrinformationen an, etwa Tages- und Etappenkilometer, Durchschnittsverbrauch und die Außentemperatur sowie Audioparameter. Diese Informationen steuert der Fahrer über die Bedienelemente des Multifunktionslenkrades.

BMW setzt beim neuen 3er Cabriolet sowohl auf Altbewährtes als auch auf Neues. Navigation, Klimaanlage, Kommunikation und Entertainment werden wie gewohnt per iDrive gesteuert. Allerdings in der neuen Version, mit besser strukturierten Menü-Ebenen und separaten Tasten für die wichtigsten Funktionen der Klimaanlage und des Audiosystems, wie sie auch der 5er schon hat. Zudem verfügt der 3er jetzt über acht frei belegbare Tasten.

Damit nimmt BMW wieder ein Stück des einst radikalen Bedienkonzeptes im 7er zurück, das teilweise vernichtende Kritik hervorrief. Der Mix aus direkt wählbaren, häufig genutzten Funktionen und einer controllergesteuerten Menüstruktur für nachrangige Funktionen ähnelt dem des MMI von Audi.

Mercedes-Benz verfolgt mit seinem Comand-Bediensystem in den neuen S- und C-Modellen eine ähnliche Strategie: Der Controller für die Audio-, Navigation- und Klimatisierungsmenüs ist ebenfalls in der Mittelkonsole hinter dem Schalthebel angebracht. So kann der Fahrer den Arm bequem auf die Mittelkonsole legen und mit der Hand den Controller bedienen.

Zwei Tasten vor dem Controller ermöglichen den Rücksprung in vorherige Menüs oder eine Korrektur der Eingabe. Die wichtigsten Funktionen von Audio- und Klimaanlage können wahlweise über Elemente in der oberen Mittelkonsole gesteuert werden. Der optionale, sieben Zoll große Bildschirm der C-Klasse ist zentral auf der Instrumententafel angeordnet und klappt bei Nichtbenutzung automatisch ein.

Alle drei Hersteller trennen somit deutlich die Bedienelemente von den Anzeigeflächen. Aus Ergonomiegründen sind die Bedienelemente jeweils auf der Mittelkonsole platziert, die großen Anzeigedisplays oben zentral auf der Instrumententafel.

Japanische Hersteller haben traditionell andere Vorstellungen: Sie bevorzugen berührungsempfindliche Bildschirme, so genannte Touchscreens. In japanischen und anderen asiatischen Metropolen herrscht häufig Stopp-and-Go-Verkehr. Die Standphasen bieten genügend Zeit für Eingaben.

Dass die Controller- und Touchscreen-geführte Bedienung auch stark vom kulturellen Kontext abhängt, belegte ein internationaler Bedientest aus dem Jahr 2007. Das Magazin „Auto, Motor und Sport“ ließ 40 professionelle Chauffeure die Bediensysteme von Audi A8, BMW 7er, Mercedes-Benz S-Klasse (alle mit Controller) und Lexus LS testen.

Dabei wurden einerseits objektive Fakten wie die Schnelligkeit von Eingaben und Kommandos gemessen. Andererseits bewerteten die Berufsfahrer aus Deutschland, China, Japan und den USA auch ihre subjektiven Eindrücke, wie die Ablenkung beim Bedienen oder die Logik der Bedienstruktur. Objektiv bewertet waren die Systeme von Audi, Lexus und Mercedes-Benz ähnlich gut zu bedienen, lediglich das iDrive von BMW fiel ab.

Subjektiv empfanden die Fahrer hingegen den Lexus-Touchscreen als einfacher zu bedienen. Allerdings hängt die erforderliche Eingabezeit sehr stark von der jeweiligen Funktion ab. So hatte Lexus beim Navigieren die Nase klar vorn, während die Eingabe einer Audiofunktion bei allen Systemen etwa gleich lang dauerte.

Nach Ländern gegliedert sahen die japanischen Chauffeure die Lexus-Bedienlogik vorn, weil in Japan Touchscreens weit verbreitet sind. Chinesen und Deutsche sahen Mercedes im Vorteil vor Audi und Lexus, die Amerikaner hingegen Lexus knapp vor Audi und Mercedes. Lediglich über das erste iDrive im 7er BMW ärgerte man sich länderübergreifend. BMW hat daraus – siehe oben – Konsequenzen gezogen.

Mittelklasse-Wettbewerber wie Ford und Volkswagen dürften solche Studien mit Genugtuung gelesen haben. Sind doch beide inzwischen Anhänger des Touchscreens. So bietet Ford für sein Mittelklasse-Modell Mondeo schon seit einiger Zeit ein Multimediasystem mit Touchscreen-Bedienung an. Grundfunktionen wie Navigation oder Audio können direkt mit seitlich vom Bildschirm liegenden Tasten angewählt werden. Innerhalb der jeweiligen Menüstruktur wird dann per Bildschirmberührung gearbeitet.

Auch Volkswagen bietet zum Beispiel für den neuen Mittelklasse-SUV Tiguan ein Radio-Navigationssystem mit Touchscreen-Bedienung an. Ähnlich wie beim Ford Mondeo gestatten seitliche Funktionstasten das schnelle Wechseln der Grundfunktionen, der Rest wird auf dem Bildschirm erledigt. Häufig genutzte Funktionen wie die Klimatisierung oder Lautstärkenregelung des Audiosystems sind mit separaten Bedienelementen in der Mittelkonsole oder im Lenkrad direkt erreichbar.

Im November 2007 hat Volkswagen angekündigt, ab 2008 die gehobenen Multimediasysteme durchweg mit einer Touchscreen-Steuerung auszustatten. Ein Indiz, dass diese Technik auch hierzulande salonfähig ist? Die drei selbsternannten Premium-Hersteller Audi, BMW und Mercedes-Benz werden diesen Trend jedenfalls aufmerksam verfolgen.

Mercedes-Benz geht noch einen Schritt weiter: Der Hersteller bietet in der C-Klasse eine Sprachsteuerung an, die ganze Wörter versteht. Die Zeiten des mühsamen Buchstabierens sind damit vorbei, Straßen- oder Städtenamen sind im Nu in das System eingespeist. Bei der C-Klasse kann sich der Fahrer von der Computerstimme auch seine auf dem Autotelefon ankommenden SMS vorlesen lassen.

Jürgen Goroncy

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