Ladeinfrastruktur Ladesäulen: Die schwierige Suche nach dem richtigen Standort

Autor / Redakteur: Holger Holzer/SP-X / Thomas Günnel

Das Ladenetz für E-Autos muss massiv wachsen, passende Standorte zu finden ist jedoch schwierig. Die großen Betreiber rufen Grundstücksbesitzer auf, passende Flächen zu melden – und auch der Staat ist mit dabei.

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Die Ladeinfrastruktur muss dringend erweitert werden, die richtigen Standorte zu finden ist aber nicht trivial.
Die Ladeinfrastruktur muss dringend erweitert werden, die richtigen Standorte zu finden ist aber nicht trivial.
(Bild: www.endredulic.com/EnBW)

Möglichst viel fahrende Laufkundschaft, Anschluss an ein leistungsstarkes Stromnetz und vielleicht noch Gastronomie und Toiletten in unmittelbarer Nähe – wie die perfekte Umgebung für einen Schnellladepark aussieht, ist klar. Allein das Auffinden solcher Gegebenheiten, die Ermittlung des Eigentümers und die anschließenden Verhandlungen über Verkauf oder Verpachtung machen den Aufbau einer möglichst flächendeckenden Infrastruktur kompliziert.

Für den niederländischen Ladesäulenbetreiber Fastned sind Grundstücke mit mindestens 800 Quadratmetern Größe interessant, wie Deutschland-Managerin Linda Boll erklärt. Sie will sogenannte Durchfahrtslösungen bauen, die sich an der Architektur von Flüssigkraftstoff-Tankstellen orientiert: Die E-Autos fahren an der einen Seite ein, laden dank hoher Ladeleistung relativ kurz und fahren am anderen Ende wieder heraus, so dass ein irritationsfreier Kreislauf entstehen kann. Die relativ üppigen Abmessungen sind allerdings nur eine von vielen Bedingungen, von denen nicht alle an jedem Ort leicht zu erfüllen sind.

Vor allem das werbeträchtige gelbe Solardach, das weit sichtbare Erkennungszeichen der Fastned-Stationen, hat schon für Probleme bei der Standort-Findung gesorgt. Auf deutschen Autobahn-Raststätten hatten die Niederländer mit dieser architektonischen Bedingung beispielsweise keine Chance – die Betreibergesellschaften wollten unauffälligere, kleinere Säulen.

Langfristige Variante bevorzugt

Fastned sucht daher nach anderen günstigen Standorten. Gerne nahe an Fernstraßen, aber auch in Städten. Grundstücksbesitzer, die ein passendes Gelände verkaufen oder verpachten wollen, sollen sich gerne direkt unter standorte@fastned.de melden, so Boll. „Wir kümmern uns um alles: Anschluss, Genehmigungen und Bau. Und um den Betrieb. Wir wollen eine langfristige Lösung.“

Auch Wettbewerber EnBW wirbt mit einem Rundum-Sorglos-Paket für Grundstückbesitzer. „Kein Aufwand, keine Kosten, kein Risiko“, verspricht die eigens eingerichtete Standort-Akquise-Seite des Unternehmens im Internet möglichen Interessenten. Und streicht die Vorteile für den Verkäufer oder Verpächter heraus: Vor allem die Standortaufwertung und der Imagegewinn durch eine Schnellladestation vor der Haustür sollen Einzelhändler und Arbeitgeber mit E-Auto fahrenden Angestellten locken. Bauherren neuer Immobilien können zudem so die Bedingungen des Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetzes (GEIG) erfüllen, das für Neubauten bestimmter Größe und Stellplatzzahl einen oder mehrere Fahrstromanschlüsse vorschreibt.

„Für die Bewertung von geeigneten Standorten haben wir eigene Tools entwickelt“, so Heiko Willrett von EnBW. Sie berücksichtigen unter anderem Lage, Anbindung, die mögliche Frequenz an Fahrzeugen und nahegelegene Einkaufs- und Gastronomieangebote. „Durch diese Bewertungstools können unsere potenziellen Partner die Attraktivität ihres Standorts einfach nachvollziehen.“ Auch die Schwaben haben eine spezielle E-Mail-Adresse für interessierte Grundbesitzer: vertrieb.emob@enbw.com.

„Deutschlandnetz“ mit 1.000 Standorten bis 2023

Was für Fastned und EnBW gilt, gilt auch für andere Ladesäulenbetreiber. Zu denen zählen unter anderem Allego, Aral, Chargepoint, Ionity, Mer, Tank & Rast oder Tesla – sie alle suchen dauerhaft neue Standorte. Neben den privaten Unternehmen mischt mittlerweile aber auch der Staat beim Ausbau der Ladeinfrastruktur mit. Bis 2023 soll ein „Deutschlandnetz“ mit 1.000 Standorten entstehen, um die Grundversorgung der Bevölkerung zu garantieren.

Den Bau zahlt der Bund, der im Gegenzug einen Gutteil der Einnahmen aus dem Stromverkauf erhält. Durch das Programm sollen in erster Linie Versorgungslücken gefüllt werden – entsprechend geht es um wirtschaftlich weniger interessante Standorte. Die Premium-Spots benötigen keine staatliche Förderung und werden im Zweifel auch ohne Zuschuss gebaut.

Wer ein passendes Deutschland-Netz-Grundstück hat, kann dieses ebenfalls melden. Zuständig ist die Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW GmbH), die unter standorttool.de und flächentool.de die vorgesehenen Regionen für Schnellladestationen auflistet.

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