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BMW X5 Kaschmir statt Jeans

| Redakteur: Christoph Baeuchle

Manche Fullsize-SUV nutzen ihre Statur zur puren Demonstration der Größe. Die BMW-Designer haben andere Ansprüche: Sie wollen dem X5 eine souveräne, elegante Präsenz mitgeben. Was

Manche Fullsize-SUV nutzen ihre Statur zur puren Demonstration der Größe. Die BMW-Designer haben andere Ansprüche: Sie wollen dem X5 eine souveräne, elegante Präsenz mitgeben. Was bei einer fast 20 Zentimeter längeren sowie höheren und breiteren Karosserie gar nicht so einfach ist.

Zur Betonung der optischen Agilität haben die Designer kurze Karosserieüberhänge vorn und hinten gezeichnet und mit großen Rädern kombiniert. Der relativ geringe Abstand zwischen der Vorderachse und der Instrumententafel soll den Blick des Betrachters deutlicher auf die Frontpartie lenken und so ein optisches Gleichgewicht mit dem voluminösen Heck herstellen.

Die Außenflächen sind überwiegend konkav und konvex geformt. Ihr Wechselspiel erzeugt Licht- und Schattenverläufe, die dem X5 eine kraftvolle Ausstrahlung und elegante Präsenz verleihen sollen. Der relativ lange Radstand streckt die Seitenpartie und verleiht ihr zusammen mit der breiten D-Säule Stabilität. BMW-typisch sind der Hofmeister-Knick in der D-Säule und eine hinter den vorderen Radhäusern entspringende Sickenlinie, an der konvexe und konkave Flächen aufeinandertreffen. Die hohe Lichtkante des Stoßfängers und die weit in die Klappe hineinragenden Rückleuchten sind weitere markante Elemente.

Noch weiter oben ist der nach Angaben von Rehau bislang größte Thermoplast-Spoiler für Pkw angebracht. Seine seitlichen Abrisskanten erzeugen einen definierten Strömungsabriss. Zum Modul gehören neben dem Trägerelement mit Bremsleuchte auch die Spritzwasserdüse für die Heckscheibe und eine Radioantenne, ein in Wagenfarbe lackiertes Sichtteil sowie eine Blende in Kontrastfarbe. Rehau liefert den Heckspoiler mit einer in drei Raumachsen frei justierbaren Befestigung aus seinem Werk in Cullman just in sequence nach Spartanburg. Weitere Teile des oberfränkischen Spezialisten für lackierte Außenanbauteile sind die Profile der Frontscheibeneinfassung.

Die Front prägt eine stark konturierte Motorhaube samt den beiden integrierten Nieren mit dreidimensional ausgeformten Zierstäben. Optische Breite haben die BMW-Designer mit den weit außen platzierten Nebelscheinwerfern geschaffen. Die sich nach vorne verjüngende Motorhaube wird von stämmig wirkenden Seitenwänden eingerahmt, die sich über die deutlich konturierten Radhäuser spannen. Die Fugen zwischen Haube und Seitenwänden setzen sich mit einer Kontur auf der Abdeckung der Scheinwerfer fort. Letztere sind oben leicht angeschnitten und ziehen sich bis weit in die Seitenflanken hinein.

Ein weiteres Lichtelement an der Seite sind die beleuchteten Einstiegsleisten von Schreiner Vario Light, die der Kunde über das Individualprogramm der M GmbH beziehen kann. Die Leisten bestehen aus elektrolumineszierenden Folien, die durch prinzipiell frei wählbare Farben, Muster und Strukturen ein dem Charakter des X5 angemessenes und homogenes Lichtbild erzeugen. Weitere Folien sorgen für besondere Farbgebungen und präzise Beschriftungen. Die erforderliche Lichtechtheit, Kratz- und Scheuerfestigkeit stellt eine Oberflächenversiegelung mit Polyurethanharz sicher. Angesteuert werden die Einstiegsleisten mit einem Inverter, der vergossen und somit unempfindlich gegen jegliche Beeinträchtigung durch Wasser und Staub ist. Wegen seiner kompakten Maße wird der Inverter direkt unter der Einstiegsleiste eingebaut.

