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Mercedes E-Klasse-Cabrio Kleine Meisterleistung

| Redakteur: Jürgen Goroncy / Hartmut Hammer

Fahrer und Beifahrer eines neuen E-Klasse-Cabrios haben Mützen und Schals immer dabei – in Form des neuen Windabweisers Aircap und der bereits aus dem SLK und SL bekannten Nackenheizung Airscarf.

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Beide Systeme überzeugten bei den Testfahrten auf der winterlichen Ferieninsel Mallorca – wenn auch nicht uneingeschränkt. Das Motto der Pressekampagne „Vier Jahreszeiten, vier Personen“ sollte man wie folgt interpretieren: Vier Personen fahren im Sommer einigermaßen komfortabel. Im Fond bläst aber normal gewachsenen Passagieren eine Brise um die Ohren, die bei kühlen Temperaturen alles andere als angenehm ist. Auf den beiden vorderen Plätzen können die Passagiere das Open-Air-Feeling hingegen das ganze Jahr über genießen.

Was nicht zuletzt an dem aufwendigen Windabweiser liegt, der als Sonderausstattung einzeln oder zusammen mit dem Airscarf erhältlich ist (gemeinsam 1.249 Euro Aufpreis). Er ist wie herkömmliche Windabweiser oben am Frontscheibenrahmen montiert und fährt bis Tempo 160 auf Knopfdruck etwa sechs Zentimeter hoch in seine Position. Der nur knapp zwei Zentimeter hohe Spoiler lenkt den Luftstrom recht gut über die Frontpassagiere hinweg. Zwischen Rahmen und Abweiser spannt sich dann ein Netz auf, das zusammen mit einem Windschott zwischen den Fond-Kopfstützen das Druckniveau im Passagierbereich anhebt und so die durch Rückströmungen ausgelösten Turbulenzen verringert.

Warmluftsee aus den Airscarf-Düsen

In diesem Zustand bildet die warme Luft aus den Airscarf-Düsen quasi einen Warmluftsee. Hilfreich ist, dass die Ausströmdüse jetzt erstmals bewegliche Lamellen hat, die den Luftstrom um insgesamt 36 Grad nach oben oder unten lenken. Für die Wärme sorgt ein 200 Watt starkes elektrisches PTC-Heizelement in der Rückenlehne. Ein Steuergerät berechnet abhängig von der Innen- und Außentemperatur, geschlossenem oder offenem Verdeck sowie dem Fahrttempo die bestmögliche Luftverteilung.

Der beim Windabweiser von Daimler getriebene Aufwand ist enorm. Er besteht aus 211 Einzelteilen, aus 32 verschiedenen Werkstoffen, auf die 14 verschiedene Oberflächenbeschichtungen aufgebracht sind. Daimler hat das System selbst entwickelt und dafür 20 Patente angemeldet. Beispielsweise hat Daimler den Elektromotor für den Antrieb des Spoilers bei einem Schweizer Spezial-Lieferanten konstruieren lassen. Die Fertigung des Gesamtmoduls übernimmt ein externer Lieferant. Welcher, wollte man auch auf Nachfrage nicht verraten.

Karmann liefert die Mütze

Mitteilsamer war man beim Lieferanten für das dreiteilige Stoffdach: Karmann liefert die Mütze, die bis zu Tempo 40 auf Knopfdruck in etwa 20 Sekunden automatisch in Kofferraum verschwindet. Aus dem hohen Norden (Werk Bremen) kommt auch das Gesamtfahrzeug. Was wiederum bestätigt, dass das E-Klasse-Cabrio – wie schon der Vorgänger CLK – und das aktuelle E-Klasse Coupé eigentlich nicht auf der E-Klasse-Plattform basiert. Und siehe da, Radstand und Spurweiten sind teilweise identisch mit denen der C-Klasse. Allerdings sind das neue Cabrio und das Coupé länger als selbst der C-Klasse-Kombi und bieten eine Serien- und Sonderausstattung auf E-Klasse-Niveau. Somit ist die Einreihung des Cabrios in diese Baureihe vertretbar – schließlich gehören Plattformstrategien und Baukastensysteme inzwischen zum guten Ton im Automobilbau.

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