Automobilmesse L.A. Motorshow 2015: Das PS-Wettbieten

Autor / Redakteur: Marcel Sommer, Stefan Grundhoff, SP-X / Jens Scheiner

Jahrelang galt sie als „grüne Messe“, die „Los Angeles Motorshow“. In diesem Jahr steht eher die Leistung im Vordergrund.

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Auf der L.A. Motorshow 2015 präsentiert Land Rover den Range Rover Evoque als Cabrio.
Auf der L.A. Motorshow 2015 präsentiert Land Rover den Range Rover Evoque als Cabrio.
(Foto: Ampnet)

Die Los Angeles Motorshow sollte im verkehrsreichsten Bundesstaat der USA und der Smog-Metropole Los Angeles ein Zeichen setzen. Für neue Technologien wie Hybridmotoren, für E-Mobility und für Zukunftsprojekte wie den Wasserstoff-Antrieb wurde hier die Werbetrommel gerührt. Verschwunden sind diese Hoffnungsträger auf der diesjährigen Ausstellung nicht. Aber neben einer Sonderschau über die Möglichkeiten der Vernetzung des Autos mit dem Smartphone stehen die PS-Protze im Vordergrund.

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Wie wär´s mit 477 kW/649 PS, zum Beispiel im Cadillac CTS-V mit seinem Achtzylinder, verteilt auf 6,2 Liter Hubraum? Oder mit der neuesten Ausgabe des Chevrolet Camaro, der zwar nur 339 kW/461 PS leistet, aber auf das gleiche Triebwerk baut. Nach Benzinpreisschock und Klimadiskussion entdecken die Amerikaner wieder das Bodybuilding unter der Haube. Und schicken die Kraftpakete auf den roten Teppich der Los Angeles Motor Show.

Power satt

Der Blick auf die Preistafeln der Tankstellen verrät eine Ursache der neuen Unbekümmertheit: Der Literpreis liegt bei umgerechnet knapp über 70 Cent, die Spritschlucker sind wieder bezahlbar. Downsizing war gestern. Da wollen die deutschen Premiummarken natürlich nicht ins Abseits fahren: Auf der Motorshow im Sonnenstaat will Audi mit der Sportversion der Edellimousine A8 punkten, lockt mit 445 kW/605 PS, die AMG-Ausgabe des überarbeiteten Mercedes SL liegt mit 463 kW/630 PS und ihrem Zwölfzylindermotor ebenfalls genau im Trend.

Die 368 kW/500 PS des BMW M4 GTS muten da fast schon bescheiden an. Klar, dass alle diese Boliden auch ihren Preis haben, zumeist im hohen sechsstelligen Bereich. In Kalifornien, mit seiner hohen Dichte an Rolls Royce oder Bentley, ist der Anschaffungspreis aber eher nebensächlich. Ebenfalls ein leistungsorientierter Hingucker: der neue Porsche Cayman GT4 Clubsport. Mit seinem 385 PS starken Saug-Boxer hat der 132.000 Euro teure Clubsportler ab der kommenden Saison bereits die Rennstrecken dieser Welt im Blick. Die Warteliste der Kundenteams wird länger und länger.

Hommage an die Vergangenheit: Fiat 124 Spider

Für das größte Aufsehen aus europäischer Sicht sorgt in diesem Jahr aber Fiat. Die Norditaliener enthüllten den schmucken Zwillingsbruder vom Mazda MX-5. Ursprünglich als Alfa Romeo geplant und als Abarth-Version überdacht, feiert der offene Doppelsitzer an der amerikanischen Westküste seine Weltpremiere. 1966 wurde der erste Fiat 124 Spider in Turin enthüllt; zwei Jahre später kam er in die USA und wurde insbesondere in Kalifornien zum Erfolg. Im Gegensatz zum Mazda MX-5 gibt es einen 140 PS starken Turbobenziner mit 1,4 Litern Hubraum; sonst bieten die beiden Spaßmacher das gleiche Suchtpotenzial.

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Der Abgas-Skandal war insbesondere bei den deutschen Herstellern ein Thema. VW schickte seinen USA-Chef Michael Horn vor. Der betonte, dass Entschuldigungen allein nicht ausreichen, um den Schaden wieder wettzumachen. VW bietet seinen US-Kunden derzeit Einkaufs- und Reparaturgutscheine in Höhe von 1.000 Dollar sowie eine 24-Stunden-Mobilitätsgarantie für drei Jahre an, laut Horn haben sich bereits 120.000 Käufer beim Konzern gemeldet. Doch auch Horn weiß, dass man sich Vertrauen nicht zurückkaufen kann. „Wir müssen unsere Kunden auch ehrlich um Geduld bitten, bis alle Probleme beseitigt sind“. Das könne bis zu zwei Jahren dauern.

