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Abschlussbericht KBA empfiehlt weitere Prüfung im Kältemittelstreit

Redakteur: Andreas Grimm, Andree Stachowski

Die Brandgefahr des Kältemittels R1234yf ist sehr gering, allerdings höher als beim Vorgängerprodukt. Verwenden muss Daimler den Stoff vorerst dennoch nicht.

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Nachdem zuletzt Opel nach einem gemeinsam mit dem TÜV Rheinland durchgeführten Crashtest feststellte, dass sich das Kältemittel nicht entzündete, empfiehlt nun das KBA in einem Abschlussbericht „die Umstände des Kältemittel-Austritts weiter zu untersuchen“.
Nachdem zuletzt Opel nach einem gemeinsam mit dem TÜV Rheinland durchgeführten Crashtest feststellte, dass sich das Kältemittel nicht entzündete, empfiehlt nun das KBA in einem Abschlussbericht „die Umstände des Kältemittel-Austritts weiter zu untersuchen“.
(Foto: Opel)

Im Ringen um den Einsatz des Kältemittels R1234yf in den Autoklimaanlagen ist nach Monaten des Testens und Prüfens durch das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) weiterhin kein Schlussstrich in Sicht. Nach Abschluss der Sicherheitsprüfung zur Entflammbarkeit des neuen Kältemittels sei dessen Einsatz im Sinne der Produktsicherheit generell zwar nicht als gefährlich einzustufen, heißt es aus der Behörde. Allerdings hatte ein Teil der Tests unter extremen Bedingungen eben doch zum Austritt des Kältemittels und seiner Entflammung geführt, weswegen das KBA im Abschlussbericht „mit Nachdruck empfiehlt, die Umstände des Austritts weiter zu untersuchen“.

Im Juli hatte das KBA insgesamt 22 Crashs unterschiedlicher Schwere durchgeführt und die Auswirkungen der Zerstörungen auf die Klimaanlagen untersucht. Die Anwendbarkeit der Aufprallszenarien war dabei nach Aussage des KBA mit den Fahrzeugherstellern und deren Ingenieuren abgestimmt.

In den realitätsnahen Crashs traten „bei keinem der getesteten Fahrzeuge Entflammungen auf“, sodass sich keine signifikante Eintrittswahrscheinlichkeit einer Gefährdung von Menschen durch das Kältemittel R1234yf ergeben habe, heißt es in dem Bericht. Gleichwohl könne „der Eintritt eines beschriebenen Gefahrenereignisses auch nicht vollends ausgeschlossen werden“.

Sicher ist dagegen, dass bestimmte Unfallszenarien „am Ende des Wahrscheinlichkeitsspektrums“ zu Bränden im Motorraum oder zur Freisetzung von „Fluorwasserstoffkonzentrationen in nicht vernachlässigbarer Größenordnung“ führen. Es zeige sich im Vergleich mit dem bisher verwendeten Kältemittel R134a, dass „das generelle Sicherheitsniveau von Kraftfahrzeugen durch den Einsatz von R1234yf tendenziell verschlechtert wird“, heißt es in dem Bericht des KBA.

Angesichts des „Sowohl, als auch“-Ergebnisses rät der Prüfbericht dazu, die Erkenntnisse in künftige Typgenehmigungsverfahren einfließen zu lassen und Sicherheitsanforderungen für Fahrzeugklimaanlagensysteme gesetzlich festzulegen. Andere brennbare Bauteile wie Kraftstoffleitungen seien seit längerem möglichst crashsicher verbaut. Da diese Verfahren auf europäischer Ebene geführt werden, liegt der Ball damit wieder ein Stück weit bei der EU-Kommission.

Typgenehmigung schützt Daimler derzeit

Am Ball ist Brüssel noch immer wegen der strittigen Rechtslage hinsichtlich der Daimler-Neufahrzeuge. Während sich der Autobauer auf die verlängerte, im Juni in Deutschland nachträglich erfolgte Typgenehmigung für seine neuen Modelle beruft, lehnt Brüssel dieses Vorgehen ab. Seither ist die Weigerung von Daimler, das Kältemittels R21234yf zu verwenden, ein Politikum. Obwohl der Prüfbericht des KBA die Sicherheitsbedenken von Daimler nicht zwingend untermauert, kann der Autobauer durch die Typgenehmigung derzeit legal das alte Kältemittel selbst in seine neusten Modellen einfüllen. Spätestens Ende 2016 ist allerdings endgültig Schluss, denn dann darf das alte Kältemittel auch in den Fahrzeugen mit bestehenden Typgenehmigungen nicht mehr eingesetzt werden.

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