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GM/Akerson In sechs Jahren gleichauf mit Volkswagen

| Redakteur: Jens Rehberg

An seinem letzten Arbeitstag hat Dan Akerson dem „Handelsblatt“ ein knackiges Interview gegeben – über das Aufräumen bei GM.

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Dan Akerson zum Chevy-Rückzug: „Seit zehn Jahren haben wir [Anm. der Red.: in Europa] weniger als zwei Prozent Marktanteil. Wissen Sie, was die Definition von Wahnsinn ist? Das Gleiche immer wieder und wieder mit dem gleichen Resultat zu tun.“
Dan Akerson zum Chevy-Rückzug: „Seit zehn Jahren haben wir [Anm. der Red.: in Europa] weniger als zwei Prozent Marktanteil. Wissen Sie, was die Definition von Wahnsinn ist? Das Gleiche immer wieder und wieder mit dem gleichen Resultat zu tun.“
(Foto: GM )

Ex-General-Motors-Chef Dan Akerson ist zuversichtlich, dass der zweitgrößte Automobilhersteller der Welt im Bereich Gleichteilestrategie zum Ende des Jahrzehnts mit Volkswagen und Toyota auf Augenhöhe kommen kann. „Jeden Tag haben wir Bauteile und Rohstoffe im Wert von 90 Milliarden Dollar im Konzern“, sagte der 65-Jährige in einem Interview mit dem „Handelsblatt“. Dieses Problem hätten zwar alle Hersteller, General Motors (GM) sei aber zu wenig integriert gewesen. Seine Nachfolgerin Mary Barra müsse nun weiter Komplexität aus dem Konzern holen und die Anzahl der Plattformen verringern.

In seiner GM-Bilanz attestiert Akerson Opel gute Fortschritte beim Kostenabbau. „Auf einer Skala von eins bis zehn sind wir derzeit bei sieben oder acht. Der schlimmste Teil liegt hinter uns.“ Jetzt könne sich Opel auf den Markt konzentrieren. Die Kostenstruktur in Rüsselsheim werde wettbewerbsfähig sein, sobald Opel in den nächsten Jahren ein oder zwei Prozent Marktanteil erobern kann.

Zum Rückzug der Marke Chevrolet aus Europa sagte Akerson dem „Handelsblatt“: „Ich habe im Archiv gestöbert, um herauszufinden, warum wir jemals dorthin gegangen sind.“ Dass trotz der anhaltend schlechten Zahlen die Entscheidung zum Rückzug relativ spät getroffen worden sei, begründet der GM-Manager mit den komplizierten Eigentumsverhältnissen innerhalb des Konzerns. Weil GM Europe zunächst bei GM Korea gelegen hätte, habe man erst die Kontrolle über den koreanischen Verwaltungsrat erlangen müssen.

Gewohnt bildhaft schildert Akerson im Gespräch mit dem „Handelsblatt“ zudem die Verhältnisse, die er 2009 bei GM vorgefunden hatte: „Als ich in die Vorstandsetage kam, teilten sich vier Manager 3.500 Quadratmeter, jeder hatte ein Badezimmer mit Dusche. Frühere Chefs hatten ihren Express-Fahrstuhl.“ Die an IBM oder Hewlett-Packard ausgelagerte IT habe jährlich mehrere Milliarden Dollar verschlungen. GM sei – Regierungsnetzwerke miteingerechnet – der weltweit viertgrößte IT-Nutzer.

Innerhalb des Konzerns habe es außerdem mehrere Kontoführungen gegeben. Die Regional- und Markenchefs hätten so verhindert, dass die Profitabilität der einzelnen Regionen hätte nachvollzogen werden können. „Heute, nach der kompletten Reform der Finanzsysteme, können wir nicht nur die Gewinne jedes Landes, sondern auch jedes einzelnen Fahrzeugtyps genau analysieren“, so Akerson.

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