Nutzfahrzeuge MAN und Scania sollen mit Akkus fahren

Autor / Redakteur: dpa / Thomas Günnel

Die VW-Tochter Traton will seine Lastwagen im Fernverkehr künftig batterieelektrisch antreiben. Ausnahmen soll es aber dennoch geben, zugunsten von Wasserstoff.

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MAN und Scania sollen im Fernverkehr künftig mit Akkus an Bord fahren.
MAN und Scania sollen im Fernverkehr künftig mit Akkus an Bord fahren.
(Bild: Traton)

Der VW-Konzern will nicht nur seine Pkws, sondern auch seine schweren MAN- und Scania-Lastwagen im Fernverkehr künftig mit batterieelektrischem Antrieb betreiben. Nachdem die Konkurrenten Daimler und Volvo gerade die gemeinsame Entwicklung von Wasserstoffantrieben für Lastwagen vereinbart hatten, sagte der Chef der VW-Lastwagenholding Traton, Matthias Gründler, am Montag (22. März) in München: „Traton setzt klar auf den Elektro-Lkw.“

In Forschung und Entwicklung für E-Mobilität werde Traton bis 2025 1,6 Milliarden Euro investieren statt wie bisher geplant eine Milliarde Euro. Alle Marken verlagerten ihr Budget jetzt von konventionellen zu E-Motoren. „Traton wird elektrisch“, sagte Gründler. Scania werde dieses Jahr zwar noch einen 13-Liter-Dieselmotor einführen und MAN im Jahr 2024, aber „das wird das letzte große Projekt sein, das wir machen. Wir werden keine neue Generation entwickeln.“

Schnellladenetz für E-Lastwagen

Im Jahr 2025 wolle Scania in Europa jedes zehnte Fahrzeug mit E-Antrieb verkaufen, 2030 schon jedes zweite. „Bei MAN werden dann mindestens 60 Prozent der Lkw für den Lieferverkehr und 40 Prozent der Lkw für den Fernverkehr emissionsfrei unterwegs sein“, stellte die VW-Holding in Aussicht. Allerdings müsse in Europa auch ein extra Schnellladenetz für Elektro-Lastwagen aufgebaut werden: Das „ist die größte Herausforderung“, sagte der Vorstandschef.

E-Lastwagen kosteten heute mehr als doppelt so viel wie Diesel-Lastwagen, und „die Anschaffungskosten werden auch weiterhin deutlich höher sein“, sagte Gründler. Aber bei den Betriebskosten „werden sie ab 2025 günstiger sein“. Kaufprämien, Steuern und CO2-Maut könnten den Umstieg beschleunigen. Bei den Batteriezellen will Traton auch die Syniergien im VW-Konzern nutzen, der den Bau eigener Zellfabriken angekündigt hat. Diesel-Lkw werde Traton so lange verkaufen, wie Kunden sie haben wollten.

Wasserstoff für bestimmte Nutzfahrzeuge

Auch Wasserstoff-Lastwagen dürfte sich in den nächsten zehn Jahren am Markt etablieren, sagte Gründler. „Wir werden diese Technik auch anbieten“, doch nur in Nischen, etwa für Zementmischer oder für Fernreisebusse, die in den Haltepausen nicht ausreichend Strom laden können. Der Wasserstoff-Lkw sei viel weniger effizient und viel teurer als der Batterie-Lkw, und ein Wasserstoff-Tankstellennetz sei teurer aufzubauen als ein E-Ladenetz.

Traton hatte das vergangene Jahr mit einem Umsatzrückgang von 16 Prozent auf 22,6 Milliarden Euro und einem Verlust von 124 Millionen Euro abgeschlossen. Im laufenden Jahr peilt die Nutzfahrzeugholding einen starken Absatz- und Umsatzanstieg an. Finanzchef Christian Schulz betonte aber auch die Risiken durch die Corona-Pandemie und die unsichere Versorgung mit Halbleitern.

Investor für Steyr

Die Restrukturierung von MAN mit dem Abbau von 3.500 Arbeitsplätzen soll mehr als eine halbe Milliarde Euro kosten. Für das große Lkw-Werk im österreichischen Steyr „sind wir im Gespräch mit einem Investor“ – in vier bis sechs Wochen wisse man mehr, sagte Gründler.

Mit der Übernahme des US-Lastwagenbauers Navistar Mitte des Jahres will Traton endlich auch auf dem US-Markt präsent sein, wo ein Drittel der weltweiten Gewinne der Branche erwirtschaftet werden.

Über Produkte und Komponenten liefen Gespräche mit Navistar. In China ist Traton an dem Lkw-Bauer Sinotruk beteiligt. Scania will nächstes Jahr nahe Shanghai eine Lkw-Fabrik in Betrieb nehmen.

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