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VDA Innovationstreiber

| Redakteur: Thomas Weber

Die Zulieferer fühlten sich in der Vergangenheit im Verband der Automobilindustrie nicht immer angemessen vertreten. Das soll sich nun ändern.

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Die deutsche Automobilzulieferindustrie hat Gewicht: In den vergangenen fünf Jahren konnte sie ihren Umsatz um 33 Prozent auf 75,4 Milliarden Euro im Jahr 2007 steigern. Dabei legte der Export mit einem Plus von 44 Prozent auf 33,4 Milliarden Euro deutlich stärker zu als der Inlandsumsatz mit plus 26 Prozent auf 42 Milliarden Euro.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) – die einzige Organisation in Europa, in der sowohl Hersteller als auch Zulieferer organisiert sind – sah sich lange Zeit der Kritik ausgesetzt, die Zulieferindustrie nur unzureichend zu vertreten. Das soll sich nun ändern. „Der VDA will die Interessen der Zulieferindustrie noch nachhaltiger vertreten und seine Verbandsarbeit gerade in diesem Bereich verstärken“, sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann im Juni in Frankfurt.

Diese Bemühungen resultieren aus der Erkenntnis des Verbandes, dass „die Zulieferindustrie in der öffentlichen Aufmerksamkeit noch nicht genügend präsent ist“. Und das, obwohl auf sie 75 Prozent der Wertschöpfung beim Automobil entfalle.

„Das gilt sicherlich nicht für die Großen der Branche wie Bosch, Conti oder ZF. Aber es gilt für die vielen mittelständischen Unternehmen, die zusammen ebenfalls eine große Bedeutung für die Innovationskraft der Branche haben“, so Wissmann.

Stärkere Unterstützung der kleinen und mittleren Zulieferer

Von den über 500 Mitgliedsunternehmen der Herstellergruppe III im VDA (Kfz-Teile und Zubehör) sind mehr als 80 Prozent dem industriellen Mittelstand zuzuordnen. „Der VDA sieht einen besonderen Schwerpunkt seiner Arbeit darin, gerade den kleinen und mittleren Unternehmen beratend und unterstützend zur Seite zu stehen. Dies gilt vor allem für den internationalen Auftritt, der für viele dieser Unternehmen deutlich schwieriger ist als für große Konzerne, die bereits über ein weltweites Vertriebs- und Produktionsnetz verfügen“, erklärte Dr. Jürgen Geißinger, VDA-Vizepräsident und Vorsitzender der Geschäftsleitung der Schaeffler-Gruppe (INA, LuK, FAG).

Zudem will der Verband kleine und mittlere Zulieferer stärker unterstützen, die im Rahmen von regionalen Clustern kooperieren und an Bedeutung gewinnen.

Wenn es um die Innovationsgeschwindigkeit gehe, seien die deutschen Zulieferer „ganz vorn anzutreffen“. So entfallen von den im Jahr 2007 getätigten Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen der deutschen Industrie in Höhe von rund 54 Milliarden Euro allein auf die Autoindustrie über 18 Milliarden Euro. Das sind beachtliche 35 Prozent. Der Hauptteil der Innovationen, gemessen an den Forschungs- und Entwicklungsausgaben, komme aus der Zulieferindustrie.

Unter den Top Ten der Patentanmelder im vergangenen Jahr beim Deutschen Patentamt finden sich gleich drei deutsche Zulieferer: Bosch auf Platz 1 sowie ZF und die Unternehmen der Schaeffler-Gruppe.

„Weitere Zulieferer – Behr und Continental Teves – sind in der Top-20-Liste vertreten“, sagte Geißinger. Entwicklungen wie die Reduzierung von Abgasemissionen und Kraftstoffverbrauch böten innovativen Zulieferunternehmen zusätzliches Wachstumspotenzial.

„Die deutsche Zulieferindustrie ist hervorragend aufgestellt“

Um die Zulieferindustrie ist Geißinger denn auch nicht bange: „Die deutsche Zulieferindustrie ist hervorragend aufgestellt und international positioniert.“ Bestätigt wird diese Aussage u.a. durch eine Marktstudie der Unternehmensberatung BBK Europe. „Wir haben die aktuellen Ergebnisse mit denen aus dem Vorjahr verglichen. Mehrere Unternehmen, die zum Zeitpunkt der letzten Untersuchung Finanzprobleme hatten, haben unprofitable Geschäftsfelder verkauft, ihr Eigenkapital erhöht und ihre Schulden reduziert“, so BBK-CEO William G. Diehl.

Aber: „Aufgrund der aktuellen Lage in der Automobilindustrie müssen Automobilhersteller und Tier-1-Zulieferer die operative und finanzielle Lage ihrer Zulieferer sorgfältig überwachen.“

Auch der VDA hat die Verbesserung der Wertschöpfung für das Gesamtprodukt Automobil im Visier. „Das Unternehmensziel der Mitglieder ist die Optimierung der eigenen Wertschöpfung. Dies kann mit den Interessen der anderen Beteiligten in der Kette kollidieren“, konstatierte VDA-Geschäftsführer Klaus Bräunig. Aufgabe des Verbands sei es, die Moderatorenrolle für die Themen und die Aussprache zwischen Herstellern und Zulieferern zu übernehmen und für einen Ausgleich der Interessen zu sorgen.

„Das setzt voraus, dass Zulieferer und Hersteller auf die langfristige Partnerschaft setzen, statt allein auf kurzfristige Erfolge“, so Bräunig.

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