Fahrbericht Opel Corsa 1,0 Turbo: Neuer Angriff auf Polo & Co

Redakteur: Wolfgang Sievernich

Mit dem neuen Corsa E ist Opel ein guter Wurf gelungen. Ansprechendes Design, volle Ausstattung, viele Assistenzsysteme und der 1,0 Turbomotor aus dem Adam. Wir fuhren den Kleinwagen und fanden viel Licht, aber auch ein paar Schattenseiten.

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Der neue Opel Corsa wird jetzt in der fünften Generation angeboten und tritt wieder gegen die Platzhirsche von Volkswagen und Ford an.
Der neue Opel Corsa wird jetzt in der fünften Generation angeboten und tritt wieder gegen die Platzhirsche von Volkswagen und Ford an.
(Foto: Opel)

Vor 32 Jahren stellte Opel den ersten Corsa vor und hat damit einen Kassenschlager entwickelt, der mittlerweile in der fünften Generation angeboten wird. Stellte der Kleinwagen lange Zeit bei Opel den Einstieg in die Marke dar, rangieren heute mit den Modellen Karl und Adam zwei Kleinwagen noch unter dem „kleinen Freund“, wie der Corsa mal in einer Werbung betitelt wurde. Seit dem vergangenen Jahr ist nun der Corsa E auf dem Markt, der wieder den ewigen Kampf gegen den Klassenprimus Volkswagen Polo und den Dauerrivalen Ford Fiesta aufnehmen soll. Mittlerweile drängen aber auch andere Marken mit Macht in das Kleinwagensegment und machen die Luft für die angestammten Platzhirsche dünner. Toyota Yaris, Hyundai i20, Mazda 2 oder Skoda Fabia um nur einige zu nennen. Grund genug also für Opel es beim Corsa noch besser machen zu wollen, oder zu müssen, je nach Sichtweise.

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Gelungenes Design

Wir testeten den Opel Corsa mit dem 1,0 Liter Turbomotor als Fünftürer. Beim Blick auf den neuesten Wurf ist es Opel gelungen den Wiedererkennungseffekt zum Vorgänger, dem Corsa D sicherzustellen, aber gleichzeitig auch einen deutlichen Schuss Moderne und Pfiff zu kreieren. Auffällig sind die Front mit den geschwungenen Scheinwerfern und Knick im Design. Eine dynamische Seitenansicht und eine vom Vorgänger schon fast bekannte Rückansicht runden das gelungene Bild ab. Auch beim Blick in den Innenraum stellt sich nicht die Frage in einem Opel zu sitzen, sondern nur welche Neuerungen der deutsche Automobilhersteller für den Kunden parat hat.

Modernes Infotainmentsystem

Für die Zielgruppe der jungen Käuferschaft dürfte besonders das IntelliLink-Infotainment-System für Begeisterung sorgen. Ein sieben Zoll großer Farb-Touchscreen ermöglicht den Zugriff auf Apps, Radio mit Internetanbindung und Navigationssystem. Das Design ist ansprechend, allerdings fallen die einzelnen Menüpunkte und „Bedientasten“ zu klein aus. Müssen sie während der Fahrt bedient werden, so schwenkt der Blick zu lange von der Straße weg. Auch ein haptisches Feedback des Touchscreen würde hier mehr Sicherheit vermitteln. Ansonsten ist das System gelungen. Das Navigationssystem ist präzise, man findet sich schnell zurecht. Mit der Siri Eyes Free-Sprachsteuerung für Apple iOS-Geräte kann man zudem SMS diktieren oder sich E-Mails vorlesen lassen, was selbst bei vielen größeren und teureren Fahrzeugen noch lange nicht Standard ist.

Ausreichend Platz

Da wir in einem Kleinwagen sitzen, sollten großgewachsene Redakteure ihre Ansprüche an den Platz nicht zu weit nach oben schieben, dennoch findet hier jeder seinen Raum. Der Corsa der neuesten Generation bietet auf den vorderen Sitzen erstaunlich viel Platz, allerdings lassen die Sitze an Seitenhalt vermissen, doch dazu später mehr. Auf der Rückbank geht es enger zu, aber auch hier ist das Platzangebot Klassenüblich und überzeugt mit guter Zugänglichkeit.

Gestartet wird der Wagen mit einem herkömmlichen Schlüssel. Das Lenkrad unseres Testwagens ist beladen mit Drehrädchen und Tasten, die für die Freisprechanlage, den Tempomaten und das Radio wichtige Kontrollmechanismen auf die Fingerfertigkeit des Fahrzeugführers übertragen.

