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Karmann Insolvenz angemeldet

| Redakteur: Bernd Otterbach

Der Cabrio-Spezialist und Auftragsfertiger Karmann hat wegen drastischer Umsatzrückgänge Insolvenz angemeldet. Betroffen sind 3.470 Mitarbeiter.

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Karmann betonte, dass das Unternehmen im Kern sanierungsfähig und praktisch frei von Bankkrediten sei. „Der Zusammenbruch der Automobilmärkte und der Sozialplan übersteigen alledings die Finanzkraft des Unternehmens“, so Karmann weiter.

Mit dem vom Gericht zu bestellenden vorläufigen Insolvenzverwalter sollen nun die neu strukturierte Unternehmensgruppe in eine gesicherte Zukunft geführt und so viele Arbeitsplätze wie möglich gerettet werden.

Die Geschäftsführung stellte den Antrag zur Eröffnung des Verfahrens beim Osnabrücker Amtsgericht. Von dem Verfahren sind folgende deutsche Geselllschaften unmittebar betroffen:

- Automotive Global Service GmbH, Osnabrück

- Karmann-Engineering-Services GmbH, Bissendorf

- Karmann Rheine GmbH & Co. KG, Rheine

- Karmann Rheine - Verwaltungs GmbH, Rheine

Karmann wollte zum Mai die Fahrzeugproduktion am Standort Osnabrück mit dem Mercedes CLK Cabrio komplett schließen. 1.340 Mitarbeitern wurde daher betriebsbedingt gekündigt. In mehrmonatigen Sozialplanverhandlungen hatten sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf die Einrichtung einer Transfergesellschaft geeinigt. Dieser Sozialplan kann nun nicht mehr finanziert werden. Die Sozialplanvereinbarung stehe unter dem Vorbehalt der Finanzierung durch Karmann, sagte ein Mitglied des Betriebsrats. „Damit ist sie nun null und nichtig.“ Die Mitarbeiter, die bereits dem Übergang in die Transfergesellschaft zugestimmt hätten, gehörten damit weiterhin der Wilhelm Karmann GmbH an.

„Lupenreines Zulieferunternehmen“

Karmann erwirtschaftete noch im Jahr 2007 mit knapp 7.000 Mitarbeitern weltweit einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro. Geplant war für die Zukunft ein Umsatz von nur noch 500 Millionen Euro und ein Kern von 2.400 Mitarbeitern weltweit.

Der Sprecher der Karmann-Geschäftsführung Peter Harbig hatte im vergangenen Jahr einen Umbau des Unternehmens angekündigt. Es war dem Traditionsunternehmen zuletzt nicht mehr gelungen, Aufträge für den Komplettfahrzeugbau zu erhalten. Im Februar lief das letzte Audi A4-Cabriolet im Werk Rheine vom Band. Karmann wolle in Zukunft ein „lupenreines Zulieferunternehmen“ werden und sich im Wesentlichen auf die Produktion von Dachsystemen und auf die Fahrzeugentwicklung konzentrieren, sagte Harbig im vergangenen September.

Niedersachsen bestürzt

Die niedersächsische Landesregierung hat mit Bestürzung auf die Insolvenz von Karmann reagiert. „Das ist ein trauriger und ernster Tag“, sagte eine Sprecherin der Staatskanzlei am Mittwoch in Hannover. Die Landesregierung stehe dem Betriebsrat für Gespräche zur Verfügung. Es bestehe die Chance auf eine Transfergesellschaft für die Beschäftigten. Die Karmann-Insolvenz werde die Autokrise in Niedersachsen noch einmal verschärfen.

AI/dpa

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