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Volkswagen In Wolfsburg tagt das Präsidium

| Autor / Redakteur: dpa/gr / Andreas Grimm, Andree Stachowski

Die Eckdaten zum Diesel-Skandal von Volkswagen liegen auf dem Tisch, jetzt arbeiten die Führungsgremien an der Aufarbeitung. Im Zentrum der Spekulationen: Konzernchef Winterkorn.

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Bei Volkswagen tagt das Präsidium und wird auch Personalien infolge des Abgas-Skandals besprechen.
Bei Volkswagen tagt das Präsidium und wird auch Personalien infolge des Abgas-Skandals besprechen.
(Foto: VW)

Nach der öffentlichen Entschuldigung von VW-Chef Martin Winterkorn für den Abgas-Skandal wird nun mit Spannung eine Reaktion des mächtigen Aufsichtsratspräsidiums erwartet. Das Gremium hatte sich bereits am Dienstagabend überraschend zu Vorgesprächen getroffen, über eventuelle Ergebnisse wurde jedoch zunächst nichts bekannt. Nach Informationen der »Hannoverschen Allgemeinen Zeitung« tagte das Gremium in Gegenwart von Topmanagern des Konzerns. Am heutigen Mittwoch trifft sich das Gremium erneut an einem geheimen Ort, um das weitere Vorgehen besprechen.

Nach dem Bekanntwerden der Manipulationen an Diesel-Fahrzeugen hatte Volkswagen am Montag den Verkauf von Dieselwagen mit Vierzylinder-Motoren in den USA gestoppt. Betroffen sind Modelle der Kernmarke VW und der Tochter Audi. Man werde von den fraglichen Typen vorerst auch keine gebrauchten Wagen mehr verkaufen. In einer Videobotschaft hatte Konzernchef Martin Winterkorn daraufhin in einer Videobotschaft entschuldigt und umfassende Aufklärung und Wiedergutmachung angekündigt.

Erste Untersuchungen im Konzern haben ergeben, dass die Steuerungssoftware, die im Testbetrieb zu niedrigeren Schadstoffemissionen führt als im Normalbetrieb, auch in Diesel-Modellen außerhalb der USA eingesetzt wird. Wörtlich heißt es in einer Mitteilung der Wolfsburger: „Auffällig sind Fahrzeuge mit Motoren vom Typ EA 189 mit einem Gesamtvolumen von weltweit rund elf Millionen Fahrzeugen. Ausschließlich bei diesem Motortyp wurde eine auffällige Abweichung zwischen Prüfstandswerten und realem Fahrbetrieb festgestellt.“

Justizmaschinerie in den USA springt an

Mit der Aufarbeitung des Betrugs hat inzwischen die US-Justiz begonnen. Mehrere US-Bundesstaaten sind dabei, ein Bündnis zu formen, um Ermittlungen gegen den deutschen Autobauer einzuleiten. Das bestätigte ein Sprecher des New Yorker Staatsanwalts Eric Schneiderman. Für VW bahnt sich damit noch größerer Ärger an: Sowohl wegen möglicher Straftaten wie Betrug als auch wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Umweltgesetze könnten auf bundesstaatlicher Ebene empfindliche Strafen und Bußgelder verhängt werden.

Gegen die Reaktionen der US-Judikative hat sich der Konzern bereits in Stellung gebracht und die US-Anwaltskanzlei Kirkland & Ellis LLP angeheuert. Das berichtete die Agentur Bloomberg am Dienstagabend (Ortszeit) unter Berufung auf eine VW-Sprecherin. Die Kanzlei war bekannt geworden, als sie den Ölkonzern BP nach der Explosion der Ölplattform „Deepwater Horizon“ im Jahre 2010 mit elf Toten und der nachfolgenden Umweltverschmutzung vertrat.

Ungeklärte Zukunft Winterkorns

Unklar bleibt zunächst die Zukunft von Konzernchef Martin Winterkorn. Er selbst will an der Spitze des Konzerns bleiben, um die Affäre aufzuarbeiten. Vom Präsidium um den Interimsvorsitzenden Berthold Huber, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh war dagegen bislang keine eindeutige Stellungnahme zu erfahren, ob Winterkorn auf dem Chefsessel bleibt. Jedoch wurden aber auch Schnellschüsse und Vorverurteilungen abgelehnt.

Andererseits zitiert die »DPA« Stimmen aus dem Umfeld des Aufsichtsrats, dass „eine Verlängerung des Vertrages mit Herrn Winterkorn inzwischen unvorstellbar“ sei. Es gebe schon eine lange Liste mit möglichen Nachfolgern. „Das Problem ist nur, dass jede dieser Personen eine Riesenlücke an anderer Stelle hinterlassen würde.“ Insbesondere Porsche-Chef Manfred Müller wird genannt. Auch nach der Videobotschaft kursiert die Meinung, ein Rücktritt Winterkorns bleibe die eleganteste Lösung.

Theoretisch könnte das oberste Kontrollgremium auch die eigentlich für Freitag fest eingeplante Vertragsverlängerung mit dem 68-Jährigen aussetzen. Winterkorns bisheriger Vertrag läuft noch bis Ende 2016. Kritiker der Variante monieren jedoch, dass damit nicht sichergestellt ist, dass in dieser Zeit die laufenden Ermittlungen in den USA abgeschlossen werden können.

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