Sanktionen Lada fehlen Teile – Modelle ohne ABS und Airbag

Von Andreas Grimm

Beim russischen Autobauer Lada werden infolge des Ukrainekriegs aktuelle Modelle aus dem Programm genommen. Neuwagen werden nur noch mit veralteter Technik produziert.

Das SUV X-Ray war eines der Produkte, die Lada mit modernen Fahrzeugen – technisch wie mit dem markanten X-Design der Front – voranbringen sollten. Jetzt wird das Modell aus Teilemangel eingestellt.
Das SUV X-Ray war eines der Produkte, die Lada mit modernen Fahrzeugen – technisch wie mit dem markanten X-Design der Front – voranbringen sollten. Jetzt wird das Modell aus Teilemangel eingestellt.
(Bild: Avtovaz)

Die Sanktionen gegen Russland als Reaktion auf den Krieg gegen die Ukraine haben nun das zentrale Modernisierungsprojekt des Autobauers Avtovaz-Lada zu Fall gebracht. Wie das „Manager Magazin“ berichtet, wird das erste SUV der Marke Lada, der X-Ray, nicht mehr produziert. Mit dem Modell, das nie den Weg nach Westeuropa schaffte, wollte Lada einst nicht nur den technologischen und emotionalen Anschluss an westliche Modelle, sondern auch ein modernes Image schaffen.

Ursache für den Verzicht auf das Modell sei „der sehr hohe Anteil importierter Komponenten“, heißt es nun in dem Bericht unter Berufung auf die staatliche Nachrichtenagentur Ria Novosti. Der X-Ray stand wie der Lada Vesta, den es kurzzeitig in Deutschland gab, für den Aufbruch der Marke unter der Regie von Renault, als Lada endgültig die Rückständigkeit aus Sowjetzeiten abschütteln wollte. Für die neuen Modelle, dazu zählt auch der Dacia-Klon Lada Largus, griff der russische Autobauer beherzt ins Teilelager des Konzerns. Teile, die jetzt wegen der Sanktionen nicht mehr zur Verfügung stehen.

Ex-Mercedes-Designer für Lada

Designt hatte den X-Ray Steve Mattin, der zuvor für Mercedes und Volvo gearbeitet hatte. In einem „Spiegel“-Interview hatte er im Jahr 2014 die Aufgabe bei Lada „als Gelegenheit, bei null anzufangen“ beschrieben. Der X-Ray wie auch der Vesta erhielten das sogenannte „X-Design“ der Front. Es sollte die Modelle optisch einheitlich und unverwechselbar machen.

Die russische Autoindustrie leidet generell schwer unter den kriegsbedingten Sanktionen. Zeitweise war der Neuwagenverkauf um 80 Prozent eingebrochen, nicht zuletzt weil die Ware fehlte. Nach acht Monaten liegt der Neuwagenabsatz mit gut 400.000 Einheiten um 60 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Besser sah es zuletzt bei den heimischen Fabrikaten aus. Lada (–7 %), GAZ (–44 %) und UAZ (–8 %) verloren deutlich weniger Absatz als der Gesamtmarkt im August (–62 %). Auch chinesische Fabrikate wie Geely (–8 %), Changan (–20 %) oder FAW (–32 %) entwickelten sich besser als der Marktdurchschnitt – bei allerdings sehr geringen Stückzahlen.

Ohne ABS und Airbag

Dass Lada nur noch geringe Absatzverluste verzeichnet, liegt nicht zuletzt an der Wiederaufnahme der Produktion. Inzwischen baut Lada infolge der Sanktionen aber eben wieder alte Autos. Moderne Features wie Airbags oder ABS fehlen den Modellen, die jetzt vom Band laufen, weil die Baugruppen oder dafür notwendige Bauteile aus dem Westen kommen und nun fehlen. Lada habe bislang bei insgesamt 1.500 von 4.500 Bauteilen noch keine alternativen Lieferanten gefunden, heißt es in dem Bericht des „Manager Magazins“.

Dafür steigen die Preise. Der Lada Vesta kostet inzwischen bis zu drei Millionen Rubel. Das sind umgerechnet 50.000 Euro. Als das Auto vor drei Jahren in Deutschland lieferbar war, rief der Importeur 17.000 Euro für das Modell auf (18.000 für den Kombi). Allerdings währte die Freude nur kurz: Anfang 2020 beendete der Renault-Nissan-Konzern, zu dem Avtovaz-Lada mehrheitlich gehörte, die Belieferung Westeuropas mit günstigen Lada-Modellen. Die Billigschiene sollte Dacia bedienen. Im Zuge des Ukrainekriegs wiederum wurde Renault von Russland mehr oder weniger enteignet. Lada ist nun wieder in russischer Hand, allerdings ohne Anbindung an westliche Technik.

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