Suchen

Local Motors Online-Community ersetzt Ingenieure

| Redakteur: Bernd Otterbach

Der US-Hersteller Local Motors entwickelt mit Hilfe seiner Online-Community Fahrzeuge schneller und günstiger als die klassische Autoindustrie. T-Systems, doubleYUU und die Universität St. Gallen wollen in einer Analyse das Erfolgsrezept des Autobauers der nächsten Generation entschlüsseln.

Firmen zum Thema

Stellen Sie sich vor, Kunden mischen mit bei der Entwicklung ihres neuen Autos und diskutieren ihre Ideen und Wünsche mit Ingenieuren und Designern. Und schließlich begeben sie sich zu ihrem freundlichen Händler, um dort ihr Auto gemeinsam mit Freunden zusammenzubauen - ein Auto, das es nur ein einziges Mal gibt.

Genau diese Gedanken hatte Jay Rogers, als er sich entschloss, Local Motors zu gründen. Das Start-Up-Unternehmen aus Phoenix im US-Bundesstaat Arizona baut Autos. Das ist aber auch fast das einzige, was das 2007 gegründete Unternehmen, das sich selbst als Next Generation American Car Company bezeichnet, mit anderen Automobilherstellern gemeinsam hat. Die Entwicklungsabteilung des Unternehmens besteht im Wesentlichen aus einer Internet-Community, in der sich 25.000 Mitglieder aus 122 Ländern engagieren und Teile und Designs entwerfen. Der Rally Fighter, der seit Juni 2010 gebaut wird, ist das erste Auto überhaupt, dass in so einem offenen Entwicklungsprozess entworfen wurde.

T-Systems hat zusammen mit dem Hamburger Beratungsunternehmen doubleYUU und der Universität St. Gallen in einer Studie die Arbeitsweise und das Geschäftsmodell von Local Motors analysiert. Die Projektpartner veröffentlichen nun die erste detaillierte Analyse eines ungewöhnlichen Unternehmens, dessen Methode das Potenztial hat, den Automobilmarkt zu revolutionieren.

Alle Konstruktionsdaten öffentlich

Local Motors setzt in den Bereichen Konstruktion und Entwicklung voll auf Offenheit. Die Konstruktionsdaten aller Bauteile sind öffentlich einsehbar. Dadurch werden die Fahrzeuge in dynamischen Collaboration-Prozessen mit einer ungeheuren Geschwindigkeit entwickelt - eine Verfahrensweise, die eher an das Codieren von Software als an die Ingenieursarbeit in einer Entwicklungsabteilung erinnert. In nur 18 Monaten wurde aus einer 2D-Zeichnung ein Fahrzeug, das ein Kunde abholten konnte.

Der gemeinschaftliche, aber final immer von Local Motors gesteuerte Schöpfungsprozess - „Co-Creation“ - erlaubt es, ein Geschäftsmodell zu verfolgen, mit dem sich extrem schnell und mit einem sehr geringen Kapitaleinsatz individuelle, aber auch gänzlich neue Fahrzeuge entwickeln lassen und das sich zudem schon nach extrem kurzer Zeit rechnet. Bereits jetzt ist Local Motors nach eigenen Angaben an einem Punkt, an dem schon 150 verkaufte Fahrzeuge pro neuer Serie ausreichen, um den Break-Even zu erreichen.

Der erste Band der Local Motors Fallstudie ist ab sofort kostenlos als Download verfügbar. Im November soll ein zweiter Band folgen, dem eine empirische Befragung deutscher Automotive-Experten und Kunden zugrunde liegt und der die Reaktionen der deutschen Automobilindustrie und Verbraucher auf das Konzept Local Motors zum Thema hat. Dabei werden u.a. auch IT-Aspekte wie Collaboration, Security und Dynamic Hosting untersucht.

(ID:386295)