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Webasto Offene Forschung

| Redakteur: Jens Meiners

Retractable Hardtop oder Stoffverdeck? Inzwischen gibt es viele Konzepte. Der Zulieferer Webasto versucht, sich mit innovativen Ideen einen Vorsprung zu erarbeiten.

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Abwechslung macht Freude – und der Markt für Cabriodächer wächst, aber er ist unübersichtlich und anspruchsvoll geworden. Der Roadster mit Steckscheiben oder das bügelbewehrte Kompaktcabrio mit einer Stoffmütze, die sich bei höheren Geschwindigkeiten ballonartig aufbläht, werden nicht mehr akzeptiert. Ob Stoffdach oder Metall-Klappdach: Gefordert werden heute Komforteigenschaften, die praktisch auf dem Niveau geschlossener Fahrzeuge liegen.

Nachdem die Metall-Klappdächer für einen Paradigmenwechsel sorgten und vielen Kunden die Scheu vor dem offenen Auto nahmen, haben die Stoffdächer technisch nachgezogen. Rolf-Peter Baule, Global Vice President Convertible bei Webasto in Stockdorf bei München, glaubt an eine langfristige Koexistenz beider Dachvarianten: „Retractables werden im Volumen Marktführer, hingegen beobachten wir bei Fahrzeugen wie Bentley, Rolls-Royce oder Jaguar das Festhalten am Softtop.“

Dabei gibt es seitens der Hersteller keine Berührungsängste, Stoffverdecke auch für Fahrzeuge im 300-km/h-Bereich zu wählen. Dafür stehen beispielsweise der Bentley Continental GTC, der Lamborghini Gallardo oder der kommende Audi R8 Roadster. „Viele OEM wählen das Softtop gerne wegen des geringeren Gewichts. Aber es gibt Ausnahmen“, verweist Baule beispielsweise auf den neuen Ferrari California, das aktuelle Vorzeigeobjekt von Webasto und Anführer der RHT-Phalanx. Dennoch ist das Argument niedrigerer Gewichte nicht von der Hand zu weisen: „Ein hochwertiges Akustik-Softtop ist um 20 Prozent leichter als ein RHT-Dach“, so Baule. Ein weniger anspruchsvoll gedämmtes Stoffdach hat sogar einen Gewichtsvorteil von 30 Prozent.

„Es geht heute um Gewicht, Gewicht, Gewicht.“

Weitere Verbesserungen sind sowohl beim Stoffdach wie beim versenkbaren Hardtop möglich. Beim Hardtop lassen sich die Metallelemente durch Polycarbonat-Dachschalen ergänzen, wie etwa beim neuen Mazda MX-5. Webasto lässt die Anwendungen für Polycarbonat und Polyurethan im hauseigenen Kunststoffzentrum Schierling bei Regensburg entwickeln. Von dort stammt auch das aus transparentem Polycarbonat bestehende, starre Dachmodul für den Smart Fortwo, das bei 1,2 Quadratmetern Grundfläche nur 7,6 Kilogramm wiegt; halb so viel wie ein entsprechendes Glasmodul.

Solche transparenten Polycarbonat-Module sind auch bei einem beweglichen RHT-Dachmodul denkbar, sogar als beheizbare Heckscheibe. Baule sagt: „Unsere Kunden stehen bei Polycarbonat Schlange. Es geht heute um Gewicht, Gewicht, Gewicht.“ Das ließe sich auch bei den Stoffverdecken weiter reduzieren, wenn die Verdeck-Kinematik auf Kohlefaser-Teile zurückgreift. Hier sind fünf Kilogramm weniger Gewicht pro Bauteil realistisch. Und einfachere Dachsysteme sollen künftig vermehrt mit leichterer elektrischer anstatt hydraulischer Betätigung auf den Markt kommen.

Eine Verbindung zwischen Softtop und Hardtop schafft die Designstudie „Webasto LigHT Concept“ (Bild links). Ihr so genanntes „Hybrid Top“ besteht aus einem Neopren-Materialmix; auf eine herkömmliche Verdeck-Kinematik kann wegen des geringen Gewichts von 14 Kilogramm völlig verzichtet werden. Die CSM-Sandwich-Struktur ist nicht nur leicht, sondern auch gut recycelbar.

In etwa zwei Jahren sollen nanobeschichtete Materialien für Verdecke auf den Markt kommen, womit Webasto Staubablagerungen reduzieren will. Den Markt für Cabrioverdecke teilt sich Webasto weitgehend mit den drei Konkurrenten Edscha, Karmann und Magna CTS. In diesem Wettbewerb setzen die Stockdorfer auf Leichtbau und Innovationen – und auf ihren Namen: „Wir sind ein mittelständisches Unternehmen mit über 100-jähriger Tradition, das soll nicht in Vergessenheit geraten“, so Baule. Zu dieser Historie zählen übrigens nach wie vor die Schiebedächer, bei denen Webasto momentan weltweit 48 Prozent Marktanteil hält. Die Zukunft liegt jedoch woanders: „Wir werden unsere Kapazität für Cabrioverdecke deutlich ausbauen“, kündigt Baule an.

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