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Interview M GmbH: Drei Zylinder sind kein Tabu mehr

| Autor / Redakteur: Jens Meiners / Christian Otto

Die M Gmbh steht für das Sportlichste was ein erlauchter Käuferkreis von der Marke BMW erstehen kann. Und trotz des jahrelangen Erfolges mit den bärenstarken Hochdrehzahlmotoren muss auch die Edelschmiede technisch neue Wege beschreiten. Im Gespräch erklärt M GmbH-Chef Dr. Friedrich Nitschke diese Abkehr von alten Dogmen und betont den hohen Einfluss der Kundenwünsche.

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Dr. Nitschke lässt bei der M-Gmbh auch frühere Tabus zu, um auf Augenhöhe mit der Konkurrenz zu bleiben.
Dr. Nitschke lässt bei der M-Gmbh auch frühere Tabus zu, um auf Augenhöhe mit der Konkurrenz zu bleiben.
(Foto: BMW)

Seit zwei Jahren wirkt der frühere Mini-Manager Dr. Friedrich Nitschke in der Daimlerstraße zu Garching. Dort hütet er die ein Juwel, das von vielen Enthusiasten als die Essenz von BMW betrachtet wird: Die M GmbH, hervorgegangen aus der 1972 gegründeten BMW Motorsport GmbH. Auf ihr Konto gehen automobile Ikonen wie der 3.0 CSL oder der gemeinsam mit Lamborghini entwickelte Supersportwagen M1; heute umfasst das Programm die Modelle M3, M5, M6, X5M und X6M. Gleichzeitig wurde die Linie M Performance lanciert, die zwischen dem regulären BMW-Programm und den spitz positionierten "echten" M-Modellen agiert. Unter diesem Etikett werden aktuell leistungsstarke Ableger der 1er-Baureihe sowie Derivate von 5er, X5 und X6 mit dreifach aufgeladenem Turbodiesel gebaut.

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Das Konzept der M GmbH diente einer Reihe von Konkurrenten als Inspiration. So hat Audi die quattro GmbH gegründet, Mercedes-Benz hat sich den einstigen Tuner AMG einverleibt - und auch bei Lexus ("F") sowie Cadillac ("V") orientiert man sich am Vorbild aus dem Münchner Norden. Im Laufe der vergangenen Jahre hat sich die M GmbH unter dem Druck der Konkurrenz von manch liebgewonnenem Dogma verabschiedet. So wich das auf die Spitze getriebene Hochdrehzahlkonzept sukzessive hochaufgeladenen Turbomotoren; der letzte frei ansaugende Motor steht im M3 vor der Ablösung. Es schockiert niemanden mehr, dass Geländewagen als M-Modell feilgeboten werden, und der Wechsel der Getriebeübersetzung darf dabei auch gerne per Schleifvorgang im Wandler-Automaten vonstatten gehen.

Weitere Tabubrüche sind zu erwarten

In Zukunft dürften noch einige weitere Tabus fallen. Im Gespräch anläßlich der Präsentation des M6 Gran Coupé kündigt Nitschke den Einsatz einer elektromechanischen Servolenkung an und deutet sogar an, sich mit hochaufgeladenen Dreizylinder-Motoren zu beschäftigen. Die kämen dann in zukünftigen BMW-Modellen zum Einsatz, die auf einer Frontantriebs-Plattform basieren - ein weiteres Novum. Nach ausgiebigen Fahrtests mit dem aktuellen M-Programm darf Puristen übrigens Entwarnung gegeben werden: Bisher hat noch praktisch jeder "M" die Erwartungen übertroffen.

Herr Dr. Nitschke, der aktuelle M3 hatte noch einen reinen M-Motor. Werden Ihre Motoren in Zukunft grundsätzlich von existierenden BMW-Maschinen abgeleitet, oder leisten Sie sich weiterhin den Luxus völlig eigenständiger Motoren, wie beim V8- und V10-Sauger?

Unsere Motoren werden sich in den Grundzügen zukünftig stärker an den BMW AG Angeboten orientieren. Sie sind allerdings für das BMW M spezifische Anforderungsprofil optimiert, so dass wir weitestgehend von eigenständigen Motoren sprechen können.

Bleiben Sie trotz Turboaufladung beim Hochdrehzahlkonzept?

Unsere V8-Turbomotoren drehen locker über 7000 Touren, und Sie können davon ausgehen, dass es generell noch weiteren Raum nach oben gibt.

Werden Sie beim kommenden M3 und M4 auch elektromechanische Servolenkungen einsetzen?

Ohne diese Spekulationen zu bestätigen: Sie können generell davon ausgehen, dass wir in Zukunft auch elektromechanische Servolenkungen anbieten werden. Sie sind einer guten hydraulischen Servolenkung inzwischen ebenbürtig.

Kann man den aktuellen M3 noch kaufen?

Die Baureihe ist ausverkauft. Wir bauen das Coupé und das Cabriolet noch rund ein halbes Jahr, aber die Fahrzeuge sind im Grunde schon kundenbelegt.

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