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Corona-Pandemie Kommentar: „Tesla-Spirit statt Krisenmanagement“

| Autor / Redakteur: Volker Knab / Thomas Günnel

Kreative Ideen und gemeinsames Anpacken sind gefragt, um die Covid-19-Pandemie einzudämmen. Nur so ließen sich Isolationsmaßnahmen lockern. Ein Kommentar von Diplomphysiker Volker Knab.

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Volker Knab ist Diplom-Physiker und fordert mehr „Tesla-Spirit“, um die Corona-Krise zu bewältigen.
Volker Knab ist Diplom-Physiker und fordert mehr „Tesla-Spirit“, um die Corona-Krise zu bewältigen.
(Bild: Volker Knab)

Die Coronakrise fordert uns, wie es vor wenigen Monaten niemand für möglich gehalten hätte. Radikale Einschnitte in unser Sozial- und Wirtschaftsleben verhindern, dass geliebte Menschen – Familie, Freunde, Kollegen – Opfer der unsichtbaren Gefahr werden. Experten sagen, dass wir noch ein ganzes Jahr mit Einschränkungen leben müssen. Jede Maßnahme, die hilft Ansteckungen zu vermeiden, trägt auch zu einer Normalisierung des Lebens bei.

Mehr und mehr Menschen wie Unternehmen entwickeln dazu Ideen und engagieren sich: Zuerst las ich Berichte über den Luxusgüterhersteller „LVMH – Louis Vuitton SE“ und die amerikanische Destillerie „Eight Oaks Farm Distillery“, die Produktionslinien auf Desinfektionsmittel umstellten. Die amerikanischen Autobauer Tesla, Ford und GM starten die Produktion von Beatmungsgeräten. Auch Volkswagen hat ein Gremium beauftragt, Möglichkeiten hierfür zu prüfen. Weil FFP2-Atemmasken knapp werden, näht der Textilhersteller Trigema im Auftrag von Krankenhäusern Stoffmasken.

Alle müssen helfen!

Die Bitte des Heinsberger Landrats an China um Hilfe bei der Bereitstellung von Schutzmaterialien zeigt eindrücklich, dass die Binnenversorgung nicht ausreichend ist. Damit wir schnellstmöglich zu einem normalen Leben zurückkehren, reicht es nicht, wenn einige mit einem guten Beispiel vorangehen. Nur indem alle Industrieunternehmen Teile ihres Kreativpotenzials und ihrer Produktion umwidmen ‚schaffen wir das‘.

Dyson hat den Luftfilter miniaturisiert und als kontaktlose Atemmaske in einen Kopfhörer integriert.
Dyson hat den Luftfilter miniaturisiert und als kontaktlose Atemmaske in einen Kopfhörer integriert.
(Bild: Volker Knab)

Beispiel „Atemmasken“: Trigema will eine Produktion von 100.000 Masken pro Woche erreichen. Um alle Deutschen mit Mehrwegmasken zu versorgen, werden 100 Millionen Masken benötigt. Wenn wir alle Papiermasken wie in Singapur oder Hongkong im Alltag tragen – laut Virologen wäre dies eine sinnvolle Maßnahme (#MaskeAuf) – würden mehrere hundert Millionen Masken pro Woche benötigt.

„Wir tun doch schon alles“ - Wirklich?

Testkapazitäten
Wenn es möglich ist, wöchentlich viele hunderttausend Menschen prophylaktisch zu testen – sämtliche Polizisten, Ärzte, Pfleger, Restaurantangestellten, Kassiererinnen, etc. – können die Isolationsmaßnahmen reduziert werden. Wie kann die Labordiagnostik und die Herstellung von Schnelltests skaliert werden? Kann ihr Betrieb durch die Umwandlung von Reinräumen, Fertigungsrobotern und Automatisierung, Produktion von Kunststoffteilen, etc. mithelfen?

Hepa-Kabinen im Einzelhandel
Spuckschutzscheiben sollten inzwischen überall im Einzelhandel installiert sein. Noch besseren Schutz an Kassen würde eine Kabine mit Frischluftzufuhr mit HEPA (High Efficiency Particulate Air)-Filter bieten. Stellen sie solche Kabinen innerhalb des nächsten Monats bereit.

Kontaktlose Atemmasken
Dyson hat den Luftfilter miniaturisiert und als kontaktlose Atemmaske in einen Kopfhörer integriert. Bringen sie eine einfache Version dieser stofflosen Atemmaske in Massenproduktion und statten sie besonders gefährdete Gruppen – also alle Polizisten, Ärzte und Pfleger, Beamten im Publikumsverkehr, Kellner, Verkäufer – damit aus.

Wie lösen wir Probleme im Handumdrehen? In dem wir unseren ganzen Fokus darauf richten: Ideen spinnen, entwerfen, ausprobieren, mitten in der Nacht aufwachen und rufen ‚Heureka!‘. Wir benötigen jetzt weniger Krisenmanagement und mehr Tesla-Spirit!

Schnelle Lösungen erfordern flexible gesetzliche Regelungen. Die Zertifizierung einer neuen Produktionslinie für Beatmungsgeräte muss mit Verstand abgekürzt werden. Hier ist die Politik gefragt mitzuhelfen. Anpacken, Fokus und ein Regelwerk mit Augenmaß – so können wir die Krise meistern!

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