Suchen

Grammer Kempis kritisiert Angebot

| Redakteur: Bernd Otterbach

Rolf-Dieter Kempis, Vorstandsvorsitzender der Grammer AG, hat ein mögliches Übernahmeangebot des österreichischen Anteilseigners Polytec als zu niedrig bezeichnet.

Der Vorstand von Polytec habe ein Angebot von 16,50 Euro pro Aktie angedeutet, teilte Grammer auf der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt am Montag mit. Der Kurs der Grammer-Aktie betrug am Freitag 16,50 Euro. Nach den Worten von Kempis könne man ein solches Angebot den Aktionären nicht zumuten. Er forderte das Unternehmen aus Oberösterreich auf, nachzubessern. Zudem zweifelte der Grammer-Chef mögliche positive Effekte einer Übernahme an. So sei ein zusammengeschlossenes Unternehmen noch stärker auf den Automobilhersteller BMW fokussiert.

Die Polytec-Gruppe bestritt derweil, ein konkretes Übernahmeangebot gemacht zu haben. Man habe lediglich eine Bewertung vorgenommen.

Zu Jahresbeginn hatte Polytec etwa 10 Prozent der Anteile an der Oberpfälzer Grammer AG übernommen. Im Anschluss daran war zu ersten Gesprächen zwischen den beiden Vorständen gekommen.

Umsatz-Plus und Ergebnis-Minus

Im Geschäftsjahr 2007 steigerte die Grammer AG – wie am 25. Februar bereits vorab veröffentlicht – den Konzernumsatz um 13,3 Prozent auf 998,1 Millionen Euro (Vorjahr 881,0 Millionen Euro). Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) nach Sonderaufwendungen sank auf 32,1 Millionen Euro (38,9). Damit erreichte das Unternehmen seine Ergebnisprognose aus dem Oktober 2007. Nach Steuern ergibt sich Überschuss von 17.6 Millionen Euro (21,3).

Umsatzwachstum in allen Regionen

Grammer steigerte in allen Regionen den Umsatz. In Europa legten die Segmenterlöse um 9,4 Prozent auf 752,1 Millionen Euro (687,2) zu. Die Region Nord- und Südamerika trug mit einem Zuwachs von 41,1 Prozent auf 151,8 Millionen Euro (107,6) überproportional zum Umsatzwachstum des Konzerns bei. Der Segmentumsatz in der Region Ferner Osten/Rest erhöhte sich um 9,3 Prozent auf 94,2 Millionen Euro (86,2).

Kosten drücken aufs Automotive-Ergebnis

In der Sparte Automotive stieg die Nachfrage vor allem in den Exportmärkten und im Premiumsegment. Der Umsatz legte in diesem Bereich um 14,4 Prozent auf 657,7 Millionen Euro (574,8) zu. Das Unternehmen begründete das Wachstum mit guten Produktionszahlen neuer Kunden, Modellwechsel bei Volumenmodellen wie der C-Klasse von Mercedes-Benz sowie die Produktionsanläufe für sensorgesteuerte crashaktive Kopfstützen für mehrere Baureihen von BMW. Die aussichtsreiche Marktposition belege auch der Entwicklungsauftrag für die komplette Mittelkonsole des VW Touareg.

Das EBIT im Segment Automotive verminderte sich auf 10,7 Millionen Euro nach 22,7 Mio. Euro im Vorjahr. Hier hätten sich steigende Rohstoffpreise, die Schwäche des US-Dollar und höhere Lohn- und Infrastrukturkosten an den osteuropäischen Standorten belastend ausgewirkt.

Sitz-Bereich profitiert vom Nutzfahrzeug-Boom

Im abgelaufenen Geschäftsjahr bündelte Grammer die bisherigen Segmente Fahrersitze und Passagiersitze im neu formierten Geschäftsbereich Seating Systems. In diesem Segment baute Grammer 2007 seine führende Marktposition weiter aus und steigerte den Umsatz um 16,6 Prozent auf 363,3 Millionen Euro (311,5). Grammer profitierte hier insbesondere von einer guten Auftragslage im Offroad-Bereich und im Geschäftsfeld Lkw. Einen Umsatzzuwachs verzeichnete der Konzern auch im Geschäft Busse und Bahnen.

Die Fokussierung auf Nischenprodukte habe sich positiv in der Ertragslage des Segments niedergeschlagen, so das Unternehmen weiter. Der Bereich Seating Systems steigerte das EBIT um 43,1 Prozent auf 24,1 Millionen Euro (16,8).

Robuste Auftragslage

Im Geschäftsjahr 2008 will Grammer sich auf die „konsequente Umsetzung des laufenden Wachstums- und Optimierungsprogramms“ fokussieren. Neue Produkte und eine verstärkte Präsenz in Asien und Russland sollen das Geschäft vorantreiben. Der Umsatz werde leicht auf 1,03 Milliarden Euro (998,1 Millionen Euro) Euro steigen. Für 2009 peilt Grammer eine EBIT-Marge von rund fünf Prozent an. Das Geschäft habe sich um ersten Quartal robust entwickelt und die Auftragslage sei gut.

(ID:249529)