Bilanzpressekonferenz 2015 Leoni: Auf Wachstumskurs mit Automotive

Redakteur: Christian Otto

Das Jahr 2014 hätte für Leoni noch besser verlaufen können. Doch Performance-Probleme und hohe Anlaufkosten bremsten die Franken aus. Aber sowohl der scheidende wie auch der kommende CEO erwarten im kommenden Jahr einen nochmaligen Umsatzsprung.

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Der Kabel- und Kabelsystem-Spezialist Leoni lud am 17. März zur Bilanzpressekonferenz nach Nürnberg. Zum letzten Mal führte dabei der scheidende Vorstandsvorsitzende Dr. Klaus Probst (2. v.l.) durch die Geschäftszahlen des letzten Jahres. Und er konnte für das Jahr 2014 sowohl eine Umsatz- als auch Gewinnsteigerung vermelden.
Der Kabel- und Kabelsystem-Spezialist Leoni lud am 17. März zur Bilanzpressekonferenz nach Nürnberg. Zum letzten Mal führte dabei der scheidende Vorstandsvorsitzende Dr. Klaus Probst (2. v.l.) durch die Geschäftszahlen des letzten Jahres. Und er konnte für das Jahr 2014 sowohl eine Umsatz- als auch Gewinnsteigerung vermelden.
(Foto: Leoni)

Der Kabel- und Kabelsystem-Spezialist Leoni lud heute (17. März) zur Bilanzpressekonferenz nach Nürnberg. Zum letzten Mal führte dabei der scheidende Vorstandsvorsitzende Dr. Klaus Probst durch die Geschäftszahlen des letzten Jahres. Und er konnte für 2014 sowohl eine Umsatz- als auch Gewinnsteigerung vermelden. Ursächlich für diese Entwicklung waren laut Probst die starke Automobilindustrie sowie ein teilweise belebtes Industrieumfeld. Der Umsatz stieg so um fast fünf Prozent auf einen Rekordwert von 4,1 Milliarden Euro (2013: 3,92 Milliarden Euro). Der Konzernlenker wies aber auch auf Performance-Probleme in einem mexikanischen Werk hin, die sich auch auf die EBIT-Marge mit ausgewirkt hatten.

Stärkster Umsatz mit deutschen Kunden

Auf die konkreten Zahlen ging dann der designierte Nachfolger von Dr. Klaus Probst als CEO, Dieter Bellé ein, der für die Bereiche Finanzen und Controlling zuständig ist. Er verwies nochmals darauf, dass das Unternehmen aufgrund überhöhter Anlaufkosten im dritten Quartal 2014 Anpassungen vornehmen musste. Trotzdem betonte Bellé: „Wir haben ein klares Zeichen und das ist Wachstum.“ Bei den Umsatzanteilen nach Regionen „generierten wir den stärksten Umsatz mit unseren deutschen Kunden, die 2014 einen Anteil von mehr als 1,1 Milliarden Euro ausmachten“, sagte Bellé. Und er ergänzte „Die Regionen Asien/Pazifik und Amerika holen gegenüber Europa deutlich auf.“ Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) stieg wegen starker Sonderbelastungen nur um zwölf Prozent von 163,1 Millionen. Euro im Vorjahr auf aktuell 182,5 Millionen Euro. Das sei „nicht zufriedenstellend“, sagte der Finanzvorstand.

Eigenkapitalquote stagniert

Einen negativen Wert markierte der Free Cashflow, der bei -37,9 Millionen Euro lag. Die Ausgaben für die Investitionen und der bedingt durch größere Vorräte gestiegenen Mittelbindung führten zu dem starken Rückgang des Wertes, der 2013 noch bei +36,7 Millionen Euro lag. Doch mit Blick auf die Zukunft gab Dieter Bellé hier die Richtung vor: „Das ist eine Größenordnung, die uns in den nächsten Jahren nicht passieren sollte.“ Die Eigenkapitalquote stagnierte bei etwa 34 Prozent auf gleichem Niveau wie 2013. „Dieser Wert ist aus unserer Sicht komfortabel, auch mit Blick auf die intern ausgegebenen Ziele“, relativierte Bellé. Der Konzernüberschuss erhöhte sich auf 115,1 Millionen Euro (2013: 105,9 Millionen Euro).

Bei der Mitarbeiterzahl vermeldete der Leoni-Manager ein nochmaliges Wachstum um zehn Prozent auf fast 68.000 Mitarbeiter. „Ursache sind insbesondere die personalintensiven Anläufe im Bordnetz-Bereich“, erklärte Bellé. Das Unternehmen beabsichtigt trotz des negativen Cashflow, eine Dividende von 1,20 Euro (Vorjahr: 1,00 Euro) pro Aktie auszuschütten.

Asiengeschäft stärkt den Bereich Wiring Systems

Der Unternehmensbereich Wiring Systems (WSD) konnte den Umsatz im Berichtsjahr auf 2.399,6 Millionen Euro (2013: 2.321,0 Millionen Euro) steigern. Als Stütze nannte Bereichsvorstand Dr. Andreas Brand erneut das Geschäft mit der exportstarken deutschen Automobilindustrie. Erfreulich entwickelte sich außerdem das Geschäftsfeld Elektromobilität, das in den kommenden drei Jahren rund ein Dutzend neue alternativ angetriebene Fahrzeuge erstmals mit Hochvolt-Produkten beliefern wird.

