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Kältemittel R1234yf Im Kältemittelstreit rüsten die Parteien auf

Redakteur: Andreas Grimm, Andree Stachowski

Das Kältemittel R1234yf erhitzt wieder Befürworter und Gegner. Die EU-Kommission droht mit einem Verfahren gegen Deutschland. Dagegen legt die Deutschen Umwelthilfe neue Beweise für die Gefährlichkeit vor.

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Daimler weigert sich, das Kältemittel R1234yf einzusetzen. Nun verliert die EU-Kommission die Geduld, allerdings untermauert ein neuer Test die Bedenken des Automobilherstellers.
Daimler weigert sich, das Kältemittel R1234yf einzusetzen. Nun verliert die EU-Kommission die Geduld, allerdings untermauert ein neuer Test die Bedenken des Automobilherstellers.
(Foto: Daimler)

Daimler und Deutschland geraten wegen des weiterhin genutzten Auto-Kältemittel R134a wieder verstärkt ins Blickfeld der Brüsseler Kommission. Wie das „Handelsblatt“ in seiner Ausgabe vom 21. Januar unter Berufung auf Kommissionskreise berichtet, werde EU-Industriekommissar Antonio Tajani am Donnerstag ein Verfahren wegen Verletzung europäischen Rechts gegen den deutschen Staat eröffnen.

Tajani werfe den deutschen Behörden vor, widerrechtlich neue Fahrzeugtypen zu dulden, die mit einem veralteten Kältemittel befüllt sind. Damit verstoße Deutschland gegen EU-Klimaschutzauflagen. Insbesondere Daimler müsste seit Anfang des Jahres in zahlreichen Baureihen (A-, B-, CLA- und SL-Klasse) ein Kältemittel einfüllen, das in der Umwelt nur geringe Treibhauseffekte hat.

Tajanis Sprecher wollte den Bericht nicht kommentieren. „Wir untersuchen dies um zu sehen, ob es ein Problem mit dem Gemeinschaftsrecht gibt“, sagte er auf dpa-Anfrage. Brüssel pocht schon länger darauf, dass die Bundesregierung die entsprechenden EU-Regelungen umsetzt. Spätestens mit Beginn des Jahres 2013 müssen alle Pkw, die eine neue Typgenehmigung erhalten, mit einem klimaverträglicheren Kältemittel ausgerüstet werden.

Daimler verwendet das jahrzehntelang genutzte Produkt R134a weiterhin in neu zugelassenen Mercedes-Modellen, weil der Autobauer die von der EU zugelassene Alternative R1234yf für gefährlich hält. Nach einem Unfall könnte sich das Kältemittel entzünden, befürchtet der Hersteller. Die von Daimler vorgelegten Beweise für diese Bedenken sind unter Experten allerdings umstritten, auch das Kraftfahrt-Bundesamt kam in seiner Risikoanalyse zu keinem abschließenden Ergebnis.

Neuer Test der DUH bestätigt Zweifel an R1234yf

Nach Ansicht der Deutschen Umwelthilfe (DUH) ist das Kältemittel R1234yf sogar „noch gefährlicher als bislang angenommen“. Laut einer Pressemitteilung vom Dienstag habe ein neuer Test im Auftrag der DUH gezeigt, dass die Chemikalie selbst bei Fahrzeugbränden, die nicht direkt auf einen Austritt von R1234yf zurückzuführen sind, zum Risiko für Insassen, Ersthelfer und Rettungskräfte wird.

„Beim Abbrand des Fahrzeuges konnten wir alarmierende Mengen von Fluorwasserstoff (HF) feststellen. In der Abluft wurden knapp 45 ppm gemessen – diese Konzentration führt bereits nach kurzer Zeit zu irreversiblen gesundheitlichen Schäden“, heißt es in dem Bericht. Für die Durchführung des Tests zeichnete das Ingenieurunternehmen DMT verantwortlich, eine Tochtergesellschaft des TÜV Nord.

Das gewählte Brandszenario, durchgeführt an „einem der den zehn meistverkauften Automodellen in Deutschland“, bezeichnete die DUH als „keineswegs unüblich“. Viele der jährlich rund 20.000 Fahrzeugbrände in Deutschland entstünden Kabeldefekte, überhitzte Bremsen und Reifen, Vandalismus sowie übergreifende Flammen von brennenden Autos.

Angesichts der in dem Test festgestellten gesundheitlichen Risiken fordert die DUH ein Verbot von R1234yf und spricht sich für den schnellstmöglichen Einsatz der Kältemittelalternative CO2 aus. Diese Favorisiert auch Daimler. Der Autobauer will nach eigenen Angaben bereits Mitte des Jahres Komponenten für CO2-Klimaanlagen fertigen lassen.

„Es ist enttäuschend, dass die DUH viel Zeit in öffentlichkeitswirksame Aktionen investiert und dabei lediglich alte Behauptungen wiederholt“, heißt es dazu in einer Stellungnahme des R1234yf-Herstellers Honeywell. Diese Behauptungen seien von Experten aus der Industrie, von Aufsichtsbehörden und Fahrzeugherstellern wiederholt entkräftet worden.

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