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Automatisiertes Fahren NXP und DAF Trucks automatisieren LKW

| Redakteur: Wolfgang Sievernich

In einem offiziellen Fahrversuch testeten die Unternehmen das automatisierte Kolonnenfahren mit sehr kurzen Abständen.

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Bei einem Abstand von nur 0,5 Sekunden zwischen den LKW beträgt der Abstand nur 10 Meter. Die Reaktionszeit des nachfolgenden LKWs ist rund 25 Mal kürzer als die durchschnittliche menschliche Reaktionszeit von 1 Sekunde.
Bei einem Abstand von nur 0,5 Sekunden zwischen den LKW beträgt der Abstand nur 10 Meter. Die Reaktionszeit des nachfolgenden LKWs ist rund 25 Mal kürzer als die durchschnittliche menschliche Reaktionszeit von 1 Sekunde.
(Foto: Workhouse/DAF)

Im Rahmen der European Truck Platooning Challenge haben der Elektronikhersteller NXP und der niederländische Nutzfahrzeughersteller DAF automatisierte LKW auf die Straßen geschickt. Bei der Veranstaltung handelt es sich um eine Aktion des niederländischen Ministeriums für Infrastruktur und Umwelt, bei der elektronisch gekoppelte LKW-Kolonnen (Platoons) von verschiedenen europäischen Städten aus über öffentliche Straßen nach Rotterdam in den Niederlanden fahren.

Datenaustausch zwischen den LKW

Ziel sei es die wirtschaftlichen sowie verkehrs- und sicherheitstechnischen Vorteile der autonomen Kolonnen aufzuzeigen und damit die Umsetzung zu beschleunigen. Beim DAF-Projekt haben NXP, DAF, TNO und Ricardo unter dem Namen EcoTwin zusammengearbeitet. NXP steuerte eine Fahrzeug-zu-Fahrzeug-Kommunikationslösung (V2V) namens RoadLINK bei. Unter Verwendung des drahtlosen Kommunikationsstandards IEEE802.11p in Verbindung mit der NXP-Radartechnologie soll sie den sicheren Echtzeitdatenaustausch zwischen den LKW der Kolonne sowie das automatische Bremsen und Beschleunigen zusammen mit dem Führungsfahrzeug ermöglichen. Die Kommunikations- und Reaktionsgeschwindigkeit soll erlaubt extrem kurze Abstände und ein vollständig synchronisiertes Fahren innerhalb der Kolonne möglich machen.

Abstand nur von 10 Metern

Zur Demonstration des synchronen Beschleunigungs- und Bremsverhaltens ist der geplante Abstand auf 0,5 Sekunden festgelegt, was bei einer Fahrgeschwindigkeit von 80 km/h einem Abstand von nur etwa 10 Metern entspricht. Die Reaktionszeit des nachfolgenden LKWs in der Kolonne ist rund 25 Mal kürzer als die durchschnittliche menschliche Reaktionszeit von 1 Sekunde – in Gefahrensituationen ein entscheidender Vorteil. Das RoadLINK-Kommunikationssystem ist in die Rückspiegel der DAF-LKW eingebaut. Durch den redundanten Aufbau mit vier Kommunikationskanälen soll ein zuverlässiger Datenaustausch gewährleistet sein.

Echtzeitkommunikation per Video

Zusätzlich zu den automatisierten Fahrbefehlen bietet das V2V System Echtzeitkommunikation zwischen den beiden Fahrzeugen per Video und bidirektionaler Audioverbindung. Über die Audioverbindung können die Fahrer miteinander sprechen, ohne auf weitere Kommunikationskanäle, wie beispielsweise das Mobilfunknetz, zurückgreifen zu müssen. Darüber hinaus streamt das Führungsfahrzeug alles, was es „sieht“ auch, den Fahrern der Folgefahrzeuge auf den Bildschirm und ermöglicht ihnen so einen freien Blick auf die Straße vor der Kolonne.

„Natürlich ist noch einiges an Entwicklungsarbeit erforderlich, bevor wir Platooning als neue Technologie zur Marktreife bringen können“, erklärt Ron Borsboom, Vorstandsmitglied von DAF Trucks und verantwortlich für die Produktentwicklung. „Dieser Prozess wird definitiv nicht vor 2020 abgeschlossen sein. Es sind noch einige Dinge hinsichtlich der Rechtsprechung, Haftung und Akzeptanz zu klären.“

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