Nutzfahrzeuge Mercedes Sprinter - Usain Bolt der Transporter

Autor / Redakteur: Wolfagan Pester / Christian Otto

Er steht hierzulande fast schon wie ein Sammelbegriff für Transporter – der Sprinter von Mercedes-Benz. 1995 starteten die Schwaben mit dem Alleskönner und feiern auch im Ausland Erfolge.

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20 Jahre Sprinter (v.l.): Mercedes-Benz Sprinter (ab 2013) und Sprinter 2 (2006-2013) sowie zwei Mercedes-Benz Sprinter 1 (1995-2006).
20 Jahre Sprinter (v.l.): Mercedes-Benz Sprinter (ab 2013) und Sprinter 2 (2006-2013) sowie zwei Mercedes-Benz Sprinter 1 (1995-2006).
(Foto: Daimler)

Der Mercedes-Benz Sprinter kann als der Usain Bolt unter den Transportern bezeichnet werden. Denn gleich dem jamaikanischen Ausnahmeläufer – dekoriert mit sechs Olympiasiegen und elf Weltmeisterschaften – rennt der Transporter aus Düsseldorf seit 1995 von Rekord zu Rekord.

Am 10. September feierte Mercedes-Benz den Sprinter in seinem Stammwerk Düsseldorf, wo Daimler-Vorstandchef Dieter Zetsche feststellte: „Mit dem Sprinter haben wir eine Markenikone für Transporter geschaffen. Er hat das Segment der großen Vans begründet, ihm seinen Namen gegeben – und prägt es seitdem.“

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Den Vergleich mit Ausnahmeathleten Usain Bolt lieferte der Leiter des zuständigen Daimler-Geschäftsbereichs Mercedes-Benz Vans, Volker Mornhinweg, denn „der Sprinter ist eines der erfolgreichsten Nutzfahrzeuge aller Zeiten und einer der Bestseller im Daimler Produktportfolio. Für 2015 erwarten wir einen weiteren Absatzrekord und damit das beste Sprinterjahr aller Zeiten.“ Auch das bisher Erreichte lässt den Daimler-Vorstand frohlocken. Seit seinem Produktionsstart ist der „Welttransporter“ an mehr als 2,9 Millionen Kunden übergeben worden und in über 130 Märkten unterwegs.

200.000 Stück in 2015

2014 wurden laut Unternehmensangaben weltweit über 186.000 Fahrzeuge abgesetzt. Das bedeutete gegenüber dem Vorjahr ein Plus von zwölf Prozent und erneut einen Rekordwert. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2015 lieferte Mercedes den Sprinter weltweit an 89.500 Kunden aus. Das war wieder ein Plus von vier Prozent gegenüber dem Zeitraum des Vorjahres. Die 200.000ste Sprinter-Auslieferung dürfte Ende des Jahres möglich sein.

Was das bedeutet, verdeutlicht auch der Einsatz der Beschäftigten in den Produktionsstandorten. Im Düsseldorfer Stammwerk rollen mehr als 65 Prozent aller Fahrzeuge vom Band. Aufgrund der hohen Kundennachfrage arbeiten die 6.500 Beschäftigten aktuell in Sonderschichten und an Samstagen, um täglich über 725 Transporter zu fertigen. Seit dem Produktionsstart in Düsseldorf vor 20 Jahren verließen dort insgesamt rund 2,4 Millionen Sprinter das Werk.

Zwei Standorte in Deutschland

Mit dem Erfolg und zum Modellwechsel im Jahr 2006 kam das Mercedes-Benz-Werk Ludwigsfelde südlich von Berlin in den Produktionsverbund des Sprinter hinzu. Dort fertigen rund 2.000 Mitarbeiter Fahrgestelle und Pritschenwagen. Im Jahr 2014 wuchs die Produktion um 13 Prozent auf über 48.200 Einheiten, mit weiter positivem Trend in 2015 – täglich werden über 200 Transporter gefertigt.

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In Lateinamerika erhalten die Kunden ihre Sprinter aus argentinischer Produktion und das bereits seit 1996. Das Werk „Centro Industrial Juan Manuel Fangio“ in der Hauptstadt Buenos Aires produziert heute mit gut 1.600 Beschäftigten rund 15.000 Sprinter im Jahr. Seit dem Produktionsstart in den 90ern sind das insgesamt knapp 250.000 Sprinter.

