Wirtschaft Opel: Investitionen in die Zukunft

Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Jan Rosenow

Die Rüsselsheimer haben einen Einblick auf ihre künftige Antriebstechnik gewährt: neue Benzin- und Dieselmotoren sind serienreif, eine Achtgangautomatik kommt demnächst.

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Mit frischem Mut und neuen Motoren geht Opel in die Zukunft.
Mit frischem Mut und neuen Motoren geht Opel in die Zukunft.
(Foto: Opel)

Am 10. April stand auf dem Opel-Testgelände in Dudenhofen eigentlich die Antriebstechnik im Mittelpunkt. Doch die Nachricht, die am Nachmittag über den Bildschirm des Insignia-Testwagens flimmerte, verdrängte kurzzeitig die Fahreindrücke mit dem neuen Achtgang-Automatikgetriebe: Konzernmutter GM stellt der deutschen Traditionsmarke weitere vier Milliarden Euro Investitionsmittel zur Verfügung. Vom Rücksitz, auf dem der begleitende Opel-Techniker saß, war ein leises Aufatmen zu hören.

Die Jahreszahl 2016 ist nicht zufällig gewählt – denn bis dann will der Rüsselsheimer Hersteller 13 neue Motoren sowie mehrere moderne Getriebebauarten einführen und damit den Rückstand aufholen, den er auf diesem Gebiet gegenüber vielen Wettbewerbern hat.

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Als serienfertige Testmuster standen ein Diesel und ein Benziner bereit, beide mit 1,6 Litern Hubraum, Turbolader und Direkteinspritzung. Sie waren mit einem ebenfalls neu entwickelten Schaltgetriebe kombiniert. Prototypenstatus hatten derweil ein Insignia mit Achtgang-Wandlerautomatik und ein Adam mit neu entwickeltem automatisiertem Getriebe.

Der stärkste Diesel seiner Klasse

Die größte Bedeutung im Verkauf dürfte der 1,6-Liter-CDTI haben. Opels Ziel war es, die höchste spezifische Leistung in dieser Hubraumklasse zu erreichen, was mit 100 kW/136 PS sowie 320 Newtonmetern Drehmoment auch gelungen ist. Außerdem soll der Motor „Klassenbestwerte bei Geräuschentwicklung, Vibrationen und Laufkultur“ bieten – doch dieses Versprechen aus der Präsentation konnte der Vierzylinder während der Testfahrt im Zafira Tourer nicht einlösen. Zwar fehlte das typische, harte Diesel-Verbrennungsgeräusch – auffällig leise war der 1,6-Liter aber nicht. Der Fortschritt zum zuletzt getesteten 1,7-Liter-Diesel im Meriva ist freilich eklatant.

Im Zafira Tourer soll der 1,6 CDTI lediglich 4,1 Liter auf 100 Kilometern verbrauchen (Durchschnittswert nach NEFZ). Das entspricht einer CO2-Emission von 109 Gramm pro Kilometer. Dank SCR-Kat ist er schon nach Euro 6 homologiert.

Der kompakte Vierzylinder soll den 1,7-Liter sowie die schwächeren Versionen des Zweiliter-Diesel in den meisten Opel-Modellen ablösen. Künftig soll es sogar eine doppelt aufgeladene Version geben, die neue Bestwerte bei Leistung und Drehmoment erreichen dürfte.

Sehr sportlicher „Performance Turbo“

Der Benzin-Bruder des 1,6 CDTI nennt sich SIDI (für Spark Ignition Direct Injection) und ist Opels erster Ottomotor mit Direkteinspritzung und Turbolader. Er wird zusammen mit dem Diesel in einer flexiblen Fabrik in Ungarn gebaut. Bereits bekannt ist die 170-PS-Version aus dem Cascada, doch in Dudenhofen stellte das Unternehmen nun den 147 kW/200 PS starken „Performance Turbo“ vor.

Im Vergleich zum Vorgänger, dem aufgeladenen 1,6-Liter mit Saugrohreinspritzung, schafft der Neuling laut Opel 30 Prozent mehr Drehmoment bei zehn Prozent weniger Kraftstoffverbrauch. Wie beim Diesel ist sich der Hersteller auch bei diesem Aggregat sicher, einen besonders laufruhigen Motor geschaffen zu haben – was diesmal auch stimmt. In der Version für den Insignia besitzt er als einziger Motor dieser Klasse Ausgleichswellen – doch auch ohne sie ist er ein vibrationsarmer und leiser, trotzdem aber wohlklingender Antrieb, wie die Version für den Astra auf den Testfahrten bewies. Mit bis zu 300 Newtonmetern im Overboost sorgt der Vierzylinder zudem für sehr sportliche Fahrleistungen. Das ihm zugeordnete, neu konstruierte Sechsganggetriebe funktioniert unauffällig gut.

Die Rüsselsheimer haben es sich nicht nehmen lassen, zusätzlich auch ein nagelneues Fünfganggetriebe zu konstruieren – nach ihren Marktforschungen soll diese Bauart bei Drehmomenten unter 220 Newtonmetern noch sehr lange den Markt dominieren. Selbst dem antiken Viergang-Wandlerautomaten hält die GM-Tochter noch für ein paar Jahre die Treue.

Keine klare Linie bei den Getrieben

Doch in der Kompakt- und Mittelklasse sind moderne automatische Getriebe ein Muss – das hat nun auch Opel eingesehen. Erste Frucht dieser Überlegungen ist eine Achtgangautomatik in Wandlerbauart, die demnächst vermutlich im modellgepflegten Insignia erstmals zu haben sein wird. Die Box stammt vom japanischen Zulieferer Aisin AW und kann in Kombination mit Ottomotoren 400, mit Dieselmotoren 500 Newtonmeter Drehmoment übertragen. Die Spreizung beträgt 7,8.

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Das Getriebe ist start-stopp-fähig und sowohl leichter als auch kürzer als das bislang verwendete Sechsganggetriebe, meldet Opel. Bei den Testfahrten überzeugte es, wiewohl noch als Prototyp angekündigt, bereits mit sehr schnellen und sanften Schaltvorgängen und einem direkten Fahrgefühl, resultierend aus der Überbrückung des Wandlers.

Neben diesem sehr modernen Aggregat will Opel zusätzlich noch Doppelkupplungs- und stufenlose Getriebe anbieten – vermutlich in den kleineren Drehmomentklassen. Und als wäre das nicht genug, hat das Unternehmen ein neues automatisiertes Schaltgetriebe mit fünf Gängen entwickelt.

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Erträgliche Schaltqualität beim automatisierten Getriebe

Ein Fünfgang-AMT? Das klingt nach tiefsten Neunzigern und lässt einen sofort an den Smart und seine langen Schaltpausen denken – aber Opel will sich die geringen Kosten des Konzepts und seinen guten Wirkungsgrad zumindest in den kleinen Fahrzeugklassen nicht entgehen lassen. Der erste Fahrversuch in Dudenhofen zeigte eine durchaus erträgliche Schaltqualität der elektrohydraulisch gesteuerten Box – ob die Kunden sie aber annehmen werden, bleibt abzuwarten.

Die beiden neuen Motoren und die kommende Achtgang-Automatik sind konkurrenzfähige Angebote auf dem Markt, mit denen sich die Marke nicht vor VW, Ford und den anderen Nebenbuhlern verstecken muss. Und mit den vier Milliarden vom Mutterkonzern könnte der herbeigesehnte Turnaround vielleicht wirklich gelingen.

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