Klasse Motor, zähes Getriebe

Und los geht die Fahrt. In der Stadt fällt besonders die leichtgängige Lenkung auf, die bei Opel City Modus heißt und das rangieren in Parklücken und durch die Stadt erleichtert. Das Sahnestück des Corsa ist definitiv der Motor. Der 1.0 ECOTEC Direkteinspritzer Turbo mit 85 Kilowatt oder auch 115 PS ist ein Dreizylinder der bereits der Euro 6 Norm entspricht und Fahrspaß mit optimiertem Verbrauch kombiniert. Trotz des kleinen Hubraums hängt der Wagen gut am Gas und ist sicher nicht nur auf die urbane Umgebung – also die Stadt – begrenzt. Auch auf der Landstraße und selbst der Autobahn macht die Maschine eine gute Figur. Der Turbo lässt einen den geringen Hubraum vergessen. Getrübt wird die Freude an der Fortbewegung aber sicherlich durch das verbaute Sechsganggetriebe. Die Schaltung ist zäh, Schaltvorgänge müssen mit Druck ausgeführt werden, hier hat der Automobilhersteller am falschen Ende gespart. Der Verbrauch hält sich in Grenzen, der Testwagen pendelte zwischen fünf und sechs Liter Superbenzin auf 100 Kilometer.

Weiterhin fällt auf, dass zwar das Fahrwerk angenehm komfortabel agiert, aber die Sitze – wie bereits erwähnt – viel zu wenig Seitenhalt aufweisen: entspanntes Fahren schaut anders aus.

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Viele Assistenzfunktionen

Ansonsten glänzt der Wagen mit einer Vielzahl an Assistenzsystemen. Der automatisch lenkende Parkassistent, der per Knopfdruck am Lenkrad aktiviert werden kann, erkennt mittels Ultraschallsensoren geeignete Parklücken, berechnet den Einparkweg und lenkt das Fahrzeug automatisch in parallel oder quer zum Straßenverlauf ausgerichtete Parkplätze. Ihn begleitet ein Toter-Winkel-Warner im Außenspiegel, der immer dann aufleuchtet wenn sich ein Fahrzeug beispielsweise auf der Überholspur nähert. Ab einer Geschwindigkeit von rund 160 Kilometer pro Stunde leuchtet der Warner permanent, sodass der Fahrer wieder selbst verschärft Rücksicht nehmen muss.

Noch lange nicht Klassenstandard ist auch ein Spurhalteassistent. Sind Systeme anderer Hersteller mit einer Rücklenkfunktion mit dem Lenkrad kombiniert und warnen vor dem Verlassen der Spur mit Vibration, so geht man bei Opel einen technisch leichteren Weg. Verlässt der Corsa die Spur, so wird der Fahrzeuglenker lediglich durch einen Ton auf die „Gefahr“ hingewiesen. Weitere Eingriffe erfolgen nicht, sodass man das passive System schneller abschaltet als Opel lieb sein dürfte. Hier gilt es nachzubessern, das können andere Automobilhersteller besser.

Zu viele Warntöne

Überhaupt scheinen sich Piep, Pfeif und Warntöne in den letzten Jahren zum Lieblingsspielzeug der Entwickler gemausert zu haben. Ob für das vergessene Licht, die geöffnete Tür, den Spurassistenten oder die Parksensoren. Speziell letztere warnen vor jeglichem was ihnen zu nahe kommt. Dass dabei noch Verbesserungspotential besteht, bemerkt man spätestens wenn man beispielsweise vorwärts an einer Mauer parkt. Legt man den Rückwärtsgang ein, warnen die Parksensoren mit penetrantem lautem Pfeifton weiter noch vor allem was vor der Motorhaube steht, auch wenn das für den Fahrzeuglenker gar nicht mehr von Belang ist. Hier gilt es intelligentere Systeme zu entwickeln, bei dem Sensoren mit der jeweiligen Gangstufe gekoppelt wären, doch das ist für den Corsa E noch Zukunftsmusik.

Fazit

Opel hat mit dem neuen Corsa ein gutes Fahrzeug entwickelt, was sich mit dem Wettbewerb messen lassen kann. Besonders der Motor kann überzeugen. Pluspunkte gibt es auch für das volle Ausstattungspaket und speziell das Infotainmentsystem. Minuspunkte sammeln das Getriebe, die Sitze und teilweise auch die Assistenzsysteme. Hier liegen die Unterschiede im Detail. Der Grundpreis startet bei 12.730 Euro, der vollausgestattete Testwagen kommt einige Tausend Euro teurer.

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