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Personalie Piëchs Abgang ist ein Schock

| Autor / Redakteur: Jens Meiners / Jens Scheiner

Der Rücktritt von Ferdinand Piëch als Aufsichtsratsvorsitzender des Volkswagen-Konzerns lässt die Automobilindustrie erbeben. Sein Umgang mit der Personalie Winterkorn hatte den Patriarchen isoliert. Piëchs Rückzug darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass er als einer der Hauptaktionäre der Porsche SE weiterhin Einfluss nehmen kann. In welcher Form wird sich zeigen.

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Ferdinand Piëch tritt mit sofortiger Wirkung von seinem Amt als Aufsichtsratsvorsitzender der Volkswagen AG zurück. Auch seine Frau Ursula gibt ihr Mandat in dem Kontrollgremium ab.
Ferdinand Piëch tritt mit sofortiger Wirkung von seinem Amt als Aufsichtsratsvorsitzender der Volkswagen AG zurück. Auch seine Frau Ursula gibt ihr Mandat in dem Kontrollgremium ab.
(Foto: VW )

Ist die Ära Piëch beendet? Das Statement des Aufsichtsratspräsidiums von Volkswagen konstatierte am Samstag (25. April) nüchtern: „Die Mitglieder des Präsidiums haben einvernehmlich festgestellt, dass vor dem Hintergrund der vergangenen Wochen das für eine erfolgreiche Zusammenarbeit notwendige wechselseitige Vertrauen nicht mehr gegeben ist.“ Und mehr: „Vor diesem Hintergrund hat Prof. Dr. Ferdinand K. Piëch sein Amt als Vorsitzender des Aufsichtsrates sowie alle seine Aufsichtsratsmandate innerhalb des Volkswagen Konzerns mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Auch Frau Ursula Piëch hat alle ihre Aufsichtsratsmandate im Volkswagen Konzern mit sofortiger Wirkung niedergelegt.“

Wolfgang Porsche dankt Piech

Ausgerechnet der Aufsichtsratsvorsitzende der Porsche SE, Wolfgang Porsche, lässt großmütig verlauten: „Wir danken Ferdinand Piëch für die Jahrzehnte seines außergewöhnlichen und höchst erfolgreichen Einsatzes für den Volkswagen Konzern.“ Und nachdem er das Lebenswerk seines Vetters gleichsam abgeschritten und ausgemessen hat, fährt er mit mahnendem Unterton fort: „Wir werden weiterhin mit großer Loyalität unsere Verantwortung als Großaktionär für den Volkswagen Konzern und seine 600.000 Mitarbeiter wahrnehmen.“

„Ich bin auf Distanz zu Winterkorn“

Piëchs Abgang ist ein Schock. „Vor ein paar Tagen haben nur wenige auf Martin Winterkorn gesetzt“, verrät ein hochrangiger Manager des Volkswagen-Konzerns. Der 67-jährige Firmenchef hatte sich vor zwei Wochen unerwartet herber Kritik ausgesetzt gesehen. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Ferdinand Piëch (78), hatte dem Wochenmagazin „Der Spiegel“ souffliert: „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn“ Und begründet: Die Kernmarke VW kann nur eine miserable Umsatzrendite vorweisen, die seit Jahren kontinuierlich gefallen ist; auf dem US-Markt spielt VW nur eine Nebenrolle; und es gibt keine überzeugende Strategie für Low-Cost-Modelle, geschweige denn Visionen für Mobilitätsfragen der Zukunft. Die Attacke hat das Unternehmen in Aufruhr versetzt: Piëch und Winterkorn arbeiteten jahrzehntelang eng zusammen, und Winterkorn hatte sich ausgemalt, in zwei Jahren als Nachfolger Piëchs an die Spitze des Aufsichtsrats zu rücken.

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