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Conti Nummer eins in Russland

| Redakteur: Bernd Otterbach

Continental investiert in Russland und baut seine Elektronikproduktion am Standort Kaluga aus. Der Zulieferer will in diesem Segment auf dem osteuropäischen Boom-Markt die Nummer eins werden. In Kaluga werden überwiegend Motorsteuergeräte, aber auch Komponenten für Kraftstoffversorgung und Einspritzanlagen gefertigt.

Mit einer Investition von rund sechs Millionen Euro wird jetzt eine neue Fertigungslinie aufgebaut. Conti will damit die Kapazität auf mindestens eine Million Motorsteuergeräte jährlich erweitern. Dafür sollen 120 neue Mitarbeiter eingestellt werden. Die bislang unter dem Namen Avtel LLC firmierende Landesgesellschaft wurde zudem am 5. Juli in Continental Automotive Systems Rus umbenannt.

Preiswerte Motorsteuergeräte

„Leistungsfähige und sparsame elektronisch gesteuerte Motorsysteme werden zunehmend in den aufstrebenden Märkten gefragt. Das liegt auch an den gestiegenen Emissionsanforderungen“, sagte Gerhard Böhm, Leiter der Business Unit Engine Systems bei Continental Powertrain. Bei der Entwicklung preiswerter Systeme für die automobilen Wachstumsmärkte, zu denen Russland gehört, kann Continental Powertrain auf das Know-how aus den klassischen Automobilmärkten zurückgreifen. „Kernstück der Technologie, die wir künftig vor Ort herstellen werden, ist unsere 32-bit-Motorsteuerung Easy-U“, so Böhm weiter. Das Steuergerät sei modular erweiterbar und könne deshalb über Softwareerweiterungen in die jeweilige Fahrzeugarchitektur eingepasst werden.

50 Prozent Wachstum in Russland

Der russische Fahrzeugmarkt gehört zu denen am schnellsten wachsenden weltweit. Während derzeit von 1.000 Russen rund 230 über einen Pkw verfügen, soll diese Zahl bis zum Ende des Jahrzehnts um mehr als 50 Prozent auf 375 steigen. „Unser Ziel ist es, der führende internationale Elektronikzulieferer in diesem Fahrzeugmarkt zu sein“, sagte José Avila, Leiter der Division Powertrain und Conti-Vorstand.

Einholen wird der russische Fahrzeugmarkt den deutschen in drei bis vier Jahren: „Für 2015 erwarten wir 3,5 Millionen verkaufte Neuwagen pro Jahr, für 2020 sogar 3,75 Millionen“, erläuterte Christian Kögl, Leiter Continental Powertrain Russland und CEO Continental Automotive Rus. In Deutschland werden pro Jahr rund drei Millionen Neuwagen verkauft. „Mit einem jährlichen Wachstum von zwölf bis 16 Prozent gehört der russische Markt zu den expansivsten weltweit“, betonte Kögl. Auch der Bereich Pkw-Reifen von Continental hatte in der vergangenen Woche angekündigt in Kaluga zu investieren.

Lokalisierungsgrad von 60 Prozent

Das Wachstum in Russland ist verbunden mit einem starken Ausbau der Fahrzeugindustrie im Land. Über steuerliche Anreize fördern die russische Regierung, aber auch die regionalen Körperschaften die Ansiedlung ausländischer Automobilhersteller und -zulieferer. So planen speziell in der Region Kaluga mehrere europäische OEMs den Bau neuer Werke. Diese müssen über eine Kapazität von mindestens 300.000 bis 350.000 Fahrzeugen verfügen und bei den verbauten Komponenten einen Lokalisierungsgrad von 60 Prozent erreichen.

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