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Messring baut Crashtesteinrichtung für THI

| Redakteur: Jens Scheiner

An der Technischen Hochschule Ingolstadt (THI) entsteht derzeit ein Testzentrum für die Erforschung und Entwicklung im Bereich der Verkehrssicherheit. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 28 Millionen Euro.

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Die Frontseite des neuen Carissma Testscenters für Fahrzeuge.
Die Frontseite des neuen Carissma Testscenters für Fahrzeuge.
(Foto: Henn GmbH)

Das Projekt mit dem Namen Carissma (Center of Automotive Research on Integrated Safety Systems and Measurement Area) soll unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Thomas Brandmeier, das Leitzentrum für Integrale Sicherheit in Deutschland werden. Integral bedeutet in diesem Zusammenhang, dass erstmals in Deutschland nicht nur Teilaspekte wie Airbags, Karosserien oder aktive Sicherheitssysteme wissenschaftlich untersucht, sondern das Gesamtkonzept aller sicherheitsrelevanten Themen im Fahrzeug an einem zentralen Ort getestet werden.

Gesamtkosten in Höhe von 28 Millionen Euro

Zu Beginn des Jahres erfolgte die Vergabe der Crashanlage an den Crashtestanlagenbauer Messring aus Krailling. Die bayerische Firma arbeitet derzeit an der baulichen Integration der neuen Crashtesteinrichtung und rüstet die Hochschule mit der modernsten Anlagentechnik aus. Die vollständige Inbetriebnahme von Carissma ist für Januar 2016 geplant. Das Zentrum soll dann auf insgesamt 4.000 Quadratmetern Nutzfläche Labore, Büros und Versuchsflächen beherbergen. Bundesweit handelt es sich hierbei um den ersten an einer Fachhochschule geförderten Forschungsbau. Die Gesamtkosten von 28 Millionen Euro für das Forschungsprojekt übernimmt zu 50 Prozent der Bund und zu 50 Prozent der Freistaat Bayern. Das macht dieses Projekt zur größten und modernsten Fahrzeugversuchsanlage einer Hochschule in Europa.

Mehr Details bei Crashaufnahmen

Die Firma Messring liefert in den nächsten Monaten ein MicroTrack-Schienensystem, einen speziell für Crashtestanlagen konzipierten elektrischen Antrieb, einen mobilen Aufprallblock, eine Filmgrube mit transparenter Abdeckung, sowie diverse Barrieren und Aufbauten für unterschiedlichste Aufprallszenarien nach Ingolstadt. Die 74 Meter lange Schlittenanlage ist mit dem MicroTrack-Schienensystem ausgerüstet. Der Führungskanal ist laut Zulieferer viel schmaler als bei üblichen Lösungen und macht dadurch mehr Details bei Crashaufnahmen des Fahrzeugs von unten aus der Filmgrube sichtbar. Die gelieferten Spezialbarrieren ermöglichen den Ingenieuren der THI unter anderem, Offset-Versuche, Small-Overlap- sowie Pfahl- und Seitenaufpralltests. Dies sind alles gesetzlich vorgeschriebene Versuchsvarianten einzelner staatlicher Testbehörden (wie beispielsweise das bekannte NCAP-Programm mit der Sternebewertung) aus Nordamerika, Europa oder Asien.

Flexibel gestaltbare Crashhalle

Angetrieben wird die Schlittenanlage von einem sogenannten Electric-Propulsion-System. Der Elektromotor hat eine Leistung von 400 Kilowatt und kann Fahrzeuge mit bis zu 3,5 Tonnen Gesamtgewicht auf eine Geschwindigkeit von 65 km/h beschleunigen, bevor sie auf den Aufprallblock treffen. Dieser Block lässt sich vollständig demontieren, somit lassen sich innerhalb der Crashhalle auch Fußgänger-Versuche und Active-Safety-Tests durchführen. Final wird Carissmaneben der Crashtestanlage auch ein Fallturm-Labor, ein Batterie-Labor und ein HiL (Hardware-in-the-Loop)-Labor beherbergen. Auf der geplanten Außenfläche sollen vor allem Testmethoden für Car2X-Kommunikation getestet werden.

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