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Leichtbau-Gipfel 2015 Leichtbau steht vor einem Paradigmenwechsel

| Redakteur: Christian Otto

Dr. Wolfgang Seeliger von der Leichtbau BW GmbH betrachtete in seinem Vortrag die Trends und Märkte des Leichtbaus und verglich dabei auch die Automobilindustrie mit anderen Branchen. Als Grundlage diente ihm eine Markt- und Trendstudie.

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Dr. Seeliger betrachtete in seinen Ausführungen die Erhebungen einer Studie zum Thema Leichtbau.
Dr. Seeliger betrachtete in seinen Ausführungen die Erhebungen einer Studie zum Thema Leichtbau.
(Foto: Stefan Bausewein)

Die Basis aller Analysen sind natürlich Studien. Auch die Leichtbau BW GmbH griff für ihre Prognosen auf diese zurück und arbeitete hierfür mit Fraunhofer zusammen. Als erstes benötigten die Studien-Verantwortlichen laut Seeliger ein Maß für die Marktentwicklung. „Hierfür wurden die Patentaktivitäten für Leichtbau-Patente betrachtete und analysiert“, so Seeliger. Das Ergebnis war dabei eindeutig: Die Aktivitäten haben sich erhöht.

Der Blick ging hiernach in Richtung Marktgröße im Zusammenhang mit der Patentaktivität, wobei Branchen wie die Elektrotechnik hier vorn sind und die Automobilindustrie auf dem vierten Platz rangiert. „Daraus abgeleitete Schätzungen für die Marktgröße im Leichtbau zeigen nun, dass auch in Zukunft der Transportsektor und somit die Automobilindustrie als Treiber fungiert.“

Bauindustrie innovativer als Automobilbranche

Auch betrachtete die Studie die verschiedenen Branchen im Innovationszyklus. Überraschenderweise steht die Bauindustrie an der Spitze der Leichtbau-Innovationen. Seit etwa 2005 ist auch für die Automobilindustrie zu attestieren, dass es dort einen deutlich ansteigenden Trend gibt. Das dies auch zukünftig so bleibt, lasse sich soweit auch prognostizieren. Allerdings entwickle die Automotive-Branche bereits Themen jenseits des Leichtbaus, wie das Autonome Fahren und ist zum Teil schon vielfach mit Projekten „abgesättigt“.

Beim Thema Werkstoffe zeigen die Prognosen für2020 laut Seeliger eine differenzierte Bedeutung von Stahl, Aluminium, Magnesium und herkömmlichen Kunststoffen, wie auch Thermoplasten. So dürften Faserverstärkte Kunststoffen im Automobilsektor ein Null-Wachstum erfahren. Eine Ausnahme nehmen Carbonfasern mit prognostizierten über 30 Prozent Wachstumsraten ein. Das zweithöchste Wachstum findet sich nach der Erhebung bei Hochleistungsstählen (zwischen 14 und 25 Prozent), gefolgt von Magnesium mit ähnlichen Wachstumsraten aber kleineren Volumina. Dr. Seeliger hob aber ein Ergebnis hervor: „Interessant erscheint die Anwendung von Thermoplasten. Hier paart sich eine hohe Wachstumsrate von etwa 11 bis 12 Prozent mit einem hohen prognostizierten Marktvolumen von circa 25 Milliarden Euro.“

Leichtbau neu denken

In den nächsten fünf Jahren ergebe sich dann folgendes Bild: Hochfeste Stähle werden verstärkt eingesetzt, Aluminium erfahre im Vergleich eine abnehmende Bedeutung und Magnesium sowie Komposite bilden eine noch geringere Größe in der Verteilung. Ausnahme bei den Kompositen stellen carbonfaser-verstärkter Kunststoff (CFK) dar.

Aus den Ergebnissen leitet das Team um Dr. Seeliger die Frage nach einem Paradigmenwechsel im Leichtbau ab. Denn „der klassische Leichtbau ist ausgereizt.“ Drei Dinge habe man deshalb für diesen Wechsel vorgeschlagen: den Konzept-Leichtbau zu stärken, Prozessinnovationen vorzunehmen und die Wertschöpfungskette zu digitalisieren. „Wir fassen das unter drei Schlagwörtern zusammen: Design, Prozesse und Simulation.“

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