Volkswagen setzt auf die USA

Die ein oder andere überraschende Nachricht hatte Horn aber auch noch dabei: Zum einen zogen die Verkäufe des Golf, vor allem des GTI, in den USA im Oktober um 20 Prozent an. Zum anderen wird Volkswagen seine noch junge Fabrik in Chattanooga (Tennessee) für gut 700 Millionen Euro erweitern und 2.000 neue Jobs schaffen. Dort wird neben dem Passat das langersehnte neue SUV mit drei Sitzreihen gebaut. An Autos hat der gebeutelte Hersteller aus Wolfsburg indes wenig Neues zu bieten. Den schon bekannten US-Passat, eine Spaßversion des ebenfalls vertrauten VW Beetle mit Namen Dune (knapp 24.000 Euro teuer) und eine in Europa schon gezeigte Sportwagen-Studie auf Golf-Basis mit Plug-in-Hybrid. Im Gegensatz zu den Vorjahren dreht sich kein Diesel als „Verbrauchswunder“ im Scheinwerferlicht des diesmal eher bescheidenen VW-Standes.

Anders bei General Motors. Selbstbewusster denn je bewerben die Amerikaner ihren Chevrolet Colorado Pick-up mit neu entwickeltem 2,8-Liter-Diesel-Aggregat. 182 PS stark soll er als Hecktriebler eine Reichweite von über 1.000 Kilometern haben und Lasten bis zu 3,5 Tonnen an den Haken nehmen können. Daneben bedient die GM-Tochter auch das besonders in Kalifornien beliebte Öko-Segment: Der neue Volt kann ausgerüstet mit einer stärkeren Batterie (18,4 Kilowattstunden) rund 85 Kilometer weit rein elektrisch fahren, bevor ein kleiner Benzinmotor für den Rest des Weges sorgt – Bestwert unter den Plug-in-Hybriden.

Auch bei Honda fährt ein Modell mit alternativem Antrieb vor: Die Limousine Clarity Fuel Cell wird Wasserstoff betrieben und leistet 177 PS. Die Reichweite bei vollem Tank soll bei 700 Kilometern liegen. Der Tankzeit beträgt rund drei Minuten, ist also mit einem klassischen Benziner vergleichbar. Der Konkurrent des Toyota Mirai erscheint Anfang nächsten Jahres und soll auch nach Europa kommen.

SUV-Segment prominent vertreten

Bei Range Rover gibt es erstmals die Cabriovariante des erfolgreichen Evoque zu bestaunen. Ob sich dieses Subsegment zu einer erfolgreichen Fahrzeugklasse aufschwingt, muss die Zukunft zeigen. Der offene Evoque ist ein echter Hingucker, der mit bis zu 240 PS vier Personen lässig durch die Lande reisen lässt.

Natürlich geht auch in Los Angeles nichts ohne ein Großangebot an SUV und Geländewagen. So bekam der Mercedes GL eine gründliche Modellpflege und läuft nunmehr als neuer GLS im Kielwasser der erfolgreichen S-Klasse. Das Motorenspektrum des Siebensitzers aus Tuscaloosa ist weitgehend unverändert. Modifikationen gibt es an Front und Heck sowie im Cockpit. Ebenfalls neu: die Neungang-Automatik, die alle Versionen abgesehen vom GLS AMG 63 bekommen.

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Der Mazda CX-9 soll zunächst nicht nach Europa kommen. Der komplett neu entwickelte Siebensitzer ist das erste Fahrzeug der Japaner, das mit einem Skyactiv-Turbomotor ausgestattet ist. Der aufgeladene Vierzylinder mit 2,5 Litern Hubraum leistet 250 PS und ein maximales Drehmoment von 420 Nm. Etwas kleiner fährt der Infiniti QX30 auf die kalifornische Showbühne. Nach dem Infiniti Q30 ist der Crossover des QX30 das zweite Zwillingsmodell mit Mercedes. Der QX30 entspricht abgesehen vom modifizierten Außendesign weitgehend dem Mercedes GLA. Das gilt auch für das Motorenspektrum mit Vierzylindern zwischen 107 und 208 PS. Optional gibt Allradantrieb und ein siebenstufiges Doppelkupplungsgetriebe.

Edel ausgestattet und ebenfalls eine feste Größe auf dem US-Markt: der Buick Lacrosse. Auch aus deutscher Sicht ist das Modell interessant: Es liefert einen Ausblick auf sein Schwestermodell, den Opel Insignia, der 2017 erscheinen soll.

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