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Chinesischer Automobilbau Luxusmarke Hongqi - Rote Fahne stolz im Wind

Autor / Redakteur: Benjamin Bessinger / Thomas Günnel

Eigentlich hätte Han Yun allen Grund, ein wenig stolz zu sein. Immerhin sitzt er am Steuer eine Limousine von Rang und Namen. Denn der fünf Meter lange Luxusliner, mit dem der freundliche Fünfziger heute Geschäftsleute durch Peking chauffiert, ist ein Hongqi oder für Langnasen eine „Rote Fahne“.

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So könnte Chinas Staatsführung künftig durch Peking fahren: Die Studie Hongqi H9.
So könnte Chinas Staatsführung künftig durch Peking fahren: Die Studie Hongqi H9.
(SP-X/Benjamin Bessinger)

Unter diesem Namen und vor allem mit diesem Logo lief in China 1958 bereits das erste Auto vom Band und über Jahrzehnte war das die Marke der Mächtigen. Was der Queen ihr Rolls Royce, dem US-Präsidenten sein Lincoln und dem Bundeskanzler sein Mercedes-Benz, das war dem Regierungschef in Peking seine „Rote Fahne“. Doch mit dem Stolz von Herrn Yun ist das so eine Sache. Denn eigene Autos baut Hongqi schon längst nicht mehr. Bereits in den Sechzigern hat die mittlerweile unter das Dach von First Automotive Works (FAW) gerückte Nobelmarke abgelegte Chrysler-Plattformen für ihre Limousinen verwendet, später wurde die Technik von Kooperationspartner Audi übernommen und bis vor kurzem musste der Toyota Crown als Basis herhalten.

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Als wäre schon Mao damit gefahren

Außerdem hat der Zahn der Zeit nach 300 000 Kilometern an Yuns Limousine schon tiefe Spuren hinterlassen. Sein Wagen basiert noch auf dem Audi 100 C3, ist gerade mal acht Jahre alt und sieht aus, als wäre schon Mao damit gefahren. Die Sitze durchgesessen wie die Kissen von Omas Ohrensessel, die Polster so dünn, dass man besser nicht unter die gehäkelten Bezüge schaut, der Lack stumpf, das Lenkrad buchstäblich abgegriffen und das Getriebe so ausgeleiert, dass man die Gänge nur noch per Zufall findet - so schleicht Yun mit dem Nissan-Vierzylinder unter der Haube missmutig durch den Dauerstau der Millionenmetropole und schielt neidisch auf seine Kollegen, die längst auf Audi oder Mercedes umgestiegen sind.

Hoffnungsträger H7

Doch das könnte sich bald wieder ändern - und Yun plötzlich zum Trendsetter werden. Denn China entdeckt den Patriotismus: Die Regierung fordert die Bürger zum Kauf heimsicher Autos an und will mit gutem Beispiel voran gehen. Damit auch Bonzen und Bürokraten künftig tatsächlich eigene Autos fahren können, wird jetzt im Straßenverkehr wieder die Rote Fahne gehisst. Nachdem die Bänder fast zwei Jahre still standen, hat FAW über 200 Millionen Euro investiert, das Werk aufgemöbelt und ein neues Modell aufgelegt: H7 heißt der Hoffnungsträger, der jetzt auf der Auto China in Peking präsentiert wurde und ab 2013 in den Fuhrpark der Behörden aufrücken soll. Die Rede ist zunächst von 30 000 Fahrzeugen im Jahr. „Aber wir können auch deutlich mehr bauen“, sagt ein Firmensprecher.

Basis: Toyota Crown

Wie ihre Vorgänger basiert auch die 5,10 Meter lange Limousine auf der Plattform eines FAW-Kooperationspartners und nutzt einmal mehr den Toyota Crown. Dessen Technik samt V6-Motor steckt auch jetzt wieder unter der schwarzen Limousine mit der leuchtend roten Finne auf der Motorhaube. Allerdings hat FAW diesmal auch eigene Motoren an Bord. Weil die Dienstwagenzuteilung am Hubraum hängt, gibt es für die breite Masse einen selbst entwickelten Zweiliter-Benziner. Und weil China bei den alternativen Antrieben vorangehen möchte, stand zumindest ein Prototyp bei der Pekinger Automesse auch als Plug-In-Hybrid auf der Bühne.

Komfortabler ausgestattet als ein Rolls Royce

Der H7 ist ein stattliches Auto. Doch gegen den eigentlichen Blickfang auf der Messe ist er klein wie ein Spielzeug. Denn nebenan parkt schon der Entwurf für eine Staatslimousine wie aus der guten alten Zeit. Geschätzte sieben Meter lang und komfortabler ausgestattet als ein Rolls-Royce träumt er von Glanz und Gloria aus vergangenen Zeiten. Selbstverständlich verfügt er deshalb nicht nur über eine Sitzlandschaft, die bequemer ist als jedes Sofa, und Unterhaltungselektronik auf neuestem Stand. Sondern unter der Haube wäre auch Platz für jenen Zwölfzylinder, den FAW angeblich wieder entwickeln will. „Noch ist der L9 nur eine Studie“, dämpft ein Firmensprecher die Euphorie. „Doch wenn die Regierung es ernst meint mit ihrem Patriotismus, kommt sie an einem Auto wie diesem kaum vorbei.“

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Entwicklung zu Lasten von Audi?

Diese Entwicklung ginge vor allem zu Lasten von Audi. Denn über viele Jahre waren Partei und Ministerien im Reich der Mitte Stammkunden bei den Bayern: Rund ein Drittel der 900.000 neuen Dienstwagen pro Jahr, so schätzen es die lokalen Medien, fahren im Zeichen der Ringe. Auch das ist ein Grund dafür, dass die VW-Tochter in China mittlerweile mehr Autos verkauft als in Deutschland. Doch nehmen die Herren der Ringe diesen Trend als lachender Verlierer. Sie sind ganz froh, dass sie mittlerweile 90 Prozent ihrer Autos an Privatleute verkaufen und unter den Flottenkunden vor allem private Unternehmen sind. Denn Kaderfahrzeuge stehen bei postkommunistischen Millionären nicht sonderlich hoch im Kurs, reflektiert Audi den Stimmungswechsel bei den Regierungsbehörden.

Verkauf vorerst nur an Behörden

Gut möglich, dass auch Yun seine „Rote Fahne“ bald gegen einen neuen Audi tauscht. Denn selbst wenn er den neuen H7 haben wollte, wird er den so schnell nicht bekommen. „Wir verkaufen erstmal nur an die Behörden“, sagt ein FAW-Manager und bittet Menschen wie Yun um ein wenig Geduld. Die allerdings kann sich der Chauffeur kaum leisten - zumindest wenn er in Peking bleiben möchte. Schließlich legen die Stadtväter Wert auf ein modernes Straßenbild und machen den Besitzern von älteren Fahrzeugen das Leben schwer, erläutert Yun. „Nach acht Jahren gehen die Steuern dramatisch in die Höhe und nach zehn Jahren ist die Zulassung weg“, schimpft der Fahrer. Mag ja sein, dass die Regierung wieder mehr chinesische Autos auf der Straße sehen möchte. Aber seine Rote Fahne holt er deshalb in spätestens zwei Jahren für immer ein.

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