Kolbenschmidt Pierburg KSPG gibt Ausblick auf IAA Nutzfahrzeuge

Redakteur: Thomas Günnel

Im September findet in Hannover die 64. IAA Nutzfahrzeuge statt. Die KSPG-Gruppe gab im Vorfeld einen Ausblick auf ihre aktuelle wirtschaftliche Lage und technische Neuheiten.

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Über die Neuheiten und ihre wirtschaftliche Situation informierte die KSPG-Gruppe im Vorfeld der IAA Nutzfahrzeuge 2012.
Über die Neuheiten und ihre wirtschaftliche Situation informierte die KSPG-Gruppe im Vorfeld der IAA Nutzfahrzeuge 2012.
(KSPG)

Die KSPG AG gliedert sich in drei Divisionen – Hardparts, Mechatronics und Motorservice – die in jeweils einzelne Geschäftsbereiche unterteilt sind. Motorservice ist dabei für alle After-Market-Aktivitäten der KSPG-Gruppe verantwortlich. Im ersten Quartal des Jahres 2012 stieg der Umsatz von KSPG um neun Prozent, verglichen mit dem Vorjahresquartal. Die Anzahl der Mitarbeiter erhöhte sich um sieben Prozent. Die Eigenkapitalquote beträgt knapp 40 Prozent.

Powertrain ist nach Aussage von Dr. Gerd Kleinert, Vorstandsvorsitzender der KSPG-Gruppe, der am stärksten wachsende Bereich im Automobilsektor. Gründe dafür seien vor allem immer neue Abgasvorschriften und diesbezügliche Vorschriften seitens der Gesetzgeber. Chancen sieht Kleinert künftig bei Industrieanwendungen: So seien etwa Bagger oder Kompressoren bislang keiner Abgasnorm unterworfen. Das werde sich aber ändern. Zudem arbeite das Unternehmen mit einigen namhaften Lkw-Herstellern hinsichtlich der Schadstoffnormen in Lkw zusammen.

Produktneuheiten Mechatronics

Die Themen der Division Mechatronics sind vorrangig die Geschäftsfelder Schadstoffreduzierung, Nutzfahrzeuganwendungen, Aktuatoren, Magnetventile und Pumpen. Für die Schadstoffreduzierung im Lkw-Bereich präsentiert das Unternehmen zwei neue Produkte: Einen Abgasmassenstromsensor und eine variable Ölpumpe. Der Abgasmassenstromsensor hat das Unternehmen selbst entwickelt. Er basiert technisch auf dem Prinzip der Hitzdraht-Anemometrie und dient dazu, die Abgasmasse direkt zu ermitteln. Bislang wurden AGR-Volumenströme eher indirekt gemessen oder die verwendeten Systeme waren nicht für die gesamte Motorlebensdauer ausgelegt. Bei Lkw bedeutet das in der Regel eine Million Kilometer und mehr, im Pkw-Bereich rund 300.000 Kilometer.

Der Sensor besteht aus zwei Keramik-Trägern, die Platin-Temperatursensoren und –Heizwendel enthalten. Die Heizwendel ermöglicht das Erhitzen des Sensors auf bis zu 650°C – der Sensor kann sich so selbst reinigen. Damit soll dessen Genauigkeit über die gesamte Lebensdauer hinweg erhalten bleiben. Der Sensor soll im On- und Offroad-Bereich Verwendung finden und im Jahr 2013 in Serie gehen.

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Die Variable Ölpumpe ist für Nutzfahrzeugmotoren mit einem Hubraum bis zu 16 Litern konzipiert. Es handelt sich dabei um eine Flügelzellenpumpe, die die konventionelle Zahnradpumpe ersetzt. Die Volumenstromregelung erfolgt mittels eines hydraulisch aktuierten Stellrings. Bei Einsatz der Pumpe könne sich der Verbrauch laut KSPG im Stationärbetrieb nach Hersteller-Fahrzyklus um circa ein Prozent senken.

Pkw-Bereich: Elektrische Kühlmittelpumpen

Neuheiten im Pkw-Bereich sind die dritte Generation einer elektrischen Kühlmittelpumpe und eine schaltbare, mechanische Kühlmittelpumpe. Die elektrische Kühlmittelpumpe erlaubt einen Betrieb unabhängig vom Verbrennungsmotor. KSPG gibt eine um 20 Prozent gesteigerte hydraulische Leistung gegenüber dem Vorgängermodell an. Mit der schaltbaren, mechanischen Kühlmittelpumpe zielt KSPG vorrangig auf Downsizing-Motoren, sowie solche Motoren, die im Teillastbetrieb eine Erhöhung der Kühlmitteltemperatur zur Verringerung der Reibleistung erlauben. Die Pumpe ist riemengetrieben, die Betätigung erfolgt mittels elektrisch betätigter, nasslaufender Kupplung. Sie soll vor allem die Warmlaufphase des Motors verkürzen. Das Unternehmen beziffert die Verringerung des Kraftstoffverbrauches auf circa 1,5 Prozent (NEFZ).

