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Innovationsstudie: China hat Japan überholt

| Autor/ Redakteur: Jens Rehberg / Sven Prawitz

Jede dritte relevante Neuerung in der weltweiten Automobilindustrie kommt nach wie vor aus Deutschland. Mittlerweile folgt China auf Rang zwei. 2016 hatten dort noch die Japaner gestanden.

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Den chinesichen E-Auto-Hersteller Next EV gibt es zwar erst seit Kurzem, PWC und CAM zählten aber bereits letztes Jahr 50 relevante Innovationen des Herstellers.
Den chinesichen E-Auto-Hersteller Next EV gibt es zwar erst seit Kurzem, PWC und CAM zählten aber bereits letztes Jahr 50 relevante Innovationen des Herstellers.
(Bild: Next EV)

Deutschlands Autokonzerne sind immer noch die mit Abstand erfinderischsten der Welt – doch die Konkurrenz aus China holt rasant auf. Das zeigt die diesjährige Innovations-Studie des Centers of Automotive Management (CAM) in Kooperation mit der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PWC. 32 Prozent der maßgeblichen Einführungen von neuen Produkten oder Technologien in der globalen Automobilindustrie kamen demnach im vergangenen Jahr von Daimler, BMW oder aus dem Volkswagen-Konzern.

Auf Rang zwei mit 18 Prozent aller Innovationen folgen dann aber schon chinesische Hersteller wie Geely, Chery oder BYD – die damit ihren Anteil binnen zwei Jahren glatt verdoppelt haben.

Ende der Plagiatskultur?

Jahrelang wurde hierzulande über eine gewisse Plagiatskultur der chinesischen Konkurrenz geklagt – in manchen Fällen sogar innerhalb von bestehenden Kooperationen und Joint Ventures. Nun allerdings fangen chinesische Konzerne an, westlichen Herstellern nicht mehr nur nachzueifern, sondern sie mit eigenen Erfindungen offen herauszufordern.

Insgesamt untersuchte die jetzt veröffentlichte Studie die Innovationen von 35 Automobilkonzernen. Diese brachten im vergangenen Jahr insgesamt 1.223 relevante fahrzeugtechnische Neuerungen hervor. Das entspricht allerdings einem Rückgang von zwölf Prozent verglichen mit 2016. Unter den gewerteten Innovationen befanden sich fast 150 „Weltneuheiten“, darunter zum Beispiel die signifikant gesteigerte Reichweite des rein elektrisch angetriebenen Tesla Model S 100D, der „AI Staupilot“ im neuen Audi A8 oder die „On-Street-Parking“-Funktion in der 5er-Reihe von BMW.

Knapp jede fünfte Erfindung entfiel auf den Motorenbereich. Dabei stieg der Anteil der Neuerungen bei den alternativen Antrieben auf 9,8 Prozent und lag damit etwas höher als bei den konventionellen Antrieben.

Assistenz-Bereich besonders dynamisch

Der Löwenanteil aber – 27 Prozent aller Innovationen – kam aus dem Bereich der Sicherheits- und Fahrerassistenz-Systeme. Dazu zählten unter anderem Teslas sogenannter Autopilot und andere teilautonome Fahrassistenten wie Cadillacs „Super-Cruise“.

„An der Verteilung der Innovationen zeigt sich, dass die Grundbedürfnisse des Autofahrens wie Fahrleistungen oder Vielseitigkeit heutzutage weitestgehend befriedigt sind“, bilanziert CAM-Leiter Stefan Bratzel. „Stattdessen definiert sich der Kundennutzen immer stärker über den Komfort, das Nutzungserlebnis und tendenziell auch wieder vermehrt über die Sicherheit.“

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Über den Autor

Jens Rehberg

Jens Rehberg

stellv. Chefredakteur und Ressortleiter Newsdesk bei der Vogel Communications Group