Suchen

Interieur Kältemittel: EU verklagt Deutschland

| Autor / Redakteur: SP-X / Jens Scheiner

Nächste Eskalationsstufe im Kältemittelstreit: Die EU-Kommission klagt nun gegen das deutsche Laissez-Faire bei Daimlers Klimaanlagen-Sonderweg.

Firma zum Thema

Die EU verklagt Deutschland wegen fehlender Durchsetzung des Kältemittelverbots.
Die EU verklagt Deutschland wegen fehlender Durchsetzung des Kältemittelverbots.
(Foto: Delphi )

Der Streit um die Kältemittel bei Autoklimaanlagen geht vor den Europäischen Gerichtshof. Die EU-Kommission erhebt Klage gegen die Bundesrepublik wegen der Verwendung eines verbotenen Treibhausgases als Fahrzeug-Kältemittel. Dabei geht es vor allem um die Weigerung des Daimler-Konzerns, ein neues Kältemittel mit geringerem Klimapotential einzusetzen. Das Unternehmen hält den Stoff für feuergefährlich.

Die Bundesrepublik hat nach Ansicht der EU-Kommission gegen EU-Rechtsvorschriften verstoßen, indem sie zuließ, dass Daimler Autos mit dem eigentlich bereits verbotenen Vorgänger-Kältemittel auf den Markt brachte. Auch nach Einleitung eines Vertragsverletzungsverfahrens seien keine Schritte unternommen worden, das Problem zu lösen.

Mögliche Entflammbarkeit des Kältemittels

Angelpunkt des Streits ist das umstrittene Kältemittel 1234yf. Es ersetzt seit 2011 schrittweise das bisher verwendete R134a, ab 2017 ist es für alle Neuwagen Pflicht. Hintergrund für den Wechsel des Kältemittels ist eine EU-Richtlinie, die für derartige Stoffe ein niedrigeres Treibhaus-Potential fordert. 2012 jedoch zeigte sich bei einem Test von Daimler die mögliche Entflammbarkeit von R1234yf, woraufhin der Autohersteller den Einsatz verweigerte. Bei ursprünglich für 1234yf zertifizierten Fahrzeugtypen setzte man daher weiterhin die Vorgängerchemikalie ein – für die EU-Kommission ein Verstoß gegen die Typgenehmigung. Zwischenzeitlich hat Daimler zumindest eine technische Teillösung für das Problem gefunden. Ab 2016 werden E- und S-Klasse mit neuartigen Klimaanlagen ausgerüstet, die CO2 als Kältemittel nutzen. Bei den anderen Modellen müssen die Stuttgarter allerdings spätestens 2017 dann doch das geschmähte 1234yf einsetzen.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 43778159)