ZF Friedrichshafen Neun Gänge, Hybride und Elektrolenkung

Redakteur: Jan Rosenow

Die neu entwickelte Neungang-Automatik war das Highlight der ZF-Fachpressekonferenz. 44 Testfahrzeuge demonstrierten die Kompetenz des Zulieferers in Sachen Antriebs- und Fahrwerkstechnik.

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Das interessanteste Mobil in dem Fuhrpark der ZF-Fachpressekonferenz am 12. Juni in Schlüsselfeld war zweifellos der Range Rover Evoque mit dem neu entwickelten Neungang-Automatikgetriebe. Das 9 HP deckt in zwei Versionen einen Drehmomentbereich von 200 bis 480 Newtonmetern ab und ist für Fahrzeuge mit quer eingebautem Motor vorgesehen.
Das interessanteste Mobil in dem Fuhrpark der ZF-Fachpressekonferenz am 12. Juni in Schlüsselfeld war zweifellos der Range Rover Evoque mit dem neu entwickelten Neungang-Automatikgetriebe. Das 9 HP deckt in zwei Versionen einen Drehmomentbereich von 200 bis 480 Newtonmetern ab und ist für Fahrzeuge mit quer eingebautem Motor vorgesehen.
(Foto: ZF Friedrichshafen)

Einen Tag nach Bosch hat auch die ZF Friedrichshafen AG der internationalen Fachpresse ihr Produktportfolio demonstriert. Auf einem ADAC-Fahrsicherheitsgelände im nordbayrischen Schlüsselfeld standen über 40 Fahrzeuge zum Ausprobieren bereit.

Das interessanteste Mobil in dem umfangreichen Fuhrpark war zweifellos der Range Rover Evoque mit dem neu entwickelten Neungang-Automatikgetriebe. Das Auto steht kurz vor seinem Verkaufsstart und ist die erste Serienanwendung des ZF 9 HP auf dem europäischen Markt – zweiter ist der Jeep Cherokee; über weitere Kunden wollte ZF aber keine Auskunft geben.

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Aber die Interessenten dürften in Friedrichshafen Schlange stehen. Denn das 9 HP, das in zwei Versionen einen Drehmomentbereich von 200 bis 480 Newtonmetern abdeckt, richtet sich an Fahrzeuge mit quer eingebautem Motor – ein Markt, auf dem das Unternehmen in den letzten Jahren nicht mehr aktiv war. Und mit neun Gängen markiert es gegenüber den üblichen Sechs- oder Siebengangkonstruktionen einen deutlichen Fortschritt in Sachen Spreizung und Schaltqualität.

Rund zwölf Prozent Kraftstoffersparnis

Im Vergleich zu einem konventionellen Sechsgang-Wandlerautomaten spart das 9 HP laut ZF fast zwölf Prozent Kraftstoff ein. Auch der Fahreindruck überzeugt auf ganzer Linie. Weil die Wandlerüberbrückungskupplung bereits bei sehr niedrigen Drehzahlen schließt, fühlt sich die Kraftübertragung genau so direkt und sportlich an wie bei einem Doppelkupplungsgetriebe. Der frühere Wandlereffekt – schnelles Hochdrehen des Motors und trotzdem träges Anfahren des Fahrzeugs – ist komplett verschwunden.

Mit dem 9 HP hat ZF aus dem Stand die Führung im Segment der quer eingebauten Automatikgetriebe übernommen. Konkurrenz kommt auf dem freien Markt unter anderem von Aisin Warner (Achtganggetriebe derzeit in Entwicklung), Jatco (neueste Generation des stufenlosen Getriebes CVT 8 in Produktion) und Getrag (neue Generation Doppelkupplungsgetriebe kommt 2015). Die Autohersteller VW und Hyundai haben bereits Zehnganggetriebe angekündigt.

Hybridkonzepte für alle Fahrzeugklassen

Nicht ganz so weit wie die Konkurrenten Bosch und Continental sind die Friedrichshafener dagegen mit ihren Elektroantrieben. Während die anderen schon Serienanwendungen vorweisen können, beispielsweise mit Renault und Smart, drehte auf der ZF-Veranstaltung nur ein selbst umgebauter Suzuki Splash mit Elektroantrieb seine Runden. Seine Besonderheit ist die Asynchronmaschine, die keine Metalle der seltenen Erden braucht und einen etwas höheren Wirkungsgrad erreicht als permanent erregte Motoren. Sie kann in einem elektrischen Achsantrieb integriert werden und so als komplette Antriebseinheit für E-Autos dienen, aber auch als Teil eines Axle-Split-Hybrids.

In Sachen Parallelhybrid zeigte ZF Serienfahrzeuge von BMW und Audi, die mit einer Achtgangautomatik mit integrierter Elektromaschine ausgestattet sind, sowie einen VW Jetta Hybrid. Der Jetta hinterließ trotz geringer elektrischer Leistung bei den Fahrversuchen übrigens den „hybridmäßigsten“ Eindruck, weil der Verbrennungsmotor in möglichst vielen Fahrzuständen konsequent abgeschaltet wurde – anders als bei den Premiumfahrzeugen.

Viel Entwicklungsarbeit steckt ZF in das Unterfangen, das nicht unerhebliche Mehrgewicht elektrischer Antriebskomponenten durch leichte Fahrwerkskomponenten zumindest teilweise auszugleichen. Mit einem Radträgermodul aus CFK und Aluminium, einer Querblattfeder aus glasfaserverstärktem Kunststoff und vielen anderen Bauteilen sollen Autos künftig wieder leichter werden.

Elektrolenkung jetzt auch im Cadillac

Einen viel deutlicheren Effekt auf den Kraftstoffverbrauch dürfte allerdings die Tatsache haben, dass sich die ZF-Elektrolenkung Servolectric mittlerweile in praktisch allen Fahrzeugklassen einsetzen lässt – bisher waren in SUV und großen Limousinen noch hydraulische Servos nötig. Und sie etabliert sich auch auf dem amerikanischen Markt, wie der neue Cadillac ATS zeigte. Die Konstruktion spart im NEFZ-Modus bis zu 0,4 Liter Kraftstoff im Vergleich mit einer hydraulischen Lenkunterstützung ein.

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Auch in der Fahrwerkstechnik hat ZF Neuheiten zu bieten. Zum Beispiel die aktive Hinterachslenkung AKC (Active Kinematics Control). Sie basiert auf je einem längenverstellbaren Spurlenker pro Seite, der einen Lenkwinkel von bis zu drei Grad einstellen kann – und zwar sowohl gegen- als auch gleichsinnig zur Vorderachse. Je nach Fahrgeschwindigkeit lässt sich so der Wendekreis beim Parken verkleinern oder die Fahrstabilität erhöhen. Der Serienstart von AKC soll noch in diesem Jahr sein.

Elektronische Dämpfer für Klein- und Kompaktwagen

Aus dem bekannten elektronischen Dämpfersystem CDC, das in einer Vielzahl von Fahrzeugen zu kaufen ist, hat das Unternehmen eine vereinfachte Variante für Klein- und Kompaktwagen entwickelt. Sie setzt die Regelventile nur an der Hinterachse ein, weil dort die Unterschiede in der Achslast und damit die Kompromisse bei der Fahrwerksabstimmung viel größer sind als vorn. Das CDC 1 XL lässt sich so zu deutlich geringeren Kosten einbauen als die Vollvariante.

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