In China soll ein neu gebautes Werk im Nordosten des Landes ab Ende dieses Jahres einen deutschen Premiumhersteller mit Bordnetz-Systemen versorgen. Weiterhin ist es gelungen Hyundai und Geely als Kunden zu gewinnen und damit die Wettbewerbsposition im weltweit größten Automobilmarkt auszubauen. Auch für die Region Amerika vermeldete Brand stark erweiterte Kapazitäten. Hier kam es im Rahmen des Anlaufs eines Großprojektes jedoch zu unerwartet großem Personalbedarf, hohen Ausschussquoten sowie erheblichen Luftfrachtkosten. Das Ergebnis des zweiten und dritten Quartals war deswegen mit insgesamt rund 15 Millionen Euro belastet. „Die Zusatzkosten konnten wir im Verlauf des Jahres nicht mehr kompensieren“, so Brand. In Europa wirkten sich der Verfall des Rubels und das schwächere Russlandgeschäft negativ auf die Ertragslage aus. Folglich ging das Bereichs-EBIT um rund zehn Prozent auf 104,6 Millionen Euro (2013: 116,1 Millionen Euro) zurück.

Deutlicher Umsatzanstieg in der anderen Division

Der Unternehmensbereich Wire & Cable Solutions (WCS) profitierte laut dessen Vorstand Dr. Frank Hiller von einer weiterhin starken, globalen Nachfrage nach Fahrzeugleitungen sowie von der Belebung der meisten industriellen Abnehmerbranchen. Der Außenumsatz des Segments legte um knapp sieben Prozent auf 1.703,8 Millionen Euro (2013: 1.596,9 Millionen Euro) zu, das deutlichste Plus ist dabei in Asien zu verzeichnen. „Damit haben wir den höchsten Umsatz der WCS erreicht“, vermeldete Hiller.

Mit dem Aufbau zusätzlicher Produktionsstandorte bzw. der Erweiterung bestehender Kapazitäten in Mexiko, China und Indien legte der Unternehmensbereich die Basis für ein forciertes Wachstum außerhalb Europas. Um die weitere Globalisierung zu unterstützen, sind im Berichtsjahr in Asien und Amerika regionale Strukturen entstanden. Im Berichtsjahr wuchs das Bereichs-EBIT bereits um knapp zwei Drittel auf 78,1 Millionen Euro (2013: 47,1 Millionen Euro). Neben der verbesserten Kapazitätsauslastung machten sich die Effekte der Restrukturierung des Vorjahres positiv bemerkbar.

Investitionen in die Zukunft

Im Geschäftsjahr 2014 hat Leoni laut seiner Führungsriege erneut stark investiert und für Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte die Rekordsumme von 215,8 Millionen Euro (2013: 168,4 Millionen Euro) aufgewendet. Das Unternehmen baute seine Kapazitäten in allen drei Weltregionen aus. Knapp zwei Drittel entfielen auf die Region EMEA (Europa, Mittlerer Osten und Afrika), und hiervon gut die Hälfte auf Osteuropa. In Asien stiegen die Investitionen prozentual am stärksten – um mehr als 50 Prozent. Auch in Amerika flossen mit einem Plus von 36 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum überproportional viele Mittel in den Ausbau der Produktionsanlagen. Leoni erwirtschaftete einen Mittelzufluss aus laufender Geschäftstätigkeit von 180,8 Millionen Euro (2013: 187,4 Millionen Euro).

Wachstum: 2015 moderat und 2016 kräftig

Leoni bleibt 2015 weiter auf Wachstumskurs und erwartet laut Dr. Klaus Probst einen moderaten Umsatzanstieg auf circa 4,3 Milliarden Euro, der vor allem von den Regionen Amerika und Asien/Pazifik getragen werden soll. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern wird mehr als 200 Millionen Euro betragen. Das Unternehmen will mit voraussichtlich 240 Millionen Euro abermals stark in seine künftige Expansion investieren. Trotzdem soll wegen höherer Mittelzuflüsse ein ausgeglichener Free Cashflow erreicht werden. Für die Gesamtkapitalrendite liegt der Zielwert bei leicht verbesserten 14 Prozent. Die Eigenkapitalquote wächst laut dem scheidenden CEO voraussichtlich auf mehr als 35 Prozent. „Wie schon länger kommuniziert, soll das Geschäftsjahr 2016 einen kräftigen Wachstumsschub auf fünf Milliarden Euro Umsatz bringen“, gab Dr. Probst als Ausblick. Der daraus resultierende zusätzliche Deckungsbeitrag in Verbindung mit weiteren Effizienzgewinnen sowie deutlich geringeren Vorlaufkosten für neue Bordnetz-Projekte wird eine EBIT-Marge von sieben Prozent ermöglichen.

Stärkerer Fokus auf Automotive

Zudem gab er eine Langfrist-Prognose ab: „Beim Branchenfokus setzen wir auf 20 Prozent im Non-Automotive-Bereich und 80 Prozent im Automotive-Bereich. Im Jahr 2014 lag dieser noch bei 70 Prozent“, und er ergänzte: „Leoni ist auch nach meiner Zeit im Vorstand sehr gut aufgestellt. Herr Bellé und ich haben schon in der Vergangenheit die meisten Entscheidungen zusammen auf den Weg gebracht und er und der Rest des Vorstands werden zusammen die für das Unternehmen richtigen Entscheidungen treffen.“

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