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Restrukturierung Opel will höhere Verkaufspreise durchsetzen

Autor / Redakteur: Christoph Seyerlein / Sven Prawitz

Opel und PSA haben am Donnerstag gemeinsam den Zukunftsplan für den angeschlagenen Rüsselsheimer Autobauer präsentiert. Unter anderem hofft Opel darauf, dass die Kunden bereit sind, wieder mehr Geld für Autos mit dem Blitz auszugeben.

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Opel-CEO Michael Lohscheller stellt das Restrukurierungsprogamm „Pace“ vor.
Opel-CEO Michael Lohscheller stellt das Restrukurierungsprogamm „Pace“ vor.
(Bild: Opel)

Carlos Tavares ist ein Mann klarer Worte: „Die Lage bei Opel ist dramatisch und sie verschärft sich mit jedem Tag weiter“, leitete der PSA-Chef seinen Redepart bei der Vorstellung des Sanierungsplans für die neue Konzerntochter Opel in Rüsselsheim am Mittwoch (8. November) ein. Es gelte nun, Opel so schnell wie möglich wieder profitabel zu machen.

Zuvor hatte Opel-Chef Michael Lohscheller vor der versammelten Presse versucht, sich etwas Luft zu verschaffen. „Wir beabsichtigen, unsere Ziele ohne betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen in Europa zu erreichen“, ließ der Manager verlauten. Aber auch er musste schnell eingestehen: „Der Status quo ist keine Option, wie bisher kann es nicht weitergehen.“

Kosten in allen Bereichen senken

Klar sei, dass Opel in allen Bereichen die Kosten senken müsse, auch die Lohnkosten. Das Prinzip eines weichen Personalabbaus liegt nahe. Das heißt konkret: Der Hersteller wird versuchen, die Kosten zunächst unter anderem über Altersteilzeitmodelle, Abfindungen für Mitarbeiter, die das Unternehmen freiwillig verlassen, aber auch Kurzarbeit zu drücken. Außerdem will Lohscheller die Arbeitszeit von vielen Mitarbeitern, die in ihren Verträgen eine 40-Stunden-Woche festgeschrieben haben, auf 35 Stunden reduzieren.

Die Ergebnisse, die Tavares von Lohscheller erwartet, sind knackig: Bis 2020 soll Opels Automobilgeschäft eine operative Marge (Ebit) von zwei Prozent erzielen, spätestens im Jahr 2026 soll dieser Wert dann bereits bei sechs Prozent liegen. Die Einsparungen sollen zunächst bei jährlich 1,1 Milliarden Euro, später dann sogar bei 1,7 Milliarden Euro jährlich liegen. Auch der Cashflow soll bis 2020 positiv sein. Dabei ist es Opel seit 1999 in keinem Jahr mehr gelungen, einen Gewinn zu erzielen. Zuletzt hatte das Fabrikat pro Quartal häufig dreistellige Millionen-Verluste eingefahren.

Tavares kommentierte dazu trocken: „Opel verbrennt Geld. Das müssen wir schleunigst ändern.“ Da stellt sich die Frage, ob das überhaupt möglich ist. Tavares und Lohscheller nennen PSA selbst als Vorbild für Opel. Die Franzosen steckten 2014 selbst noch in der Verlustzone. Seit Tavares am Steuer sitzt, geht es aber wieder bergauf, im ersten Halbjahr 2017 lag die Marge bei 7,3 Prozent. Der Manager gilt in der Branche als knallharter Sanierer. PSA hat er nicht zuletzt dadurch auf Profitabilität getrimmt, dass er binnen sechs Jahren jeden vierten Arbeitsplatz in dem französischen Konzern abgebaut hat. Die halbgaren Zusagen an die Opel-Beschäftigten von Lohscheller sind also mit Vorsicht zu genießen.

Kommt Opel von den Eigenzulassungen weg?

Zentraler Baustein auf dem Weg zur Profitabilität soll die Preispolitik bei den Opel-Modellen werden. „Wir wollen unsere Fahrzeuge höher positionieren“, gibt Lohscheller die Marschrichtung vor. Ob Kunden schon bald bereit sein werden, für Opel-Modelle mehr Geld als bislang auszugeben, ist äußerst fraglich. Zu schwach erscheint die Marke, zu sehr hat sich der Autobauer durch seinen ständigen Griff zu Eigenzulassungen über die letzten Jahre hinweg die Preise selbst kaputt gemacht. Mehr als 40 Prozent solcher taktischen Verkäufe pro Monat in Deutschland waren zuletzt eher Regel als Ausnahme bei Opel. Lohscheller ist nach eigener Aussage klar, dass Rüsselsheim in Zukunft nicht mehr derart exorbitant zu diesen Mitteln greifen kann.

Profitieren will Opel vor allem vom SUV-Boom. Bis 2021 sollen nach den Vorstellungen des Managements 40 Prozent aller Opel-Verkäufe auf dieses Segment entfallen. Ohne näher darauf einzugehen, kündigte Lohscheller zudem an, auch die Digitalisierung im Verkauf vorantreiben zu wollen. Dabei verwies er auf den kürzlich eröffneten Cayu-Store in Stuttgart als Vorbild.

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Break-Even-Point liegt „viel zu hoch“

Dem Opel-Chef zufolge hofft das Fabrikat, noch vor 2026 bereits mit 800.000 verkauften Autos im Jahr Gewinne erzielen zu können. Klare Aussagen dazu, wo aktuell der Break-Even-Point liegen würde, vermied Lohscheller. „Viel zu hoch“, antwortete er einem Journalisten auf eine Frage dazu. Im vergangenen Jahr hatten Opel und Vauxhall gemeinsam in Europa 1,16 Millionen Neuwagen abgesetzt – und dabei 257 Millionen Euro Verlust gemacht.

Wie er die Marke stärken will, um höhere Preise für die Autos zu rechtfertigen, konnte Lohscheller kaum schlüssig darlegen. Opel solle in jedem Fall eine deutsche Marke bleiben, die Autos anhand ihres Designs sofort als Opel erkennbar sein. „Das Risiko der Kannibalisierung mit PSA-Modellen ist sehr gering“, gibt sich Lohscheller überzeugt. Ein gutes Beispiel dafür sei etwa der Grandland X, der auf derselben Plattform wie der Peugeot 3008 stehe, aber dennoch ganz anders auftrete. Auch die Markenloyalität will Opel „gemeinsam mit dem Händlernetz“ verbessern, wie der CEO ankündigte. Vorangehen soll es zudem bei den Restwerten. Und Lohscheller will den alten Claim „Opel – der Zuverlässige“ wieder beleben.

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Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«