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Elektromobilität

Maximal eine halbe Million E-Autos bis 2020

| Redakteur: Thomas Günnel

Bis zum Jahr 2020 sollen mindestens eine Million Elektro-Autos über Deutschlands Straßen rollen. Laut der Unternehmensberatung PwC ist dieses Ziel trotz des jüngst eingeführten Umweltbonus nicht mehr zu erreichen.

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Bis zum Jahr 2020 sollen mindestens eine Million Elektro-Autos über Deutschlands Straßen rollen. Die Unternehmensberatung PwC schätzt die Hälfte als realistisch ein.
Bis zum Jahr 2020 sollen mindestens eine Million Elektro-Autos über Deutschlands Straßen rollen. Die Unternehmensberatung PwC schätzt die Hälfte als realistisch ein.
(Bild: Daimler)

Auch nach dem offiziellen Start der 4.000 Euro beziehungsweise 3.000 Euro hohen Prämie für Elektrofahrzeuge, scheint die Nachfrage nach diesen Modellen schwach zu bleiben. So wurden laut PwC bislang nur 1.791 Anträge auf den Bonus gestellt (Stand 4. August). Insgesamt sank die Zahl der neu zugelassenen E-Fahrzeuge in den ersten sieben Monaten auf gerade mal 5142 – ein Minus von mehr als acht Prozent verglichen mit dem Vorjahreszeitraum. Bei Plug-In-Hybriden stieg die Zahl lediglich um 20 Prozent auf 7.140 Fahrzeuge. Wie Prognosen von PwC Autofacts zeigen, dürften am Ende des Jahrzehnts nur rund 500.000 Elektro- und Plug-In-Fahrzeuge hierzulande zugelassen sein. „Um das Millionenziel noch zu erreichen, müsste sich die Nachfrage nach Plug-Ins und reinen Elektroautos bis 2020 jedes Jahr mehr als verdoppeln. Dass dieses Szenario eintritt, ist selbst bei großem Optimismus unwahrscheinlich“, sagt Felix Kuhnert, Global Automotive Advisory Leader bei PwC. Dabei basiert die Berechnung der PwC-Experten bereits auf der Annahme, dass die Neuzulassungen dieser Fahrzeuge in den nächsten Jahren deutlich zunehmen werden – immerhin um knapp 900 Prozent zwischen 2016 und 2020.

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Geringe Reichweite und höhere Kosten

Abgesehen von der geringen Zahl an Ladestationen – nur 5.800 im Vergleich zu bundesweit 14.500 Tankstellen – gibt es vor allem zwei Gründe für die noch immer schwache Nachfrage nach Elektroautos: die geringen Reichweiten und die weiterhin höheren Anschaffungspreise für Stromer und Plug-In Hybride verglichen mit herkömmlichen Fahrzeugen. Am zweiten Punkt setzt der Umweltbonus an. So liegen hierzulande die Listenpreise für ausgewählte E-Fahrzeuge deutscher Hersteller im größten Segment, der Kompaktklasse, im Schnitt noch rund 13 Prozent über den Preisen für die konventionell angetriebenen Pendants. Immerhin: Durch die Prämie schmilzt die Differenz auf nur noch knapp drei Prozent.

Das ändert allerdings noch nichts an der geringen Reichweite: Plug-Ins legen rein elektrisch nur durchschnittlich 50 Kilometer zurück, bei E-Autos sind es nominell etwa 250 Kilometer. Um die mittlere Reichweite von E-Fahrzeugen in der Kompaktklasse auf 500 km zu erhöhen und gleichzeitig den Fahrzeugpreis auf ein wettbewerbsfähiges Niveau zu senken, müssten nach Berechnungen von PwC Autofacts die durchschnittliche Speicherkapazität um mehr als 250 Prozent steigen und die Batteriekosten von momentan 500 Euro/kWh auf 100 Euro/kWh sinken. Diese Werte gelten in der Automobilbranche frühestens bis Endes des Jahrzehnts als realisierbar. „Bei E-Fahrzeugen entfällt rund ein Drittel der Kosten auf die Batterie. Sie ist damit ein entscheidender Hebel, um die Elektromobilität mehrheitsfähig zu machen“, sagt Christoph Stürmer, Global Lead Analyst von PwC Autofacts.

Investitionen in Elektromobilität

Hersteller und Zulieferer lenken ihre Investitionen aber schon jetzt immer stärker in Richtung Elektromobilität. „In den nächsten Jahren werden zahlreiche Elektromodelle auf den Markt kommen, wodurch sich die Angebotsvielfalt über alle Fahrzeugsegmente hinweg deutlich ausweitet. Das Aufsetzen eigener Plattformen für E-Autos verstärkt diese Entwicklung“, sagt Kuhnert. Beispielsweise hat VW den Start von mehr als dreißig elektrifizierten Modellen angekündigt, BMW will seine Marke „i“ deutlich ausbauen und Daimler liebäugelt mit der Gründung einer Sub-Marke für zukünftige Elektromodelle. Herstellerübergreifend prognostiziert PwC Autofacts den Produktionsstart von 97 neuen Elektro- und 183 neuen Plug-In-Varianten zwischen 2016 und 2020. Für die weltweite Produktion dieser Fahrzeuge bedeutet das einen Anstieg der Volumen von rund einer Million Fahrzeuge im laufenden Jahr auf mehr als 3,5 Millionen im Jahr 2020. Mild-Hybride beschleunigen die „Elektrifizierung der Masse“ Zur „Elektrifizierung der Masse“ dürften auch die Hybridfahrzeuge beitragen.

Großes Potenzial sieht PwC Autofacts bei sogenannten Mild-Hybriden. „Sie könnten schon innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre beginnen, die Start-Stopp-Technologie abzulösen. Unsere Berechnungen gehen davon aus, dass 2020 schon mehr als 250.000 Full- und Mild-Hybrid Fahrzeuge in Deutschland verkauft werden. Auch das wäre ein Meilenstein – selbst wenn diese Autos statistisch nicht unter das Millionenziel fallen.“, so Chefanalyst Stürmer. Trotz der vorsichtigen Prognosen für den Zeitraum bis 2020 sind die PwC-Experten überzeugt, dass sich der Anteil elektrischer Autos in den kommenden Jahren signifikant erhöht – und zwar nicht nur in Deutschland. „Die CO2-Ziele der Europäischen Kommission sehen bereits bis 2020 eine spürbare Senkung der Fahrzeugemissionen um 27 Prozent auf 95g CO2/km vor und für 2025 steht der Automobilbranche bereits die nächste Verschärfung ins Haus. Insofern ist der eingeführte Umweltbonus ein positives Signal für den Automobilstandort Deutschland. Was es jetzt braucht, um die ‚Elektrifizierung der Masse‘ entscheidend voranzutreiben, sind weitere Investitionen zum Beispiel in die Ladeinfrastruktur und weitere flankierende Maßnahmen seitens des Gesetzgebers.“, sagt Kuhnert.

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