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Billigautos Konkurrenz für den Tata Nano

| Autor / Redakteur: Christoph Baeuchle / Andreas Wehner

Bald könnte der Tata Nano zu den teureren Fahrzeugen im Billig-Segment gehören. Die Wettbewerber stehen mit Preisbrechern in den Startlöchern.

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Günstig, günstiger, Geely – der chinesische OEM will mit seinem Kleinwagen „IG“ dem Tata Nano den Rang als billigstes Auto streitig machen. Doch nicht nur aus China bekommt das Low-Cost-Car Wettbewerb. Auch der indische Motorradhersteller Bajaj will im Billig-Preis-Segment mitmischen.

„Der Geely IG dürfte dem Tata Nano keine Probleme bereiten, vor allem weil er nur zwei Sitze hat“, ist Jochen Siebert, Chef von JSC Automotive mit Standort in Shanghai, überzeugt. „Aber das Modell von Bajaj wird ähnlich wie der Nano konzipiert sein und diesen sehr wohl angreifen.“

Bajaj entwickelt gemeinsam mit Nissan ein „Motorrad mit vier Räder und einem Dach“. Ab 2011/2012 will der indische Hersteller sein Auto auf dem Heimatmarkt anbieten. Ursprünglich hatte Bajaj sein Modell bereits für 2010 angekündigt. Der Preis soll bei rund 2.500 Dollar liegen.

Doch für Rajiv Bajaj, Geschäftsführer von Bajaj Auto, gibt es wichtigere Aspekte als den Preis: Viel entscheidender seien der Verbrauch, die Unterhaltskosten und die Kohlendioxidemissionen, sagte Bajaj gegenüber Medien. Verbrauch und Emissionen seien besser als beim Tata Nano.

„Beide Modelle wurden primär für den indischen Markt konzipiert, um die 500 Millionen Besitzer von umweltbelastenden Mopeds und Kleinmotorrädern zum Umstieg zu bewegen“, betont Michael Sikora, Geschäftsführer von Automotive Business Consulting. Der Nachholbedarf ist groß: In Indien besitzen nur 7 von 1.000 Einwohnern ein Auto, in China sind es immerhin 58 von 1.000.

Vollwertiges Leichtfahrzeug

Allerdings sieht Sikora die besseren Alternativen bei chinesischen Herstellern. Geely könnte dazuzählen. Bereits 2009 hat der Autobauer seine erste Version vom IG in Shanghai vorgestellt, mit einigen Änderungen präsentierte der Hersteller das Fahrzeug jüngst auf der Autoshow in Beijing. „Der Geely IG ist ein gelungenes, innovatives Konzept eines vollwertigen Leichtfahrzeugs für den innerstädtischen Verkehr“, gibt sich Sikora überzeugt.

Berater Siebert dagegen bleibt gegenüber dem IG skeptisch. „Als Fahrzeug für die Masse ist es ungeeignet, da es nur ein Zweisitzer ist. Kunden in dieser Preisklasse suchen vor allem den Nutzen.“ In China gebe es bereits viele Fahrzeuge für rund 3.500 Euro, diese hätten zum Teil Platz für bis zu sieben Personen.

Doch der Geely IG könnte sich von seinen Wettbewerbern durch den Antrieb abheben. „Generell ist der IG als Elektrofahrzeug konzipiert und findet vielleicht seinen Weg in der Nische der Elektrofahrzeuge für die Stadt“, so Siebert.

Im Hinblick auf Europa hält Siebert alle drei Kleinwagen für ungeeignet. „Um die regulatorischen Hürden zu meistern und insbesondere eine gute Bewertung im Euro-NCAP zu erreichen, müssten die Fahrzeuge neu konzipiert werden“, ist Siebert überzeugt. Entsprechend würden die Preise auf 7.000 bis 8.000 Euro steigen. Er glaube, dass „die unterste Grenze des Zumutbaren in Deutschland bereits mit dem Dacia erreicht ist.“

Trotzdem sieht Sikora durchaus Chancen für die Kleinstwagen in Europa, vor allem wenn sie mit Elektroantrieb ausgestattet sind. „Etliche chinesische Hersteller von elektrischen Klein- und Leichtfahrzeugen haben schon Importverträge mit europäischen Autohändlern.“ Ein Beispiel dafür sei Österreich. Weitere suchen den Weg nach Europa: „Von den Automotive Business Consulting Shanghai bekannten E-Auto-Herstellern mit Produktions- und Exportgenehmigung in China sind derzeit mindestens drei weitere in Gesprächen mit europäischen Importeuren.“

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