Umbau-Erfolg Leoni verkauft Teile seiner Kabelsparte

Autor / Redakteur: dpa / Andreas Wehner

Der Automobilzulieferer wird einen Teil seiner Sparte Industrial Solutions los. Das sorgt für finanzielle Entlastung bei dem angeschlagenen Unternehmen.

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(Bild: Leoni)

Der angeschlagene Automobilzulieferer Leoni kommt bei seinem Umbau voran. So wurde ein Abnehmer für eine seit einiger Zeit zum Verkauf stehende Einheit der Kabelsparte gefunden. Das Unternehmen habe eine bindende Vereinbarung mit dem US-Konzern Bizlink über den Verkauf des Bereichs, der Kabel für die Industrie (Industrial Solutions) herstellt, unterzeichnet, teilte Leoni am Freitag (1. Oktober) in Nürnberg mit. Die Transaktion soll Anfang 2022 abgeschlossen sein. In der Nacht hatte das Unternehmen bereits angekündigt, kurz vor einer Vereinbarung zu stehen.

Die betroffenen Aktivitäten, die nicht mehr zum Kerngeschäft des Unternehmens gehören, werden mit rund 450 Millionen Euro bewertet und erzielten 2020 einen Umsatz von rund 430 Millionen Euro. „Der erwartete Mittelzufluss nach Abzug unter anderem von Finanzverbindlichkeiten und Pensionslasten liegt bei mehr als 300 Millionen Euro und soll zur Stärkung der Liquidität eingesetzt werden.“ Der verkaufte Unternehmensteil fertigt an 20 Standorten in zehn Ländern mit rund 3.000 Mitarbeitern Kabel für verschiedene Branchen. Das Kerngeschäft, die Fertigung von Bordnetzsystemen für die Automobilindustrie, bleibe von dem Verkauf unberührt.

Verkauf sorgt für Gewinnsteigerung

Die Transaktion trage damit dazu bei, die finanzielle Stabilität zu verbessern, hieß es in der Mitteilung weiter. Der Verkauf steigere den Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 200 Millionen Euro. „Der Vollzug des Verkaufs bedarf noch der Zustimmung der Leoni finanzierenden Banken.“ Zudem unterliege der den üblichen Vollzugsbedingungen wie der Fusionskontrolle und Investitionsprüfung. Dies soll bis Anfang 2022 erledigt sein.

Der Verkauf des Bereichs Business Solutions gehört zum Plan, sich von verschiedenen Einheiten des Kabelsparte (WCS) zu trennen. Ein Komplettverkauf war im vergangenen Jahr unter anderem durch die Corona-Turbulenzen am Kapitalmarkt verhindert worden. Leoni konzentriert sich ganz auf die größere Bordnetzsparte (WSD), die zwar in den roten Zahlen steckt, aber nach Einschätzung des Managements mittelfristig bessere Renditen verspricht.

Operativ profitabel

Im ersten Halbjahr zog der Umsatz der Sparte um mehr als die Hälfte auf rund 1,7 Milliarden Euro an. Zudem konnte der Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 145 Millionen Euro in den ersten sechs Monaten 2020 auf 19 Millionen Euro reduziert werden. Vor Sondereffekten für das Sparprogramm, Kosten für Corona-Maßnahmen und anteiligen Kosten für die Refinanzierung des Konzerns war der Bereich sogar operativ profitabel.

In der Coronakrise musste sich Leoni unter anderem mit einem staatlich verbürgten Kredit in Höhe von 330 Millionen Euro refinanzieren. Zuletzt hatte Leoni nicht damit gerechnet, diese Schulden nicht bis Mitte 2022 zurückzahlen zu können. Deshalb zählt dieser Kredit jetzt zu den langfristigen Finanzschulden von knapp 1,6 Milliarden. Einen Teil davon würde Leoni durch den geplanten Verkauf der Einheit Business Solutions los.

Leoni beschäftigte Mitte des Jahres weltweit knapp 102.000 Mitarbeiter - davon mit fast 94.000 den Großteil in der Bordnetzsparte. Ankeraktionär ist der österreichische Motorradhersteller Pierer, der seinen Anteil erst im April von rund zehn Prozent auf mehr als 15 Prozent aufgestockt hatte. Damals hatte Großaktionär Stefan Pierer in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg gefordert, dass Leoni fokussierter und schneller werden muss.

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