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BMW Lernende Navigationssysteme

| Redakteur: Andreas Mühlbauer

BMW will Auto-Navigationssysteme mithilfe künstlicher Intelligenz lernfähig zu machen. „Wir arbeiten daran, dass Fahrzeuge nicht nur auf die Befehle des Fahrers reagieren, sondern vorausschauend aktiv werden“, sagt Projektleiter Andreas Winkler.

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Durch das Erlernen der Fahrer-Gewohnheiten sollen beispielsweise Fahrtziele automatisch erkannt werden. Doch nicht nur den Umgang mit Navigationssystemen will man komfortabler machen. Durch die Verbindung der intelligenten Navigation mit BMWs Energiespar-Technologien „EfficientDynamics“ soll langfristig ein noch spritsparenderes Fahren ermöglicht werden.

Genauigkeit der Prognosen bei 70 bis 80 Prozent

Um solche Ziele zu verwirklichen, lernt das Navigationssystem eines prototypischen BMW 3er auf verschiedene Weise. In Profilen jedes Fahrers werden Informationen zu dessen Fahrten wie Ziele, Abkürzungen und Schleichwege gespeichert. Mithilfe einer Kamera zur Verkehrszeichenerkennung kann das Navigationsgerät unterwegs noch unbekannte Tempolimits erlernen.

Ferner kann das System auch Daten wie Uhrzeit oder die mittels Sensoren bestimmte Sitzbelegung nutzen, um beispielsweise das Fahrtziel abzuschätzen. „Montagmorgens hält mein Auto den Weg in die Arbeit für am wahrscheinlichsten. Sitzt mein Kind im Auto, plant die Navigation auch den Umweg zum Kindergarten ein“, beschreibt Winkler.

Die Genauigkeit der Prognosen ist seit Projektbeginn von rund 30 Prozent auf etwa 70 bis 80 Prozent gestiegen. Das Fahrverhalten zukünftiger Anwender würde einem schnellen Lernprozess „intelligenter“ Navigationssysteme wohl entgegenkommen. „Der deutsche Durchschnittsfahrer steuert in etwa 80 Prozent der Fahrten nur fünf verschiedene Ziele an“, erklärt BMW-Sprecherin Katharina Bölsterl.

Weitere Vernetzung des Navigationssystems

Als besonders interessant sieht man bei BMW die Idee einer weiteren Vernetzung des Navigationssystems mit fahrzeuginternen Systemen wie den Energiesparmaßnahmen von EfficientDynamics. Das erlaube beispielsweise, die Bremsenergierückgewinnung nicht erst beim tatsächlichen Bergabfahren zu nutzen. Die vorausschauende Navigation könnte den Fahrer etwa informieren, dass er sich einem Tempolimit nähert, damit dieser sanft verzögert, statt abrupt auf die Bremse zu steigen.

Mit einem vorausschauenden Energiemanagement lässt sich in Zukunft der Verbrauch um 5 bis 10 Prozent senken, so die BMW-Schätzung. Vor der Auffahrt auf die Autobahn wiederum wird das Fahrzeug geeignet auf den bevorstehenden Schaltvorgang vorbereitet, um für den Beschleunigungsvorgang an Dynamik zu gewinnen.

Hoher Bedarf an Speicherplatz

Das Konzept einer „intelligenten“, lernenden Navigation macht kaum zusätzliche Hardware erforderlich, da die wesentlichen Komponenten das Navigationsgerät und das EfficientDynamics-Systems sind. „Im Moment ist das Nadelöhr für die Umsetzung allerdings noch der Bedarf an Speicherplatz“, sagt Robert Hein, BMW Group Leiter Navigation und Datendienste der Zukunft.

Denn das lernende System erfordert relativ große Datenbanken, während Speichermodule für Fahrzeuge relativ klein dimensioniert sind, so Bölsterl. Bis eine umfassende Lösung, die „intelligente“ Navigation und Energiesparmaßnahmen verbindet, wirklich massentauglich wird, dürfte es noch dauern. Einzelne Funktionen wie beispielsweise die Fahrtziel-Prognose könnten aber in unter fünf Jahren den Markt erreichen, meint Bölsterl.

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