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Magnesium Karrieresprung ins Interieur

| Redakteur: Jens Badstübner

Schon seit Jahren bewährt sich Magnesiumguss z.B. bei Sitzgestellen, Türmodulen, Schalthebelkonsolen oder den Halterungen des Armaturenbretts. Bei Sichtteilen schlossen fehlende dekorative

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Schon seit Jahren bewährt sich Magnesiumguss z.B. bei Sitzgestellen, Türmodulen, Schalthebelkonsolen oder den Halterungen des Armaturenbretts. Bei Sichtteilen schlossen fehlende dekorative Oberflächen den Einsatz bislang aus. Das könnte sich ändern: Als nach eigenen Angaben weltweit erstes und einziges Unternehmen hat die Paderborner HDO Druckguss- und Oberflächentechnik GmbH eine Prozesstechnik entwickelt, um galvanische Oberflächen auf Magnesium aufzubringen. „Dass Magnesium überhaupt galvanisiert werden kann, ist im Labormaßstab schon öfters gelungen. Aber die prozesssichere Herstellung in automobiltauglichen Losgrößen ist einmalig“, sagt Werner Beneken, geschäftsführender Gesellschafter von HDO.

Im Vergleich zu den sonst häufig im Innenraum anzutreffenden metallisierten Kunststoffen hat Magnesium einige Vorteile. So sind die mechanischen Kennwerte (Festigkeit, E-Modul) sowie die Temperaturbeständigkeit durch die Metall-Metall-Bindung deutlich höher als bei galvanisch beschichteten technischen Kunststoffen. Mechanisch hoch beanspruchte Strukturen wie z.B. Handgriffe im Dachbereich können mit Magnesium in Abmessungen hergestellt werden, an die mit Kunststoff gar nicht zu denken wäre.

Das Verfahren insgesamt ist aufwändig. Alternativ zur Behandlung mit organischen Lösungsmitteln kann Magnesium auch wässrig entfettet werden. Es folgt die Aktivierungsbehandlung. Dabei wird die Oberfläche von störenden Oxidschichten befreit. Anschließend wird eine hauchdünne Metallschicht aufgebracht. Damit sind die Teile bereit für die weitere „Reise“ durch die vollautomatische Galvanikanlage von HDO, die aus 150 Tauchbecken mit jeweils 4 000 bis 8 000 Litern Inhalt besteht. In weiteren Schritten werden zunächst Kupfer-, Nickel- und abschließend Chromschichten abgeschieden.

Trotz dieser aufwändigen Anlagentechnik soll sich Magnesium laut Beneken auch aus Kostengründen rechnen. Beim Preisvergleich mit gefüllten technischen Kunststoffen sei zu beachten, dass ein Magnesiumteil in der Regel deutlich dünnwandiger und damit oft auch leichter ausgeführt werden könne als ein Kunststoffteil gleicher Stabilität. „Noch attraktiver wird Magnesium, wenn die aufgrund der hervorragenden Recycelbarkeit geringen Entsorgungskosten berücksichtigt werden“, sagt Beneken.

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