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Wirtschaft MAN nutzt Schlechtwetterklausel und kündigt Standortsicherung

| Autor / Redakteur: dpa / Svenja Gelowicz

Der Lkw-Bauer will Stellen abbauen und kündigt deshalb die Zusagen seiner Standort- und Beschäftigungssicherung vorzeitig auf. VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh spricht von einem „Angriff auf die gesamte Volkswagen-Familie“.

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Zu neuem Glanz soll ein Spar- und Restrukturierungprogramm den Lkw-Hersteller MAN bringen. Dafür verliert eine Vielzahl an Mitarbeitern den Job.
Zu neuem Glanz soll ein Spar- und Restrukturierungprogramm den Lkw-Hersteller MAN bringen. Dafür verliert eine Vielzahl an Mitarbeitern den Job.
(Bild: MAN)

Der Lkw- und Bushersteller MAN hat die eigentlich noch zehn Jahre gültige Standort- und Beschäftigungssicherung vorzeitig gekündigt. Das zum VW-Konzern gehörende Unternehmen will eine sogenannte Schlechtwetterklausel nutzen und damit den geplanten Abbau von 9.500 der rund 36.000 Stellen vorantreiben.

Um das Unternehmen neu auszurichten, sehe man sich gezwungen, die für die Standorte in Deutschland und Österreich geltenden Verträge zum 30. September kündigen, teilte MAN am Dienstag (29. September) in München mit. Ursprünglich lief die Standortsicherung bis 2030.

Kündigungsschutz nur bei Sparprogramm

Das Unternehmen erklärte, dass die Verträge ganz oder teilweise wieder in Kraft gesetzt werden können, wenn „sich Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite bis Jahresende auf ein gemeinsames Programm zur Neuausrichtung von MAN“ einigten. Der Betriebsrat hatte vor wenigen Tagen den Schritt der Unternehmensleitung angekündigt. Er bezeichnete den Schritt der Firmenleitung als „Kulturbruch“ und kündigte starken Widerstand an. „Wir haben kein Interesse an Eskalation, sagen aber auch klar, dass wir für unsere Rechte kämpfen werden“, sagte der MAN-Konzernbetriebsratsvorsitzende Saki Stimoniaris. Er bezeichnete den Schritt der Konzernspitze als Fehler. „Wer einen Vertrag zehn Jahre vor Ablauf kündigt, ohne Alternativen ausgelotet zu haben, sollte sich genau überlegen, was er damit auslöst.“

Der Konzernbetriebsratschef der MAN-Mutter Volkswagen wählte ebenfalls deutliche Worte. „Es handelt sich hierbei um einen Angriff auf die gesamte Volkswagen-Familie“, sagte Bernd Osterloh. „Eine solche Vorgehensweise wird nicht ansatzweise zum Erfolg führen. Daher werden wir im Laufe der Verhandlungen dafür sorgen, dass die umfangreiche Beschäftigungssicherung wieder in Kraft tritt.“ Osterloh sprach von einem „fatalen Signal nach innen und außen“.

Entlassungen ab Oktober 2021 flächendeckend möglich

Die MAN-Standort- und Beschäftigungssicherung basiert nach Angaben des Betriebsrates auf verschiedenen Vereinbarungen zwischen Unternehmensleitung und Belegschaft. Durch diese Vereinbarungen sollten betriebsbedingte Kündigungen bis zum 31. Dezember 2030 ausgeschlossen werden. Durch die Kündigung der Vereinbarung sind Entlassungen ab dem 1. Januar 2021 denkbar und vom 1. Oktober 2021 an flächendeckend möglich.

Der Lkw- und Bushersteller ist seit langem mäßig profitabel. Er muss wegen Vorgaben der EU in die Elektrifizierung und Digitalisierung seiner Fahrzeuge investieren. Die Werke Steyr in Österreich, Plauen (Sachsen) und Wittlich (Rheinland-Pfalz) stehen wegen der Pläne vor dem Aus, ein massiver Stellenabbau wird auch in anderen Werken wie München und Nürnberg erwartet. Details zu den Standorten sind bislang aber nicht bekannt.

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