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Mobilität Kommentar: „Stillstand in Berlin“

| Autor: Claus-Peter Köth

Der CO2-Ausstoß der Neuwagenflotten muss bis zum Jahr 2030 deutlich sinken: Was die EU-Kommission im November beschlossen hat, sorgt für Diskussionen. Sind die Ziele zu lasch oder zu ambitioniert? Ein Kommentar von »Automobil Industrie«-Chefredakteur Claus-Peter Köth.

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Claus-Peter Köth ist Chefredakteur der Fachzeitschrift »Automobil Industrie«.
Claus-Peter Köth ist Chefredakteur der Fachzeitschrift »Automobil Industrie«.
(Bild: Stefan Bausewein)

Anfang November hat die EU-Kommission ihre Klimaschutzpläne für Autos ab dem Jahr 2021 verabschiedet und damit sofort heftige Kritik auf sich gezogen: Während Umweltverbände und -parteien die vorgesehene Senkung des CO2-Ausstoßes als zu gering geißelten, geht der Autoindustrie die Vorgabe deutlich zu weit: Konkret sollen die Pkw-Hersteller den CO2-Ausstoß ihrer Neuwagenflotte bis 2030 um 30 Prozent senken – im Vergleich zum Jahr 2021. Bis 2025 soll ein verbindliches Zwischenziel von minus 15 Prozent gelten. Gemäß jüngster Zahlen der PA Consulting Group müsste ein Volumenhersteller wie Volkswagen demnach seine Emissionen von 96,3 Gramm CO2 je Kilometer im Jahr 2021 auf 67,4 Gramm im Jahr 2030 senken.

Doch ob die OEMs ihre Ziele von 2021 erreichen werden, ist mehr als fraglich. Denn immer mehr SUVs und immer weniger Diesel haben dazu geführt, dass die Flottenverbräuche kaum noch sinken. Und die E-Mobilität kommt zu spät, um drohende Strafzahlungen zu vermeiden. Bosch-Geschäftsführer Rolf Bulander brachte es jüngst auf den Punkt: „Um die CO2-Ziele zu erreichen, müssen wir alle Register ziehen. Dazu braucht es E-Mobilität, Hybridisierung und moderne Verbrenner genauso wie eine intelligente Vernetzung des Verkehrs über das Auto hinaus.“ Er stellte ein ganzes Maßnahmenbündel vor, das kurz- und langfristig zu einer besseren Luftqualität in den Städten beitragen könnte – etwa eine neue Bremsscheibe, die bis zu 90 Prozent weniger Feinstaub erzeugt, eine E-Schwalbe, vernetzte Parkdienste und ein E-Scooter-Sharingangebot.

Um drohende Einfahrverbote für Dieselfahrzeuge in deutsche Städte zu verhindern, kommen diese Techniken jedoch zu spät. Denn bereits im ersten Quartal 2018 werden wegweisende Entscheidungen dazu erwartet. Dem entgegenwirken sollte auch der milliardenschwere Dieselfonds mit besseren ÖPNV-Angeboten, einer schnelleren Umstellung kommunaler Fahrzeuge auf Elektro, Leitsysteme gegen Staus oder neue Radwege. Doch seit August konnte weder die Finanzierung des Fonds geklärt werden, noch ist auch nur ein einziger Cent geflossen. Die Sondierungsgespräche zwischen Politik und Autoindustrie erinnern an die Koalitionsverhandlungen. Stillstand in Berlin – allerorten!

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 Claus-Peter Köth

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Chefredakteur