Division Hardparts

Die Division Hardparts umfasst unter anderem die Entwicklung und Herstellung von Pkw-, Lkw- und Groß-Kolben. Eine Neuentwicklung, deren Marktstart für das Jahr 2014 geplant ist, ist ein patentiertes Design-Konzept eines gewichtsreduzierten Stahlkolbens. Dieser soll den Verbrauch um bis zu vier Prozent senken. Als Material kam Stahl deshalb zum Einsatz, „weil wir damit mehr Gewicht sparen können, als mit Aluminiumkolben“, erklärt Binnig. Was zu nächst wie ein Widerspruch klingt, lässt sich technisch einfach erklären: Stahlkolben benötigen eine geringere Wandstärke als vergleichbare Kolben aus Aluminium, um den Bedingungen beim Motorbetrieb standzuhalten.

Rund 40 Gramm betrage die Ersparnis gegenüber einem Aluminiumkolben. Zudem sind die Abmaße des Stahlkolbens geringer – das Gesamtsystem aus Kolben und Pleuel benötigt dementsprechend weniger Bauhöhe, was wiederum die Gesamthöhe des Motors verringert. Eine Tatsache, die sich positiv auf den Bauraum für die Motorsteuerung auswirken kann – etwa den Ventiltrieb.

Neu entwickelter Ventiltrieb

Unter dem Namen Univalve präsentiert das Unternehmen ein neues Ventiltriebsystem, das in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Kaiserslautern entstanden ist. Es ähnelt in seinem Aufbau und den Funktionen der Valvetronic von BMW. Die Öffnungs- und Schließzeiten sowie der Ventilhub sind einstellbar. Zudem ist die Zylinderabschaltung möglich. In Tests ergab sich bereits ein Vorsprung von Univalve gegenüber der Valvetronic: Univalve weist geringere Reibungsverluste auf und funktioniert rein mechanisch – und damit mit einem sehr hohen Wirkungsgrad. Zudem ist das System temperaturfest, da es vollständig ohne Hydraulikflüssigkeit funktioniert.

Bislang wollen drei Automobilhersteller das System in ihre Fahrzeuge implementieren. Der Produktionsstart ist für das Jahr 2013 geplant. Die KS Gleitlager, die der Division Hardparts angehört, stellt zudem ein bleifreies Galvaniklager und ein Zweistofflager für Hybridantriebe vor. Die Dauerhaltbarkeit des bleifreien Lagers sei demnach besser als bei den bleihaltigen Vorgängern. Die Schichtdicke ist entsprechend des Einsatzzweckes wählbar. Das Zweistofflager besteht nach Unternehmensaussagen aus einem neuen Werkstoff mit extrem feinen Silizium-Einlagerungen. Daraus resultierten deutlich geringere Verschleißraten und eine verbesserte Dauerfestigkeit.

Kompakter Range Extender

Bereits zur IAA Nutzfahrzeuge will KSPG den Demonstrationsträger eines gemeinsam mit der FEV GmbH – einem Entwicklungsdienstleister für Verbrennungsmotoren – entwickelten Versuchsfahrzeugs mit Range Extender vorstellen. Es handelt sich dabei um ein rein elektrisch angetriebenes Fahrzeug. Das neue Aggregat besteht aus einem Zweizylinder-Ottomotor in V-Bauweise mit einer vertikal stehenden Kurbelwelle und zwei Generatoren mit Zahnradantrieb. Der Motor leistet 30 kW. Alle Komponenten sind bis auf den Kraftstofftank und den Kühler auf einem Tragrahmen montiert.

Die stehende Kurbelwelle ermöglicht eine niedrige Bauhöhe, so dass sich das Modul im Unterflurbereich montieren lässt – zum Beispiel in der Reserveradmulde eines Kleinwagens. Insgesamt erreicht der Range Extender mit den Generatoren und allen dazugehörigen Teilen ein Gewicht von gut 60 Kilogramm. Der Versuchsträger befindet sich aktuell im Prüfstandseinsatz.

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