China und Russland als interessante Märkte

Chinas Sprinter-Kunden werden seit 2011 auch aus dem Werk Fuzhou, Provinz Fujian, bedient. Die etwa 1.600 Mitarbeiter der Fujian Benz Automotive Ltd. fertigen drei unterschiedliche Sprinter-Modelle in verschiedenen Aufbaulängen und entsprechenden Sitzanordnungen für den Markt im Reich der Mitte. Wobei dort Sprinter zur Personenbeförderung mit 14, 17 und 20 Sitzen angeboten werden. Ab 2016 werden laut Daimler-Manager Mornhinweg in Fuzhou zusätzlich zum Sprinter die V-Klasse und der Vito gebaut und auf den Markt starten.

In Russland schreibt der Mercedes-Benz Sprinter auch eine Erfolgsgeschichte, die laut Daimler-Chef Dieter Zetsche auch nicht durch das derzeitige EU-Embargo gegen Russland beeinträchtigt wird. Die GAZ-Gruppe, der größte Automobilkonzern Russlands, fertigt seit 2013 als Lizenznehmer mit Manpower aus Düsseldorf in Nischni Nowgorod, 100 km östlich von Moskau, den Sprinter Classic. Dessen Fahrzeugwert wird derzeit zu über 40 Prozent in Russland erbracht. In diese Kooperation hat Mercedes-Benz Vans insgesamt 100 Millionen Euro in Produktionsanlagen und Vertriebsaktivitäten investiert.

Unruhe aufgrund der US-Pläne

Die Großserien-Produktion der nächsten Generation des Sprinter in den USA brachte allerdings Unruhe ins Düsseldorfer Stammwerk. Hinzu kam die Verständigung von Daimler und VW, dass Ende 2015 die Produktion des Transporter Crafter auf Sprinter-Basis für Volkswagen Nutzfahrzeuge ausläuft. Doch der Arbeitsplatzangst der Düsseldorfer entgegnete Volker Mornhinweg auf dem Jubiläum, dass das Werk in den USA dem deutschen Standort nichts wegnimmt: „Das Wachstum findet in den USA statt, aber auch der Markt in Europa wächst. Und wir brauchen die frei werdenden Produktionskapazitäten selbst für ein Nachfolgeprodukt.“

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Anfang 2016 startet laut Daimler in Charleston, Bundesstaat South Carolina, der Bau des Transporterwerks. Dadurch soll die Belieferung des stetig wachsenden nordamerikanischen Marktes künftig deutlich wirtschaftlicher werden. Hohe US-Importzölle führen bislang dazu, dass die in Deutschland für den US-Markt produzierten Sprinter aufwendig zerlegt und vor Ort wieder aufgebaut werden müssen. Allgemein lasse sich die wachsende Nachfrage der nordamerikanischen Kunden mit Fahrzeugen „Made in USA“ viel schneller bedienen. Denn im Jahr 2014 fuhr der Sprinter mit 25.800 Einheiten auch dort einen neuen Absatzrekord ein und machten die USA nach Deutschland zum zweitgrößten Markt für den Erfolgstransporter.

So fließen in den kommenden Jahren rund 500 Millionen Dollar in den Aufbau des neuen US-Werks. Auf einer Gesamtfläche von über 800.000 Quadratmetern entstehen in Charleston ein komplett neuer Rohbau, eine Lackiererei sowie eine Montage.

Düsseldorf bleibt Kompetenzzentrum

Trotz des großen Schritts über den Atlantik behält das Werk Düsseldorf einen besonderen Stellenwert im Produktionsnetzwerk. „Für die nächste Sprinter-Generation setzen wir mit dem Werk Düsseldorf als Kompetenzzentrum auf den Standort Deutschland“, so Mornhinweg. Dazu würden insgesamt 450 Millionen Euro in die Modernisierung der beiden deutschen Werke investiert werden.

Seit dem ersten Sprinter 1995 möchte Mercedes-Benz Vans Maßstäbe bei den Transportern setzen. Dazu gehören neben dem Design, das ergonomisch gestaltete Cockpit sowie die Vielfalt von 1.000 Grundvarianten. Aber auch mit effizienten Motoren, umfassenden Sicherheitsausstattungen und Assistenzsystemen, heute unter anderen der serienmäßige Seitenwind-Assistent und die optionalen Spurhalte-, Totwinkel-, Fernlicht- und Abstandswarn-Assistenten will man bei den Kunden punkten. Bei der Effizienz soll das aktuelle Modell laut Daimler vor allem mit geringem Kraftstoffverbrauch trotz leistungsstarker Motoren überzeugen. Die Aggregate erreichen die künftige Abgasstufe Euro 6 und sollen sich mit einem Verbrauch von 6,1 l/100 km begnügen.

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