Fahrbericht

Nissan GT-R: Facelift mit mehr Power

| Autor / Redakteur: SP-X / Jens Scheiner

Die Ingenieure haben dem Nissan GT-R ein Facelift verpasst. Die vierte Generation hat jetzt 570 PS und kostet knapp 100.000 Euro.
Die Ingenieure haben dem Nissan GT-R ein Facelift verpasst. Die vierte Generation hat jetzt 570 PS und kostet knapp 100.000 Euro. (Bild: Nissan)

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Der japanische Supersportwagen Nissan GT-R mit dem Spitznamen „Godzilla“ hat ein Facelift bekommen. Auch bei der vierten Generation geht Leistung vor Komfort.

Wer mit einem Nissan GT-R jeden Tag leben will, sollte entweder einen prall gefüllten Geldbeutel oder eine extrem hohe Schmerzgrenze in Sachen Tankkosten haben. Warum? Nun, der 3,8-Liter-V6 mit Turboaufladung gönnt sich gerne einen tiefen Schluck aus dem 74-Liter-Tank. Dass es 419 kW/570 PS nicht ohne die großzügige Verbrennung von feinstem Super-Plus gibt, sollte zwar klar sein, die Geschwindigkeit, in der sich die Tankanzeige in Richtung „leer“ bewegt, erstaunt trotzdem bei jedem Versuch aufs Neue. Nissan gibt den Durchschnittsverbrauch mit 11,8 Liter an. Ein Wert, der sich selbst im „Save“-Modus (so heißt der Öko-Modus im GT-R) und auf langen Autobahnetappen nicht erreichen lässt. Zugegeben: Mit 12,5 Liter waren wir sehr nah dran, doch dem GT-R dermaßen den Sprit-Hahn zuzudrehen macht natürlich keinen Spaß. Der beginnt erst, wenn man die drei Kipphebel für den Antriebsstrang, das Fahrwerk und das ESP auf „Race“ stellt, das Getriebe in den manuellen Modus schaltet und ordentlich durchlädt.

Motorsound mit eigenem Charme

Dann zeigt sich, dass „Godzilla“ selbst mit dem jüngst durchgeführten Facelift in Richtung Komfort ein verdammt harter Hund geblieben ist – auch zehn Jahre nach der Markteinführung. In 2,8 Sekunden geht es dank Launch-Control aus dem Stand auf Tempo 100. Der Sprung von null auf 50 km/h erfolgt dabei so blitzartig, dass man beim ersten Versuch gerne mal den Zug an der rechten Schaltwippe vergisst und der GT-R erbarmungslos in den Begrenzer knallt. Passt man den richtigen Moment zum Hochschalten allerdings ab, belohnt einen der Sportwagen mit einem fiesen Schlag in den Nacken und prescht dann unbeeindruckt weiter in Richtung der 100-km/h-Marke. Kaum ein Fahrzeug – vor allem nicht für einen Grundpreis von unter 100.000 Euro – schiebt bei Tempo 220 so energisch an wie der GT-R. Dabei kann der Motorsound zwar nicht das V10-Sägen eines Audi R8 oder das V8-Kreischen eines Ferrari 488 übertönen, die Geräusche, die der Nissan macht, haben dafür ihren ganz eigenen Charme. Das beginnt im Stand mit den mechanischen Tönen von Getriebe, Kupplung und Differenzial, die sich immer etwas kaputt aber gleichzeitig wunderbar rennwagenmäßig anhören. Tritt man dann das Gaspedal durch, wird das saugende Hochdrehen des Turbos ab 3.000 Umdrehungen von einem gewaltigen Rauschen der Drehmomentwelle abgelöst, auf der man bis zum Leistungs-Höhepunkt bei 6.800 Umdrehungen reiten kann. Kurz vor dem Begrenzer tritt dann die neue Titan-Abgasanlage in Erscheinung, die dem Konzert einen würdigen Abschluss in Sachen Motorsport-Atmosphäre verpasst.

Aber der GT-R kann nicht nur Geradeaus. Zwar verwirrt die Lenkung anfangs mit einer für ein 1.813-Kilo-Ungetüm ungewöhnlich starken Sucht nach Spurrillen, mit einer konsequent kräftigen Hand lässt sich das Allrad-Monster aber auch auf geschwungenen Bergstraßen bändigen. Mit allen wichtigen Parametern im Race-Modus schießt sich der Nissan wie die einst von Rallye-Legende Walter Röhrl zitierte Kanonenkugel von Ecke zu Ecke. Die Kombination aus Kraft, Traktion, leichten Drifts und schnellem Getriebe kann bei mehreren aufeinanderfolgenden Haarnadel-Kurven sogar gestandene Profis ein wenig schwindelig machen.

Navigationssystem mit Mängeln

Apropos Schwindel: Wer von einem Porsche 911 oder Lamborghini Huracán in den GT-R steigt, läuft Gefahr, auf den sehr weit oben montierten Schalensitzen einen leichten Höhenkoller zu erleiden. Zwar wird so das Ein- und Aussteigen im Alltag etwas leichter, für einen Sportwagen dürfte die Sitzposition aber deutlich tiefer sein. Und wo wir gerade bei Hoch- und Tiefpunkten sind, können wir auch noch über die Ladekante und das Infotainment-System sprechen. Erstere ist so schwer zu überwinden, dass sich für den Transport von Getränkekisten eine Seilwinde am Kofferraumdeckel anbieten würde und zweites ist so altbacken und fummelig, dass wir froh sind, sowieso lieber dem V6 in der Front als der Musik oder der Dame, die das Navigationsgerät bespricht, zu lauschen. Andererseits lassen sich die negativen Eigenschaften des GT-R (Verbrauch, Sitzposition, Kofferraum, Navi) an einer Hand abzählen, was den Sportwagen in diesem Test verdammt gut abschneiden lässt.

Klar, der extrovertierte Auftritt – selbst in Dunkelgrau – mit den breiten Schürzen, dem großem Spoiler und den babykopfgroßen Auspuffrohren ist nicht jedermanns Sache – exklusiver als der zehnte Porsche 911 in der Nachbarschaft ist der GT-R aber definitiv. Und auch in Sachen Alltagstauglichkeit muss der Japaner sich nicht hinter dem Alltags-Sportler schlechthin – dem Porsche 911 Turbo – verstecken. Vor allem das im Zuge des Facelifts deutlich aufgewertete Cockpit glänzt nun mit feinem Leder und viel Carbon, was den GT-R auch hier näher an den Elfer heranrücken lässt. Zwar dürfte der Zuffenhausener etwas sparsamer zu bewegen sein als der GT-R, für den Porsche-Aufpreis von 77.000 Euro bekommt man nach aktuellem Kurs aber auch 51.000 Liter Super-Plus. Und das reicht selbst bei sehr sportlicher Gangart, die sich beim GT-R in einem Durchschnittsverbrauch von rund zwanzig Liter niederschlägt, für rund 257.000 Kilometer. Punktsieg für Godzilla.

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