Suchen

Fahreraktivitätserkennung OEMs planen Fahrer-Dauerüberwachung

| Redakteur: Andreas Grimm, Andree Stachowski

Die Automobilindustrie hat laut einem Pressebericht weitreichende Vorstellungen vom gläsernen Autofahrer. Ihre Pläne einer „Fahreraktivitätserkennung“ stoßen jedoch auf Ablehnung.

Firma zum Thema

Geht es nach den Vorstellungen der Autoindustrie, haben Assistenzsysteme den Fahrer künftig ununterbrochen im Blick.
Geht es nach den Vorstellungen der Autoindustrie, haben Assistenzsysteme den Fahrer künftig ununterbrochen im Blick.
(Foto: Daimler)

Die Autoindustrie will im Rahmen eines automatisierten Fahrens deutlich mehr Daten erheben, als es bisherige Fahrerassistenzsysteme tun und können. Wie das Magazin „Stern“ in seiner am Mittwoch (28.5.14) erscheinenden Ausgabe berichtet, haben VDA-Vertreter die Installierung einer so genannten Fahreraktivitätserkennung vorgeschlagen. Sie soll beim Fahren mit Autopilot, an dem viele Hersteller arbeiten, zum Einsatz kommen. Beispielweise sollen die Innenraumkameras verhüten, dass der Mensch hinter dem Lenkrad des automatisch fahrenden Autos einschläft.

In einer jüngsten Sitzung des hinter verschlossenen Türen tagenden Runden Tisches des Bundesverkehrsministeriums gab es Kritik an diesen Plänen. Ein Teilnehmer sagte nach Informationen des „Stern“, eine Dauerüberwachung per Kamera klinge nach „Big Brother“. Im Resümee der Sitzung, das dem „Stern“ vorliegt, heißt es dennoch: „Eine Fahreraktivitätserkennung sollte zur Abwendung von vorhersehbarem Fehlgebrauch (z.B. Schlaf) integraler Bestandteil des Gesamtsystems sein.“

Gegenüber dem „Stern“ wies der VDA den Vorwurf der Überwachung als „abwegig“ zurück. Zugleich ließ der Verband die Frage nach dem Einsatz von Kameras offen. Man wolle „technologieoffen“ vorgehen. Der VDA wollte auch nicht die Frage beantworten, welche Informationen das Auto künftig speichern soll. Natürlich falle eine „große Menge an Daten“ an, heißt es in einer vom Herstellerverband miterstellten Vorlage, die dem „Stern“ vorliegt. Aber man habe „ein berechtigtes Interesse“, diese „für die Fahrzeugentwicklung“ zu nutzen.

Die geplante Fahreraktivitätserkennung würde über heutige Systeme zur Müdigkeitserkennung, bei denen Sensoren den Lidschlag oder das Lenkverhalten verfolgen, offenkundig deutlich hinausgehen. Es sei „nicht akzeptabel, dass jemand die ganze Zeit den Fahrer beobachtet“, sagte der Dresdner Fahrzeugdatenexperte Jürgen Bönninger dem „Stern“.

Die Linken-Verkehrsexpertin Sabine Leidig sagte, „der gläserne Autofahrer“ sei ein zu hoher Preis „für ein neues Geschäftsmodell“ der Autoindustrie. Auch die Verkehrsexpertin des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Monika Jungbluth, warnte: Verbraucher dürften „nicht als Versuchskaninchen missbraucht werden“.

(ID:42718286)