Suchen

Peugeot iOn Lautlos durch die Innenstadt

| Autor / Redakteur: SP-X / Bernd Otterbach

Peugeot besinnt sich auf seine elektrische Vergangenheit als früher größter Elektroautohersteller der Welt und bringt im Dezember den 47 kW/64 PS leistenden Citystromer iOn auf den Markt.

Firma zum Thema

Der 3,48 Meter kurze Viertürer ist anfangs ausschließlich als Leasingfahrzeug erhältlich, das Komplettangebot inklusive Wartungskosten und Batterie liegt bei knapp 500 Euro im Monat, mehr als die Rate für manche Luxuslimousine. Der spätere Kaufpreis soll sogar bei 40.000 Euro liegen.

Dennoch dämpft der für einen Kleinwagen stattliche Preis zumindest bei Behörden und Flottenkunden kaum das Interesse, wie über 4.000 Vorbestellungen zeigen. Alternativ gibt es den Stromer auch im Fahrzeugsharing-Programm Peugeot Mu, das in Deutschland zunächst in Berlin an den Start geht. Weitere Großstädte sollen folgen. Dabei können die Kunden mit einer Prepaid-Karte Elektrofahrräder, Roller oder Autos mieten.

Möglich ist der schnelle Serienstart des iOn durch eine Kooperation zwischen dem Konzern PSA Peugeot Citroën und Mitsubishi. Die Basis für den Peugeot iOn und das Konzern-Schwestermodell Citroën C-Zero bietet der baugleiche und in Japan bereits lieferbare Kleinwagen Mitsubishi i-MiEV.

Und wie fährt sich nun die elektrische Zukunft? Beim Starten ist man versucht zu sagen: Wie ein Benziner von gestern. Statt des heute beliebten Startkopfes wird ein Schlüssel gedreht, dann bestätigt ein Signal die Betriebsbereitschaft des Wagens. Jetzt heißt es, den Automatikwählhebel des stufenlosen Getriebes auf D zu stellen, die Parkbremse zu lösen und „Strom zu geben“. Der im Heck untergebrachte Elektromotor entwickelt schon beim Start 180 Nm Drehmoment und schiebt sofort mit sirrendem Geräusch kräftig an. Unvermittelt die Straße querende Fußgänger müssen vor dem fast lautlosen Gefährt allerdings nicht selten per Hupe gewarnt werden.

Laute Wind- und Rollgeräusche

Spätestens wenn es auf die Autobahn geht, ist für die Passagiere des iOn die leise Reise vorbei. Wind- und Rollgeräusche werden ab Tempo 90 so aufdringlich, dass der Fahrer gerne Tempo zurücknimmt, was auch den sonst allzu rasch schwindenden Energievorrat schont. Sind die Lithium-Ionen-Batterien voll geladen, beträgt die Reichweite im idealen Fall 130 Kilometer, bei Autobahntempo oder bei Nutzung von Verbrauchern wie Klimaanlage, Heizung, Licht und Scheibenwischern reduziert sie sich dagegen auf 60 oder 70 Kilometer. Vollgetankt wird entweder sechs Stunden lang an 230-Volt-Steckdosen oder in nur 30 Minuten an einer der noch überaus raren Schnellladestationen, die die Akkus zu 80 Prozent aufladen. Für den Überlandverkehr eignet sich der iOn also nicht, dafür fühlt sich der wendige und übersichtliche Peugeot im dichten Großstadtverkehr besonders wohl.

Kein Wunder, basiert sein Vorbild, der Mitsubishi i-MiEV, doch auf einem japanischen Stadt- und Billigauto der sogenannten Kei-Car-Klasse. Vorteil: Dank Heckmotor und Heckantrieb bietet der französische i-MiEV-Zwilling beeindruckende 2,55 Meter Radstand (zum Vergleich: der Peugeot 107 misst nur 2,34 Meter) und ein Raumangebot wie in der Kompaktklasse. Von Nachteil ist jedoch die in Japan gesetzlich vorgegebene Kei-Car-Breite von maximal 1,48 Meter, die für Enge im schmalen Winzling sorgt. Dazu kommen die einfachen, teilweise billig wirkenden Interieurmaterialien und die erwähnte schlechte Geräuschisolation, die nicht zum sonstigen Qualitätsanspruch der Franzosen passen.

1,50 Euro pro 100 Kilometer

Maßstäbe setzt der Peugeot iOn allein bei den laufenden Betriebskosten pro 100 Kilometer, die nicht mehr als 1,50 Euro betragen sollen. Derart preiswert bleibt elektrisches Fahren aber nur so lange, wie auf den getankten Strom keine höheren Steuern erhoben werden. Die CO2-Bilanz des iOn richtet sich dagegen ganz nach der Herkunft des Stroms, ob er also etwa aus regenerativer oder konventioneller Erzeugung stammt. In Deutschland soll die Bilanz laut Bundesumweltministerium derzeit zwischen fünf und 120 Gramm CO2 pro Kilometer schwanken. Der obere Wert entspricht bereits dem CO2-Ausstoß eines Kompaktwagens. Wenigstens für einen Superlativ ist der Peugeot iOn gut: Sie ist das erste europäische Serienfahrzeug mit Lithium-Ionen-Batterie. Wolfram Nickel/SP-X

Peugeot iOn - Technische Daten

Viertüriger Kleinwagen mit Heckklappe;

Permanentmagnet-Synchron-Elektromotor, 47 kW/64 PS, max. Drehmoment 180 Nm,

Lithium-Ionen-Batterie, Ladedauer sechs Stunden an 230-Volt-Steckdose, bei Schnellladesystem in 30 Minuten zu 80 Prozent,

Vmax: 130 km/h, Reichweite maximal 130 Kilometer,

Leasing-Preis: ab ca. 500 Euro/Monat.

(ID:347288)