Personalie

Piëchs Abgang ist ein Schock

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Im Krisenmodus

In der Folge der Piëchschen Bemerkungen hat sich das sechsköpfige Aufsichtsratspräsidium zweimal getroffen. In der ersten Sitzung - in Salzburg am 16. April - hat Piëch dem Vernehmen nach versucht, seine Besorgnis über die Zukunft des VW-Konzerns zu vermitteln. Doch die fünf anderen Mitglieder des Gremiums - die beiden Gewerkschaftsvertreter Bernd Osterloh und Stephan Wolf, der SPD-Ministerpräsident Stephan Weil und Wolfgang Porsche - hatten kein Interesse an der sachlichen Erörterung der Thesen. Statt dessen wurde eine Erklärung verabschiedet, derzufolge Winterkorn „der bestmögliche Vorsitzende des Vorstands für Volkswagen“ sei - ein beispielloser Kotau eines Aufsichtsrats vor dem Angestellten. Darüber hinaus annoncierte man die Verlängerung von Winterkorns Vertrag über 2016 hinaus. Piëchs Ansinnen, dass man dann auch seinen Vertrag verlängern möge, stieß auf helle Empörung.

„Der Alte muss weg“, lautete die Überschrift in der „Bild am Sonntag“ am folgenden Sonntag (26. April). Und weiter: Piëch habe Porsche-Chef Matthias Müller für den Chefposten in Wolfsburg vorgeschlagen. Ob das stimmt oder nicht, sei dahingestellt: Müller wurde bei der Pressekonferenz in Shanghai, die Winterkorn wegen Erkrankung absagte, mehr als frostig behandelt. Es war ein Indikator für die vergiftete Stimmung im Konzern.

Showdown in Braunschweig

Die zweite Sitzung des Präsidiums stieg am 25. April in Braunschweig - in der Hoffnung, sie möge die Spannung zu lindern und den Weg für eine reibungslose Hauptversammlung am 5. Mai in Hannover ebnen. Das ist gründlich danebengegangen. Die Gewerkschafter, traditionell Piëchs Verbündete, hielten gemeinsam mit Wolfgang Porsche an der kompromisslosen Unterstützung für Winterkorn fest. Im Ergebnis wurde der Wunsch, Piëch als Chef des Aufsichtsrats zu ersetzen, vorzeitig erfüllt: Der Titan trat nicht nur als Vorsitzender des Aufsichtsrats zurück, er verließ das Gremium komplett - gemeinsam mit seiner Frau Ursula. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihren Einblicken ins Geschäft hätte sie sich als Piëchs Nachfolgerin empfohlen. Mit einem Schlag lag es am ehemaligen Gewerkschaftsboss Berthold Huber (65), Piëchs Fußstapfen auszufüllen, bis ein Nachfolger gefunden ist. Seine Reaktion auf den unerwarteten Rückzug des Patriarchen wird als „konsterniert“ und „besorgt“ beschrieben.

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Piëchs Demission ist ein persönlicher Sieg für seinen Vetter Wolfgang Porsche, der die Demütigung des verpfuschten Übernahmeversuchs von 2010 nie vergessen hat. Damals hatte Porsche den verwegenen Plan ausgebrütet, VW zu übernehmen. Letztlich landete Porsche unter den Fittichen der Wolfsburger - ein Triumph für Piëch. Seine Wertschätzung für den Porsche-Zweig der Familie hält sich seitdem in engeren Grenzen denn je. Manche Beobachter glauben, Piëchs Abgang sei der finale Mißklang, mit dem seine umstrittene, aber insgesamt glänzende Karriere nunmehr ende - eine Karriere, die diesen Enkel von Ferdinand Porsche auf eine Ebene mit seinem Großvater, mit Eiji Toyoda, Soichiro Honda oder Henry Ford gehoben hat.

Doch vielleicht kommen die Nachrufe verfrüht. Piëch ist einer der Hauptaktionäre der Porsche SE, die 50,7 Prozent der VW-Gruppe besitzt. Ob er, der Stillosigkeit geziehen, nun betreten und reumütig zusieht, wie ein aus seiner Sicht falsches Management mit seiner Investition umgeht? Als Anteilseigner kann Piëch, der sich guter Gesundheit erfreut, weiterhin Einfluss auf verschiedenen Ebenen ausüben - oder, wenn die Desillusionierung anhält, seine Anteile abstoßen. Kein Wunder, dass der vergiftete Sieg seiner Widersacher von der bangen Frage nach seinen nächsten Schritten überschattet wird.

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