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Boxer Diesel Neue Technik durchgeboxt

| Redakteur: Jens Meiners

Der deutsche Automobilmarkt 2007 war eine Katastrophe, auch für uns“, bilanziert Jens Becker, Geschäftsführer der Subaru Deutschland GmbH. „Wir haben im Vorjahr mit 8 500 Einheiten

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Der deutsche Automobilmarkt 2007 war eine Katastrophe, auch für uns“, bilanziert Jens Becker, Geschäftsführer der Subaru Deutschland GmbH. „Wir haben im Vorjahr mit 8 500 Einheiten 22 Prozent weniger Fahrzeuge verkauft als 2006, da waren es 11 200 Einheiten. Das liegt auch daran, dass wir durch die fehlenden Dieselangebote keinen richtigen Ausgleich durch Aktivitäten im Flottengeschäft schaffen konnten.“

Dies ist jetzt vorbei, denn seit März 2008 sind die Modelle Legacy und Outback mit einem neuen 2-Liter-Common-Rail-Boxermotor beim Händler erhältlich. Der neue Forester wird ab September 2008 mit dem Aggregat ausgerüstet sein. Ende des Jahres folgt dann der Impreza. Für 2009 rechnet Becker mit etwa 5 000 verkauften Diesel-Subaru in Deutschland. Nicht zuletzt spekuliert er auf kleinere Fuhrparkbetreiber als Kundschaft.

Das 2-Liter-Dieselaggregat ist eine komplette Eigenentwicklung von Subaru. Die Leistung (110 Kilowatt bei 3 600 Umdrehungen pro Minute) und das Drehmoment (350 Newtonmeter bei 1 800 Umdrehungen pro Minute) bewegen sich im üblichen Rahmen.

Bei einer Testfahrt im Subaru Legacy 2.0 D überzeugte der Motor durch eine gute Elastizität und Laufkultur. Lediglich bei Volllast und niedrigen Drehzahlen war ein „Nageln“ zu hören, das bei den Wettbewerbern so nicht mehr zu vernehmen ist. Mit einem Normverbrauch von 5,6 Litern (148 Gramm CO2 pro Kilometer) ist die Legacy Limousine etwas sparsamer als der Legacy Kombi (5,7 Liter, 151 Gramm CO2) und der Outback (5,8 Liter, 153 Gramm CO2). Den Vergleich beim Kraftstoffverbrauch mit anderen Mittelklassemodellen mit Allradantrieb braucht Subaru nicht zu scheuen.

Für die Gemischaufbereitung setzt Subaru ein Common-Rail-System von Denso ein, das einen Einspritzdruck von bis zu 1 800 bar entwickelt und mit Hilfe von Magnetventilen und 8-Loch-Düsen den Kraftstoff einspritzt. Ungewöhnlich ist, dass Subaru (vermutlich aus Kostengründen) nur ein Hochdruck-Rail einsetzt, das oben auf dem Motor platziert ist. Relativ lange Hochdruckleitungen verbinden dann das Rail mit den Injektoren in den Zylinderköpfen.

Dadurch steigt die Gefahr, dass unkontrollierte Druckschwankungen in den Kraftstoffleitungen die Qualität der ein bis vier Einspritzungen pro Arbeitstakt beeinträchtigen. Subaru kompensiert dies wie alle anderen Hersteller mit einer Software, die diese Schwankungen abschätzt und daraus zylinderindividuell neue Einspritzdaten errechnet. Zusätzlich werden per Software gewisse Fertigungstoleranzen der Injektoren und die Alterung der Injektoren und des Motors berücksichtigt.

Die konstruktiven Vorteile des Boxerprinzips rechtfertigen laut Subaru den Verzicht auf eine Ausgleichswelle. Trotzdem sei der Boxer-Diesel deutlich vibrationsärmer als Wettbewerbsmodelle mit Ausgleichswelle.

Auch bei diversen Beschleunigungswerten nimmt Subaru für sich einen Spitzenplatz in Anspruch. Da man den Turbolader und die Abgasreinigung unter dem Motor platzieren konnte, bleibt der Schwerpunkt niedrig. Insgesamt sind die Abmessungen etwas kleiner als die des Ottomotors.

Subaru hat sich aus Zeitgründen zunächst für einen offenen Partikelfilter von Twintec entschieden, obwohl der Motor auch ohne Filtrierung die Grenzwerte der EU4-Norm erreichen würde. Bei den späteren Ausbaustufen soll dann ein geschlossenes Partikelfiltersystem an Bord sein. Weitere prominente deutsche Lieferanten sind Mahle (Kolben) und Sachs (Kupplung).

Serienmäßig werden die Diesel-Modelle mit einem Fünfgang-Schaltgetriebe ausgerüstet. Ab Herbst 2008 soll dann auch ein Sechsgang-Schaltgetriebe zur Verfügung stehen, ab 2009 zusätzlich ein Fünfgang-Automatikgetriebe. Interessant ist, dass der Klimakompressor in bestimmten Betriebspunkten (vor allem in der Warmlaufphase) als Wärmepumpe genutzt wird, um den Innenraum schneller zu erwärmen.

Den Dieselmotor bietet Subaru knapp 2 000 Euro teurer als einen ähnlichen Ottomotor an. Wer auf einen Sechszylinder-Boxer-Diesel von Subaru (etwa für den Tribeca) wartet, muss sich gedulden. Er könnte zwar laut Becker relativ schnell zur Serienreife geführt werden, da seine Grundlagen zusammen mit dem Vierzylinder-Dieselmotor definiert wurden. Allerdings wären nur vernünftige Stückzahlen zu erwarten, wenn absehbar ist, dass sich der Pkw-Dieselmotor in Nordamerika durchsetzt. „Dann könnte aber alles sehr schnell gehen“, prophezeit Becker.

Hartmut Hammer

(ID:242017)