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Interieur Konzeptstudie XiM21 bleibt in der nahen Zukunft

| Autor / Redakteur: Mario Hommen/SP-X / Jens Scheiner

Der Automobilzulieferer Yanfeng zeigt mit seiner neuen Innenraumstudie diesmal nicht die weitentfernte, autonomen Autozukunft. Der Fokus liegt auf dem Innenraum der nächsten Pkw-Generation.

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Transluzente und illuminierte Oberflächen prägen den Innenraum des neuen Konzepts „XiM21“ von Yanfeng.
Transluzente und illuminierte Oberflächen prägen den Innenraum des neuen Konzepts „XiM21“ von Yanfeng.
(Bild: Yanfeng)

Die neue Studie des Interieur-Zulieferers Yanfeng ist anders als ihre Vorgänger: Während die Konzepte der vergangenen Jahre – etwa „XiM19“ oder „XiM20“ – Vorschläge für die autonome Autozukunft waren, sind die Techniken des neuen Konzepts „XiM21“ für recht seriennahe Fahrzeuge, die maximal automatisierte Fahrfunktionen auf Level 3 bieten. „Alle Technologien, die wir hier im Fahrzeug zeigen, sind serienreif“, betont Yanfeng Entwicklungschef Han Hendriks.

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Um diesen seriennahen Status zu verdeutlichen, hat Yanfeng dieses Mal sein Konzept statt in einer Sitzkiste in ein echtes Auto integriert – einem typischen Vertreter des SUV-Segments. Bereits dessen Außenhaut bietet eine Überraschung: lichtdurchlässige Oberflächen. Nähert man sich dem XiM21, wird man mit einer Lichtanimation empfangen, die durch die weiße Kunststoff-Haut leuchtet. „Shine through body panels“ heißt diese Technik, die auf ähnliche inszenierte Funktionen des Innenraums einstimmt.

Fahrzeug per Smartphone vorbereiten

Der Fahrer hat vor dem Einstieg die Möglichkeit, per Smartphone den XiM21 auf seinen Besuch vorzubereiten. Über eine App teilt er die Zahl mitfahrender Personen mit. Sind bei der anstehenden Fahrt keine Kinder dabei, kann das Fahrzeug den im Rücksitz integrierten Kindersitz automatisch zu einer Fußstütze umfunktionieren. Neben der Sitzkonfiguration lassen sich auch Wunschtemperatur oder -duftnote vor dem Einstieg definieren.

Im Fahrzeug identifiziert der Bordcomputer den Fahrer per Kamera und trimmt das Fahrzeug auf voreingestellte Präferenzen. Dann werden automatisch zum Beispiel Rückhaltesysteme auf das persönliche Gewicht des Fahrers optimiert sowie der Sitz und die Ambientebeleuchtung wie gewohnt eingestellt. Der sogenannte Smart Cabin Controller, eine Rechnereinheit, die als zentrales Gehirn alle Funktionen des Innenraums steuert, soll gewährleisten, dass alle Innenraumfunktionen optimal arbeiten.

Illuminiertes Lenkrad aber kein Riesen-Display

Anders als in vorherigen Konzepten, die das Lenkrad wegzaubern konnten oder sogar komplett auf dieses verzichteten, gibt es im XiM21 ein fest integriertes Lenkrad, das allerdings um einige Funktionen erweitert wurde. Unter anderem bietet es lichtdurchlässige Oberflächen: sie ermahnt mit einem roten Signallicht den Fahrer, das Lenkrad zu umfassen.

Wie es sich für ein modernes Cockpit gehört, finden sich im Armaturenbrett mehrere Displays. Neben einem konkaven 12,3-Zoll-Screen hinterm Lenkrad gibt es zwei Infotainment-Touch-Bildschirme – der eine ist unverrückbar dem Fahrer zugewandt, der zweite nach rechts verschiebbar. Dieses Konzept macht aus dem Beifahrer einen Copiloten, der von seinen Sitz aus zum Beispiel Navigationseinstellungen vornimmt und diese dann aufs zentrale Fahrerdisplay „swiped“.

Warum kein Riesendisplay? Design-Vizechef Tim Shih hält drei Displays für praktischer, weil sich der verschiebbare Screen auch vom Fahrer nutzen lasse, während ihm bei einem durchgehenden Display der rechte Bereich nicht zur Verfügung stehe. „Eine Lösung mit drei kleinen Displays“, so Hendriks, „ist zudem kostengünstiger als ein großer Bildschirm.“

Verborgene Bedienelemente

Bei der Präsentation hebt der Zulieferer besonders seine sogenannte Shy Technology hervor. Die Bedienelemente zeigen sich erst, wenn sie gebraucht werden. Im Fall des XiM21 gibt es in den Sitzarmlehnen dezente Aktivierungsknöpfe für die Sitzeinstellungsschalter. Erst wenn der Aktivierungsknopf gedrückt ist, wird eine Batterie von illuminierten Sitzeinstellungsknöpfen sichtbar.

Ebenfalls im Bedarfsfall, wenn etwa Fondgäste während der Reise arbeiten wollen, können sich die verschiebbare Multifunktions-Mittelkonsole an den Sitz heranziehen. Die Konsole bietet einen Arbeitstisch, eine Smartphone-Ladeschale sowie Getränkehalter mit Heiz- und Kühlfunktion.

Entertainment und Babymonitor

Die Fondsitze im XiM21 erlauben alternativ ein entspanntes Zurücklehnen und können außerdem den Rücken massieren. Dank eines Rear-Entertainmentsystems mit zwei Bildschirmen dürfen die Fondgäste parallel unterschiedliche Filme schauen. Sitzen im Fond Kinder, nutzt die Person auf dem Beifahrersitz den verschiebbaren Bildschirm als Babymonitor.

Doch wann werden die Komponenten des XiM21 in Serienfahrzeugen erlebbar sein? „Production ready“ nennt Hendriks die präsentierten Lösungen. Da das Konzeptfahrzeug Corona-bedingt nicht auf Messen gezeigt werden kann, will Yanfeng mit dem Showcar in nächster Zeit Autohersteller besuchen. Sollten die in die Applikationsentwicklung einsteigen, so Hendriks, wäre ein Straßendebüt in bereits zwei Jahren möglich.

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