Kennzeichen des X5-Innenraums sind eine erhöhte Sitzposition und eine leicht dem Fahrer zugeneigte Instrumententafel. Dennoch sind laut BMW sämtliche Funktionen und Anzeigen auch für den Beifahrer mühelos bedien- und ablesbar. Das große Display des i-Drive-Systems sitzt mittig in der Instrumententafel. Diese wirkt durch ihre horizontale Gestaltung relativ schlank und ragt bogenförmig in den Innenraum. Im Bereich des Mitteltunnels scheint das tragende Element der Instrumententafel geradezu nach unten wegzutauchen.

Neben dem Zweizonen-Klimakomfort für Fahrer und Beifahrer können auch die Passagiere im Fond ihr Klima mit einem separaten Bediensystem regeln. Die Forderung einer markanten Haptik der beiden Drehsteller zur Temperaturregelung erfüllte Preh durch den Einsatz von Kugellagern. Die strikte Trennung von Haptik und Funktion wird bei diesen Systemen durch Hall-Sensoren erreicht, die das Gebläse der Klimaanlage bei Änderung der Temperaturvorgaben durch den Fahrer aktivieren. Das in drei Varianten (1-zonig, 2 ½-zonig und 4-zonig) erhältliche Klimabediensystem wird mit nur einer Software-Variante gesteuert.

Für Individualität sorgt auch die Bestuhlung. Vorne nehmen Fahrer und Beifahrer auf Sitzen mit zahlreichen elektrischen Verstellmöglichkeiten Platz. Die Stoff- oder Lederoberflächen sind wie die Lederbezüge der gepolsterten Armauflage farblich mit dem restlichen Interieur abgestimmt. Die Sitzlehnen der zweiten Reihe sind im Verhältnis 60:40 klappbar. Die Neigung der Lehnen lässt sich in vier Stufen verstellen, die Sitze selbst sind in der Länge zu verschieben, sodass mehr Ladevolumen oder mehr Kniefreiheit für die Passagiere entsteht.

Bei einer zusätzlichen dritten Sitzreihe (Option) lässt sich die zweite Sitzreihe mit aufgestellten Lehnen komplett nach vorne schwenken, um den Einstieg nach ganz hinten zu erleichtern. Auf den beiden Einzelsitzen der dritten Reihe sind Passagiere bis etwa 1,70 Meter bequem untergebracht. Separate Heizungs- und Belüftungsdüsen sorgen für den Komfort, in der Höhe verstellbare Kopfstützen und Dreipunkt-Automatikgurte für die Sicherheit.

Werden die Plätze sechs und sieben nicht benötigt, können die Sitze einzeln flach auf dem Gepäckraumboden abgelegt werden. Zusammen mit den umgeklappten Sitzen der zweiten Reihe entsteht eine ebene Ladefläche mit einem Stauvolumen von 1 750 Liter – das sind etwa 200 Liter mehr als beim Vorgänger. Als Fünfsitzer stehen 620 Liter (plus 110 Liter), als Siebensitzer noch 200 Liter Laderaum bereit. Ohne dritte Sitzreihe ist unter dem Kofferraumboden ein weiteres Fach mit 90 Liter Fassungsvermögen eingearbeitet.

Dieses neue Raumkonzept hat die Entwickler vor neue Herausforderungen gestellt – schließlich handelt es sich um den ersten BMW der Firmengeschichte mit sieben Sitzen. Wie, zum Beispiel, kann man drei Sitzreihen in die vorgegebene Fahrzeugproportion integrieren? Wie die Sitzpositionen und den Verlauf der Sicherheitsgurte analysieren, wenn noch kein physisches Modell zur Verfügung steht?

BMW hat daher bereits in einer frühen Entwicklungsphase den Innenraum mithilfe der CAD-Software Ramsis der Human Solutions GmbH ausgelegt. Mit virtuellen Testpassagieren von Ramsis haben die Ingenieure zum Beispiel die Variabilität der zweiten Sitzreihe (klappbar, längs verschiebbar) definiert. Außerdem wurde ermittelt, bis zu welcher Körpergröße die Insassen in der dritten Reihe bequem sitzen können. Schließlich wurde der Gurtverlauf für alle Plätze mit Ramsis simuliert und verschiedenen Komfortanalysen unterzogen.

Jürgen Goroncy

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