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Flachleiter Nischenplatz

| Redakteur: Jens Badstübner

Flexible Flachleiter benötigen weniger Bauraum als der Rundleiter und werden diesen auf kurz oder lang im Bordnetz ersetzen. Darüber herrschte bis Mitte dieses Jahrzehnts Konsens bei

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Flexible Flachleiter benötigen weniger Bauraum als der Rundleiter und werden diesen auf kurz oder lang im Bordnetz ersetzen. Darüber herrschte bis Mitte dieses Jahrzehnts Konsens bei den Bordnetzexperten. „Heute ist man schlauer, denn der Flachleiter hat ein paar entscheidende Nachteile“, sagt Dr. Stefan Schiebold vom Hella-/Leoni-Gemeinschaftsunternehmen Intedis.

Flachleiter erfordern nämlich zusätzliche komplexe Brücken oder Matrixverteiler, nur um eine einfache Pinzuordnung umzudrehen. Außerdem sprechen die Randbedingungen im Fahrzeug gegen ihren Einsatz: Da es viele Übernahmeteile aus der vorherigen Serie gibt, müsste man die Steuergeräte ändern. „Das hat sich als nicht zielführend erwiesen“, sagt Schiebold. Trotzdem glaubt er noch immer an den Siegeszug von Flachleitern, „allerdings nur in Nischenanwendungen mit begrenztem Bauraum und als flexible Leiterplatte“.

Die etwa 100 Mikrometer starke flexible Leiterplatte (Flexible Printed Circuit, FPC) kombiniert nämlich Elektrik (Verdrahtung) und Elektronik (elektrische Bauteile) auf engstem Bauraum. Auf ihr lassen sich mit LEDs, Widerständen und kapazitativen Sensoren beispielsweise Folienheizelemente, Näherungsschalter oder eine Belegsensorik im Sitz aufbauen. Durch die FPC-Flexibilität passen diese Bauteile sogar in gewölbte dreidimensionale Flächen.

Die erste Applikation mit FPC-Technik ist bereits in Serie: Im Citroën C4 Picasso beleuchten seit 2006 LEDs die vorderen Kartentaschen, sobald ein Fahrzeuginsasse in sie hineingreift. Das Funktionsprinzip Kapazitätsänderung der Sensorfläche stammt von Hella Innenleuchten-Systeme und wird heute gemeinsam mit Intedis weiterentwickelt.

Beispielsweise zum kapazitativen Lichtschalter oder zum Einklemmschutz: In der Rückenlehne verbaut, könnte ein Sensor das Verfahren des Fordersitzes unterbrechen, wenn die Beine von Fondinsassen oder zerbrechliche Gegenstände im Weg sind (Bild). Die konventionelle Leiterplattentechnik stößt hier an die Grenzen, denn sie lässt sich kaum in gewölbte 3D-Flächen einbauen.

Im letzten Jahr hat Intedis sogar schon verschiedene Vorstandsfahrzeuge mit diesen neuen Funktionen ausgestattet. „Das wird sich durchsetzen“, prophezeit Schiebold aufgrund der positiven Resonanz.

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