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Roland Berger Konsolidierungsbedarf beim Innenraum

| Redakteur: Bernd Otterbach

Keiper, C. Rob. Hammerstein oder Preh: In den letzen Monaten gab es wieder mehr Übernahmen von Automobilzulieferern. Roland Berger-Partner Marcus Berret sieht vor allem im Innenraum-Segment den größten Nachholbedarf.

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»Automobil Industrie«: Herr Berret, in den vergangenen Monaten hat der Markt für Übernahmen in der Automobilzulieferindustrie wieder angezogen. Stehen wir vor einer neuen Konsolidierungswelle?

Marcus Berret: In den letzten zwei Jahren hat viel weniger Konsolidierung stattgefunden, als wir alle eigentlich erwartet haben – dies gilt auch für die Transaktionen der vergangenen Monate.

»AI«: Gab es dafür jenseits der Absatzkrise noch einen weiteren Grund?

Berret:Die Hersteller passen sehr genau auf, wie groß die Marktanteile der Lieferanten sind. Über einen Weltmarktanteil von 40 bis 45 Prozent kommen Zulieferer kaum, in Nischen können es auch mal 50 Prozent oder knapp darüber sein. Sonst steuern die Hersteller dagegen und bauen einen Wettbewerber auf.

»AI«: In welchem Bereich rechnen Sie mit einer Konsolidierung?

Berret: Hier gilt es, prozess- und produktbezogene Segmente zu unterscheiden. In Letzterem gibt es die magische Grenze von circa 40 Prozent. Die großen drei bis vier Lieferanten teilen sich etwa 75 Prozent des Marktes. Dann kommt der kleine Rest.

»AI«: Und im Prozessbezogenen Segment?

Berret:Hier hat der Weltmarktführer in der Regel 15 bis 20 Prozent Marktanteil. Für die Hälfte des Marktes brauchen sie etwa sechs bis acht Lieferanten. Die restlichen Unternehmen teilen sich die zweite Hälfte auf. Dies trifft beispielsweise auf den Innenraum zu. Es ist das Segment mit dem größten Konsolidierungsbedarf.

»AI«: Warum passiert nichts?

Berret: Wenn jeder Lieferant bis aufs Messer um den Nachfolgeauftrag kämpfen muss, können die Hersteller andere Preise durchsetzen, wie wenn es nur zwei bis drei Anbieter gibt. Der Preisdruck ist einfach wesentlich höher. Entsprechend gering ist die Marge: Die Umsatzrendite liegt zwischen drei und vier Prozent, im Branchenschnitt liegt sie eher bei sechs Prozent.

»AI«: Gilt dies auch für Sitzhersteller?

Berret: Im Gegensatz zu anderen Innenraum-Teilbereichen haben wir es bei den Sitzen mit einem gut konsolidierten Segment zu tun. Hier herrscht nun eine vernünftige Marktstruktur, auch aus Zulieferersicht.

Welche Rollen spielen die Wachstumsmärkte?

Berret: Vor allem China stellt für Zulieferer natürlich eine große Chance dar. Dabei geht es nicht nur um das enorme Wachstum des Marktes, sondern auch darum, dass chinesische Investoren in M&A-Prozessen künftig eine wichtigere Rolle spielen werden. Dies dürfte sich bereits in den kommenden Monaten auswirken.

»AI«: Wie muss sich ein Zulieferer aufstellen, um auf die künftigen Herausforderungen vorbereitet zu sein?

Berret: Das gibt es mehrere Faktoren:

1. Der Weltmarktanteil sollte nicht unter 20 Prozent liegen

2. Der Lieferant braucht eine globale Lieferfähigkeit und muss an allen Orten für eine gleich bleibende Qualität sorgen.

3. Innovationen sind notwendig, um sich von Wettbewerbern zu differenzieren. Nur so ist der Zulieferern imstande, der Einkaufsabteilung eines Herstellers gute Argumente entgegenzusetzen

4. Zuletzt sind eine hochflexible Fertigung und Kostenstruktur entscheidend. Nur so können Lieferanten auf die zunehmenden Volumenschwankungen reagieren und auch im Falle eines Markteinbruchs verlustfrei arbeiten

Den Special Report zum Thema Innenraum lesen Sie in der nächsten Ausgabe der »Automobil Industrie«. Erscheinungstermin der Ausgabe 6/2011 ist der 14. Juni.

Das Interview führte Dr. Karin Bayha.

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