Synthetische Kraftstoffe Kommentar: Wir sind nicht am Ziel!

Autor: Thomas Günnel

Die Elektromobilität hat zweifellos Vorteile gegenüber klassischen Antrieben. Aber eben nicht überall; und schon gar nicht „auf die Schnelle“. Ein Kommentar von »Automobil Industrie«-Redakteur Thomas Günnel.

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Thomas Günnel ist Redakteur bei Automobil Industrie und Next Mobility.
Thomas Günnel ist Redakteur bei Automobil Industrie und Next Mobility.
(Bild: J. Untch/Vogel Communications Group)

„Die E-Mobilität hat das Rennen gemacht“, verkündete VW-Chef Herbert Diess Mitte März beim sogenannten „Power Day“ des Unternehmens. Die Entwicklung in der Industrie scheint ihm Recht zu geben: Volkswagen und Audi wollen keine neuen Verbrennungsmotoren mehr entwickeln, General Motors, Volvo oder Jaguar haben bereits das Ende von Verbrennungsmotoren in ihren Modellen verkündet. Cupra und Mini wird es bald nur noch elektrisch geben.

Einige Umweltverbände fordern jetzt zudem in einem gemeinsamen Brief Automobilhersteller auf, Modelle mit Verbrennungsmotoren und auch Hybride bis spätestens 2030 nicht mehr zu verkaufen. Sie sollen sich stattdessen auf „effiziente und verbrauchsarme Elektrofahrzeuge ausrichten“.

Aber: Nicht überall sind rein elektrische Antriebe vorteilhaft. Und: Bis es soweit sein wird, verkaufen alle Hersteller weiter Verbrennungsmotoren. Diese werden auch in 10, 15 oder 20 Jahren noch einen nennenswerten Anteil am weltweiten Verkehr ausmachen – und an den Schadstoffemissionen. Dabei hat nicht der Verbrennungsmotor ein CO2-Problem, sondern der Kraftstoff.

Synthetische Kraftstoffe nutzen

Passend dazu will der Bundesverkehrsminister Verbrenner mit fossilen Kraftstoffen bis 2035 auslaufen lassen. Der VDA in Person von Hildegard Müller würde lieber keine Jahreszahlen nennen.

E-Fuels, synthetische Kraftstoffe also, sind eine in jüngerer Zeit häufiger diskutierte Option, um die CO2-Emissionen bestehender Flotten zu senken – und um in Nischen an Gewohntem festzuhalten. Viel wichtiger aber: Wie auch beim Wasserstoff können E-Fuels in mehreren Industrien Emissionen senken; bei Autos, Schiffen, Flugzeugen. Für alle Branchen besteht bereits eine Infrastruktur, die sich direkt nutzen lässt.

Immerhin: Projekte, um den synthetischen Kraftstoff herzustellen, gibt es auch in Deutschland bereits; und die Bundesregierung investiert im Rahmen der nationalen Wasserstoffstrategie in E-Fuels. Eine gute Vorgehensweise – sie hat Schattierungen und ist nicht nur schwarzweiß.

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 Thomas Günnel

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Redakteur/Fachjournalist, Redaktion AUTOMOBIL INDUSTRIE