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Elektromobilität Opel-Chef Lohscheller: „Unsere Produkte sind zu komplex“

Autor / Redakteur: Jakob Schreiner / Sven Prawitz

Nach der Kritik an den „überkomplexen GM-Plattformen“ und der damit zusammenhängenden ineffizienten Opel-Produktion verkündet Vorstandschef Lohscheller in einem Interview jetzt vereinfachende Maßnahmen. Diese könnten zum Teil sofort umgesetzt werden.

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Michael Lohscheller ist seit Juni 2017 Opel-Chef.
Michael Lohscheller ist seit Juni 2017 Opel-Chef.
(Bild: Opel)

Um Opel nachhaltig profitabel zu machen, will der Hersteller unter anderem seine Produktkosten deutlich senken. „Die Produkte sind zu komplex, damit sind die Stückkosten zu hoch“, sagte Opel-Vorstandschef Michael Lohscheller in einem Interview mit der „Auto Motor und Sport“. Nach der Kritik des PSA-Vorsitzenden Carlos Tavares an veralteten Strukturen bei Opel hatte der Rüsselsheimer Betriebsratchef unter anderem auf die „überkomplexen GM-Plattformen“ verwiesen. Um die Wettbewerbsfähigkeit dahingehend zu verbessern, wollen die Rüsselsheimer jetzt an drei Punkten ansetzen.

Zum einen wolle man Individualisierungsmöglichkeiten mit zu geringer Resonanz bei Kunden künftig nicht mehr anbieten. „Wir streichen bei jedem Modell die Optionen, die von weniger als einem Prozent unserer Kunden ausgewählt werden“, sagt Lohscheller. Unter der Voraussetzung der zu geringen Nachfrage sei das bereits unter aktuellen Produktionsbedingungen ohne Mehraufwand möglich.

400 Vordertür-Varianten

Zum anderen sollen „auch Teile, die der Kunde nicht sieht“ gestrichen werden. „Wir möchten die Fülle theoretischer Baukombinationen reduzieren“, pflichtet der ebenfalls interviewte Entwicklungschef Christian Müller bei. Beispielsweise verbaue Opel je nach Ausführung im Corsa 16 unterschiedliche Frontscheiben, im Insignia seien theoretisch allein bei den Vordertüren 400 Varianten möglich, so der Entwicklungschef. Bei der Senkung der Stückkosten helfe der Vergleich innerhalb der PSA-Gruppe. „Da sehen wir im Detail, wo unnötige Kosten entstehen – und können es sofort ändern“, fährt Michael Lohscheller fort. Im früheren GM-Verbund hätte es kaum direkte Einflussmöglichkeiten gegeben, um Prozesse stark zu vereinfachen.

Außerdem stelle man längerfristig „nach und nach auf Konzerntechnologie der Groupe PSA“ um und „ab 2024 werden alle unsere Pkw-Modelle auf gemeinsamen Architekturen basieren“, so Lohscheller weiter. Die Autos auf GM-Plattformen liefen regulär weiter.

Ampera-E wieder bestellbar – aber teurer

Neben der Simplifizierung der Produktion ging es während des Gesprächs auch um die Elektrifizierung der Pkw-Baureihen. Die steht bei den Rüsselsheimern ganz oben auf der Agenda, noch vor dem automatisierten Fahren. Letzteres sei zwar „ein Megatrend, der für uns eine Rolle spielt“, die Priorität liege derzeit aber auf der Elektrifizierung der Pkw-Palette, so Lohscheller weiter.

Dabei dürfte dem lange praktisch nicht verfügbaren Ampera-E eine nicht ganz unbedeutende Rolle zu kommen. „Der Ampera-E wird ab Januar 2018 wieder bestellbar sein“, verkündet Lohscheller. Auf der Internetseite des Herstellers findet man derzeit allerdings noch keine aktuellen Hinweise darauf. Dafür erfährt man aber, dass der Ampera-E Plus für 42.990 Euro „voraussichtlich ab dem 2. Halbjahr 2018 bestellbar“ sein soll. Stimmen die Angaben von Lohscheller und Internetseite überein, kann also nur die rund 5.000 Euro teurere „Ultimate“-Variante ab Januar 2018 gemeint sein. Das bestätigte ein Opel-Sprecher auf Nachfrage unseres Schwestermagazins »kfz-betrieb«.

Wie bereits bei der Markteinführung ist das günstigere Modell zunächst nicht verfügbar. Damals kostete das E-Auto in der Basisversion noch 39.330 Euro (mit staatlicher Förderung 34.900 Euro) . Die teurere, tatsächlich erhältliche „First-Edition“ mit einer Vollausstattung ging damals für 44.060 Euro (mit Prämie 39.680 Euro) an den Start – konnte allerdings in den wenigen realisierbaren Abschlüssen für 600 Euro im Monat für drei Jahre geleast werden.

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 Jakob Schreiner

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Redakteur Ressort Service & Technik